Armenien per Rad - Tagebuch einer Radreise

© Christian Hartmann, Jörg Feye,  ✉ 

Sevan - Gosh, 94 km, 732 Hm

Die schöne Landschaft abseits der Touristenroute

Auf den ersten Kilometern fahren wir durch einige riesige Schwärme der schwarzen Fliegen. Das Ergebnis: einige Milliarden der winzigen Insekten bedecken unsere Arme, Beine und Trikots. Kaum haben wir diese auf der Haut verschmiert, bekommen wir die nächste Ladung ab.

Ostufer des Sevansees

Das östliche Ufer des Sevansees ist deutlich attraktiver, da es fast durchgehend Blick auf den See bietet. Links neben der Straße verlaufen rostige Bahngleise, rechts eine Hochspannungsleitung. Am Ufer reiht sich ein großer Hotelkomplex an den nächsten. Die Allermeisten sind aber mehr oder weniger stark verfallen. Alles spricht dafür, dass versucht wurde hier ein Tourismus-Zentrum zu etablieren - offensichtlich ohne Erfolg. Neben den Gleisen strecken sich rötliche Felsen nahezu senkrecht in die Höhe. Rechts erstrecken sich, zwischen den Ruinen, Wiesen mit gelben Blumen. Ein Föhnwind saugt Wolken über die Berge zum See, ein sehr schönes Naturschauspiel. Der Wind wechselt alle paar Kilometer die Richtung. Wie durch ein Wunder gibt es hier keine Fliegen.

Der Aufstieg zum 2176 m hohen Karmir Pass bringt weiteren Gegenwind. In einem breiten Tal mit Wiesen fahren wir den Wolken entgegen. Diese lösen sich aber im selben Tempo auf, wie wir näher kommen - wie cool ist das denn?

Von Chambarak geht es durch ein breites, sanft gewelltes Tