Armenien per Rad - Tagebuch einer Radreise

© Christian Hartmann, Jörg Feye,  ✉ 

Tatev - Khndzoresk, 49 km, 1174 Hm

Wo die Menschen noch vor wenigen Jahrzehnten in Höhlen lebten

Das Felsendorf Chndzoresk

Auf einer Schotterstraße fahren wir in die Schlucht hinab. In der “Devils Bridge” zwängt sich der Bach Vorotan zwischen senkrechten, grauen Feldwänden hindurch, die kaum mehr als 10 m voneinander entfernt sind. An einer etwas breiteren Stelle der tiefen Schlucht, baden Kinder in zwei kleinen Becken.

Schweißtreibend geht es durch die grüne Schlucht aufwärts, diesmal auf Asphalt. Wir passieren einige Hotels und einen Aussichtspunkt auf die erstaunlich dicht bewaldete Schlucht. Erstaunlich, da sie an vielen Stellen sehr steil ist und wir immer wieder fasziniert sind, wo Bäume überall Halt finden. Oben angekommen, geht es durch Grasland in großen Wellen nordwärts und dann über die recht holprige Hauptstraße M2 nach Goris. Die Stadt liegt in einem Tal und wirkt von oben erstaunlich grün.

Wir überwinden einen weiteren “Hügel” und biegen dann zum Dorf Chndzoresk ab. Dort kommen uns zwei LKW entgegen auf deren Ladeflächen jeweils bestimmt ein Dutzend Männer stehen. Am Straßenrand stehen alte Landmaschinen: ein Mähdrescher, eine Raupe, ein Pflug und einige Traktoren. Viele könnte man in Deutschland sicher schon im Museum bestaunen, hier halten die Menschen sie mit Geduld und Geschick am Laufen. Nicht ohne Grund hat jedes Dorf mindestens zwei Autowerkstätten, viele deutlich mehr.

Vom Dorf aus rollen wir auf einem steilen Erdweg bergab ins alte, in die Felsen gehauene Dorf. Am Osthang eines Tals wachsen weiße Felsnadeln aus dem mit Gras bewachsenen Boden. Diese Felsnadeln hatten die Menschen ausgehöhlt und darin gelebt. Aus einiger Entfernung wirkt der Hang daher wie ein riesiger Schweizer Käse. Die Höhlen sind zwar nicht mehr bewohnt, das alte Dorf ist aber alles andere als verwaist. Kühe grasen zwischen den Felsnadeln, wir entdecken Gärten und einige Höhlen sind mit Türen verschlossen. Abends kommen Bewohner des neuen Dorfes zum Grillen oder Chillen herunter. Wir schlagen unser Zelt zwischen den Felsnadeln auf. Vom gegenüberliegenden Hang wehen der Duft von gerilltem Fleisch, Musik und viele fröhliche Stimmen herüber.

In der “Devils Birdge“  Dorfstraße in Shinuhayr  Felsendorf Chndzoresk  Felsendorf Chndzoresk

Khndzoresk - Aghitu, 67 km, 1557 Hm

Wenn der Besucher selber zur Sehenswürdigkeit wird

Pool mit warmem, mineralischen Wasser im Dorf Vorotan

Goris ist schachbrettartig angelegt. Die zweigeschossigen Häuser sind aus grauen Bruchsteinen gemauert, die Fenster erinnern mit ihren Bögen an Kirchen. Die Straßen sind mit Bäumen begrünt und von den typischen, offenen Abwasserrinnen gesäumt. Die Bäckereien haben eine offene Backstube. Das Brot, das wir kaufen, ist noch warm.

Wir setzten unseren Weg Richtung Westen fort. Zwischen grasbewachsenen, welligen Hügeln geht es langsam bergauf. Auf einigen Bergen im Hintergrund liegt noch Schnee. Immerhin sind sie bis zu 3500 m hoch. Die M2 ist DIE Ost-West-Verbindung im Süden Armeniens. Das hält aber keinen Hirten davon ab seine Kühe auf ihr von einer Wiese zur nächsten zu treiben. Die meisten Autofahrer nehmen es gelassen und bahnen sich hupend, im Zick-Zack-Kurs einen Weg durch die Herde. Auf jeder deutschen Landstraße, die etwas auf sich hält, ist mehr Verkehr als auf der M2. Eine etwas größere Anzahl großer LKW, darunter etliche Tanklaster mit iranischem Nummernschild, ist der sichtbarste Hinweis auf die Bedeutung der Straße.

Auf einem steilen, holprigen Erdweg geht es hinab in die Vorotan Schlucht. Grün-, Gelb- und Rottöne bestimmen das Bild im Tal. Das Kloster Vorotnavank ist nahe an einer Felskante erbaut. Als wir es erreichen, sind wir die einzigen Besucher. Südlich der Kirche liegt ein kleiner Friedhof, mit schönen Kreuzsteinen. Die Farbe des Klosters harmoniert perfekt mit den umliegenden Bergen, auch, da Wände und Dächer aus denselben Steinen bestehen.

Das Kloster Vorotnavank

Östlich des Klosters liegt das Dorf Vorotan. Mitten im Ort gibt es einen Pool mit warmem, mineralischen Wasser. Das Freiluftbecken aus Beton misst etwa 8 mal 4 Meter und ist rund 1 Meter tief. Aus einem dicken, rostigen Rohr fließt ständig warmes Wasser hinein - gut 35C warm. Rötliche Ablagerungen und das leichte Sprudeln des Wassers sind deutliche Hinweise auf seinen Mineralgehalt. Am Becken parken zwei Lada, ein Fahrer hat die Boxen aufs Dach gelegt und die Musik voll aufgedreht. Ein Dutzend Männer haben sich im und um den Pool versammelt. Am Müll und den Scherben scheinen sie sich nicht zu stören.

In Aghitu finden wir die Höhle der Tübinger Archäologen schnell. Allerdings sind die Forscher schon weg. Es ist sehr windig geworden. Eine Familie beobachtet, wie wir versuchen unser Zelt aufzubauen und lädt uns in ihr Haus ein. Dies ist fast schon erschreckend einfach. Im Wohnzimmer steht ein einfacher Tisch mit 4 Stühlen an der Außenwand. Gegenüber stehen zwei große Sofas an der Wand. In einer Ecke steht ein kleiner Röhrenfernseher, in der anderen ein Bild der verstorbenen Mutter und einige Blumen auf einem kleinen Tisch. Die Wände sind nicht tapeziert oder gestrichen, auf dem Holzboden liegt kein Teppich. Man bewirtet uns mit Reis, Brot und Kräutern aus dem Garten. Die älteste Tochter, vielleicht 14, muss die Rolle der Mutter ausfüllen. Sie kocht, serviert uns und dem Vater das Essen, räumt ab, spült und bringt uns den Kaffee. Am Ende zieht sie die jüngste, vielleicht 3 jährige Schwester um und bringt sie ins Bett. Auch der Sohn, etwas jünger als die Schwester, springt wenn der Vater was möchte. Reicht ihm Zigaretten und Feuer, ohne das er darum bitten muss.

Im Garten steht das Gras kniehoch. Daher muss es mit der Sense gemäht werden, damit wir unser Zelt aufbauen können. Mittlerweile ist auch die Familie des Bruders gekommen und so werden wir beim Aufbauen des Zeltes von 8 neugierigen Paar Augen beobachtet. Als die Isomatten und Schlafsäcke drin liegen, wollen alle ins Zelt schauen. Trotz der einfachen Lebensumstände hat fast jeder ein Smartphone, mit denen unzählige Bilder gemacht werden. Die strahlenden Gesichtern und das fröhliche Lachen zeugen von Freude und ehrlichem Interesse (an uns) - endlich passiert hier mal was. Dieses herzliche Lachen, als wir dem Vater Jörgs Helm aufsetzen - ja beide Seiten hatten viel Spaß. Wir sind uns sicher, sie werden die nächsten Wochen viel zu erzählen haben: “Hab ich Dir schon von den zwei verrückten Radfahrer aus Deutschland erzählt, die bei uns im Garten gezeltet haben;-) ...”

Kühe auf der Hauptsraße M2  Kloster Vorotnavank  In der Vorotan Schlucht  In der Vorotan Schlucht

Aghitu - nahe Saralanj, 63 km, 1237 Hm

Das Thermometer fällt erstmals unter 30C

Morgens treffen wir Dr. Andrew Kandel und sein wissenschaftliches Team aus Deutschland und Armenien in der “Aghitu-3 Cave”. Auf den ersten Blick ist es eine Höhle im Basalt, wie es hier in der Gegend viele gibt, in der jemand ein 2 auf 2 Meter großes und etwa 4 Meter tiefes Loch gegraben hat. Innerhalb der letzten Jahre haben die Forscher herausgefunden, dass hier schon vor gut 34.000 Jahren moderne Menschen lebten. Dass es unsere Urahnen waren, können sie an der Art der gefundenen Werkzeuge bestimmen. Damit gehört die Höhle zu den frühesten Siedlungen des Homo Sapiens im Kaukasus. Zu dieser Zeit hatte der Mensch den Wolf noch nicht domestiziert.

Steinkreis bei Zorakhar

Es ist windig und hat sich auf Werte unter 25C abgekühlt. Auf dem Weg nach Sissan beobachten wir wie Wolken über die Berge ins Tal gleiten, ein faszinierendes Schauspiel. Sissan ist keine schöne Stadt. Wegen der großen Kaserne sehen wir viele Soldaten. Auf der Suche nach einem Café werden wir von 6 Jungs, so um die 12 Jahre alt, “eskortiert”. Das wird mit der Zeit anstrengend, da unsere Suche lange erfolglos bleibt. Es dauert etwas, bis die Teenager verstanden haben was wir suchen. Das Hotel, zu dem sie uns dann führen, hätten wir wohl ohne sie nicht gefunden, denn es gibt mal wieder kein Schild.

Auf einer kargen Wiese nahe Zorakhar bilden etwa mannshohe, spitz zulaufende Steine einen Kreis von rund 30 m Durchmesser. Eine menschliche Besiedlung wurde ab dem 1. Jahrtausend nach Christus nachgewiesen. Um ehrlich zu sein, das schönste an diesem Steinkreis ist seine Lage, inmitten der welligen Wiesen, mit den Bergen im Hintergrund.

Eben diese wellige Graslandschaft macht das Vorankommen heute recht anstrengend. Dabei haben wir den kräftigen, kühlen Wind im Rücken. Besonders schön ist es rund um den Spandaryan Stausee und den 2344 m hohen Vorotan Pass. Jenseits des Passes bläst der Wind gefühlt doppelt so stark. Uns kommt ein Radler aus der Schweiz entgegen, der sein Rad seit 20 km schiebt, da die Kombination aus Pass und Gegenwind einfach zu heftig ist:-( In der Nähe eines Baches finden wir ein geschütztes Plätzchen für unser Zelt.

Auf dem Weg nach Sissan  Tankstelle in Sissan  Spandaryan Stausee  Westlich des Vorotan Passes

Nahe Saralanj - Kloster Gndevank, 60 km, 1071 Hm

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Nach dem starken Wind gestern ist es heute wieder sonnig und warm. Wir rollen den Berg hinab durch eine schöne Schlucht mit rötlichen Felsen. Auf den Felsen sonnen sich Eidechsen.

Blick in die Arpa Schlucht

Erst recht knackig, in Serpentinen, dann moderat geht es bergauf Richtung Jermuk. Der Weg führt durch Grasland mit vielen blauen und gelben Blumen. Im Hintergrund ragen schneebedeckte Berge auf. Leider bietet sich nur an einer Stelle ein schöner Blick in die Arpa Schlucht. Aus dem Kurort Jermuk kommt eines der beliebtesten Mineralwässer Armeniens, auch wir schätzen es. Die Fabrik ist das Erste, was wir am Ortseingang sehen. Es folgen einige große Hotels, die nicht eben dem Auge schmeicheln. Das Zentrum rund um den Kurpark ist hingegen recht ansprechend. In einer Arkadenhalle kann das Mineralwasser kostenlos probiert werden. Wir kosten vom 40C, 50C und 53C warmen Wasser.

Der Weg zum Kloster Gndevank führt durch eine tolle Schlucht, an der Westseite des Kechut Sees vorbei zur Staumauer. Dort warnt uns ein Polizist: der Weg sei ab hier gesperrt, da er zu schlecht ist. Und tatsächlich werden offensichtlich seit Jahren die Steinschläge, die in der schmalen Schlucht niedergehen nicht mehr weggeräumt. So haben sich stellenweise beachtliche Mengen an Geröll auf dem Weg angesammelt. Über weite Strecken können wir die Räder nur schieben und an einigen Stellen müssen wir sie über die beträchtlichen Berge aus Steinen tragen. Aber die schöne, schroffe Landschaft aus grauem Stein ist die Anstrengung wert.

Das Kloster liegt auf halber Höhe zwischen der Schlucht und dem gleichnamigen Ort auf dem Plateau. Der Weg dort hoch ist mächtig steil, offensichtlich muss man sich den göttlichen Beistand verdienen. Die Mönche tragen lange, schwarze Gewänder und sind fast schon beneidenswert entspannt. Die Glocke hängt in einem Baum vorm Kloster, auf den Außenwänden sonnen sich flinke Eidechsen. Innerhalb der Klostermauern stehen einige Bienenstöcke und ist ein Garten angelegt.

Einige Kilometer unterhalb des Klosters schlagen wir unser Zelt in der Nähe des Baches Arpa auf. Eine gute Gelegenheit sich mal wieder etwas gründlicher zu waschen.

In der Apra Schlucht  Das Kloster Gndevank  Apra Schlucht unterhalb des Kosters  Zelten in wunderbarer Natur in der Apra Schlucht

Nahe Kloster Gndevank - nahen Kloster Noravank, 81 km, 1225 Hm

Im Land der Reptilien und alten Ladas

Der Tag beginnt warm. Wir rollen die gut 200 m breite und etwa ebenso tiefe Schlucht hinunter. Die nahezu senkrechten Felswände werden vielfach aus sechseckigen Basaltsäulen geformt. Darauf und darunter erkennen wir Sandstein oder Basalt. Im Tal bestimmen üppige Wiesen das Bild, der Bach ist von Bäumen gesäumt.

Bei Malishla verlassen wir die M2 wieder und klettern auf einer absolut ruhigen Nebenstraße Richtung Kloster Tanahati Vank. Die Wiesen sind von der Trockenheit schon etwas gelb. Aus ihnen ragen immer wieder Felsen hervor. Diese sind meist gelblich, aber auch die Farben Rot und Türkis (wie oxidiertes Kupfer) kommen vor. Bis auf einige hundert Meter Erdweg ist die Strecke asphaltiert. Neben der Straße weckt eine kleine Schildkröte unser Interesse. Einige Eidechsen sonnen sich auf kleinen Felsen am Wegesrand. Am Kloster verschwindet eine Schlange unter einem Stein. Während unserer Reise erblicken wir 4 dieser rund einen Meter langen, rostbraunen Reptilien. Das Kloster ist ein Paradies für Eidechsen, zwischen den schwarzen Tuffsteinen gibt es jede Menge Ritzen.

Das Kloster Noravank

Alte Lada bestimmen selbst in Städten wie Yeghegnadzor das Bild auf den Straßen. Die Mehrzahl ist sehr gepflegt, einige sogar mit Spoilern in Alufelgen aufgemotzt. Bei nahezu allen sind die Scheiben rundum schwarz getönt - nicht selten sogar die Windschutzscheibe. Der Anlasser ist offensichtlich eine Schwachstelle dieser Fahrzeuge. Zum Glück ist Armenien recht bergig und so lässt der erfahrene Fahrer das Auto ein paar Meter rückwärts rollen und schwups läuft die “Karre”. Ein Mindestalter scheint es nicht zu geben, wer übers Lenkrad schauen kann und gleichzeitig noch die Pedale erreicht, kann Auto fahren. In so manchem Dorf erfüllen schon 12 jährige diese Voraussetzungen. Ganz wichtig ist es, immer das Smartphone am Ohr zu haben;-)

Auf der, hier lebhaften, M2 geht es nach Westen. Dann klettern wir durch eine schmale Schlucht mit nahezu senkrechten, rötlichen Felswände hinauf zum Kloster Noravank. Vor dieser bekannten Attraktion steht auch tatsächlich mal ein Reisebus. Das Ensemble aus rötlichem Sandstein liegt am Ende der Schlucht, nur wenige Dutzend Meter unterhalb des Plateaus. Es fügt sich farblich perfekt in die Schlucht ein. Kreuzsteine und Eingänge sind mit aufwändigen und detailreichen Ornamenten verziert. Das begeistert nicht nur uns, sondern auch die französische Reisegruppe.

Ohne einmal zu bremsen düsen wir mit Tempo 50 ins Tal - was für ein Spaß! Am Abzweig zum Kloster liegt das einzige Hotel in dieser Gegend. Für Zimmer und Abendbrot zahlen wir gerade mal 30 €. Das Bier “Kilikia” aus Yerevan ist durchaus lecker, allerdings steigt es uns, nach der Hitze des Tages, auch gleich in den Kopf.

Schildkröte am Straßenrad  Das Kloster Tanahati Vank  Anstieg zum Kloster Noravank  Mausoleumskirche im Kloster Noravank

Nahen Kloster Noravank - Selim Pass, 60 km, 1807 Hm

Kleiner “Abstecher” - geht nur einen halben Tag

Die Straße zum Semi Pass ist ruhiger als die M2. Gelbtöne der trockenen Wiesen und der umliegenden Berge bestimmen das Bild. Die erste Heuernte wird eingebracht.

Anstieg zum Selim Pass

Der “Abstecher” zum Kloster Tsaghats Khar führt durch ein herrliches Tal mit tollen Felsformationen. Der Weg ist gut beschildert, wird aber immer schmaler und steiler, je näher wir unserem Ziel kommen. Rund 2,5 km vorm Kloster wird es so steil und felsig, dass wir beschließen die Räder stehen zu lassen und den Weg zu Fuß fortzusetzen. Das kleine Gotteshaus thront in 2000 m Höhe über dem grünen Tal. Die Luft ist erfüllt vom Zirpen und Summen der Insekten.

Am frühen Nachmittag sind wir zurück in Shatin. Eine Herde Kühe wird durchs Dorf getrieben. Die kleine Tankstelle am Ortseingang hat eine schöne, alte Zapfsäule. Als wir die Kamera auspacken, will der Tankwart gleich mit aufs Bild - bitte gerne:-)

Der Anstieg zum Selim Pass ist recht gleichmäßig und mit 7 - 10 % gut fahrbar. Hier und da sind die Hänge des Tals mit Wald bewachsen, meist ist es aber Gras, aus dem vielerorts der rötliche Fels rausschaut. Der “Abstecher” war anstrengend, die Beine werden langsam müde. Wir halten aber bis zur Karawanserei durch. Dort angekommen ziehen dunkle Wolken auf. Im Süden können wir ein Gewitter beobachten. Ein Hirte treibt seine Kühe von den Weiden am Pass zum Melken ins Tal. Vor der Karawanserei verkauft ein Mann Honig und Wein. Er war für einige Jahre als Soldat in der DDR. Der Wein ist lecker und der Preis fast lächerlich. Er ist eine Art “Hausmeister”, hält den Platz vor dem langgestreckten, eingeschossigen, fensterlosen Steingebäude sauber - und verbrennt alle Abfälle, bevor er mit seinem Lada heim ins Tal fährt.

Tankstelle in Shatin  Kloster Ts'aghats' Khar  Kreuzsteine im Kloster Ts'aghats' Khar  Eine Herde Kühe im Dorf Shatin

Selim Pass - Sevan, 118 km, 689 Hm

Das Westufer des Sevansees - ein Reinfall

Vom Pass aus geht es durch eine grüne Bergwelt leicht bergab. Wiesen bestimmen das Bild, ein Bach rauscht hindurch. Im Hintergrund wachsen grüne Berge in die Höhe, von denen einige eine Kappe aus Schnee haben.

Maturi ist eine quirlige Stadt mit Banken und vielen Geschäften. Das Ufer des Sevansees ist lange von einem Kiefernwald verdeckt. Die Orte entlang der Strecke gewinnen keinen Schönheitspreis. Industrieanlagen rotten vor sich hin und bei so manchem Haus ist schwer zu sagen, ob es verfällt oder nicht zu Ende gebaut wurde.

Am Westufer des Sevansees

Als wir endlich einen Strand mit Blick über den See erreichen, bekommen wir eine Idee, warum die Orte nicht direkt am Ufer erbaut wurden. Es wimmelt von kleinen schwarzen Fliegen. Für die Mittagspause ist es OK, aber mit der Zeit nervt es - obwohl die Viecher nicht stechen. An der Straße wird geräucherter Fisch verkauft. Auch im weiteren Verlauf sehen wir nicht viel vom See. Nein, diese Strecke bleibt deutlich hinter unseren Erwartungen zurück.

In Noratus besuchen wir den Friedhof. Dieser ist bekannt für seine wunderschönen, alten Kreuzsteine. Zwei alte Frauen kommen auf uns zu, unterm Arm Taschen mit schönen Strickwaren. Eine der Alten geht sehr gebeugt, auch ihr runzeliges Gesicht spricht für ein entbehrungsreiches Leben. Es lässt uns nicht kalt, dass diese Frauen augenscheinlich auf das Geld angewiesen sind.

Das Kloster Hayravank ist ein Paradies für Eidechsen. Das kleine Kirchlein ist aus schwarzen Tuffsteinen erbaut, zwischen denen es viele Ritzen zum Verstecken gibt. Es liegt sehr reizvoll auf einem Hügel über dem Sevansee und ist umgeben von einigen tollen Kreuzsteinen.

Vor Sevan mehren sich die Restaurants und Hotels. Die letzten Kilometer legen wir auf der, hier 4-spurigen, M14 zurück. Nun reiht sich Hotel an Restaurant an Campingplatz. Rund ums bekannte Kloster Sevanvank brummt die Unterhaltungs- und Verkaufsmaschinerie. An etlichen Ständen werden alle erdenklichen Andenken angeboten, am Seeufer buhlen große Restaurants um Gäste, aus Lautsprechern tönt laute Musik und auf dem See fahren Jetski. Das kann man mögen - muss man aber nicht. Das schlichte Kloster thront auf einem Felsen oberhalb des Sevansees. Jenseits des Sees erheben sich schneebedeckte Berge.

In unmittelbarer Nähe zum Kloster kommen wir in einem Hotel unter. Kaum hundert Meter vom Hotel gibt es ein Restaurant. Es ist ein Familienunternehmen, die Großmutter kocht, die Tochter führt den kleinen Laden gleich nebenan. Der Fisch ist äußerst schmackhaft. Abends geht ein kräftiges Gewitter nieder.

Der erloschene, 2829 m hohe Vulkan Armaghan  Kreuzstein am Sevansee beim Kloster Hayravank  Eidechse am Kloster Hayravank  Das Kloster Sevanvank oberhalb des Sevansee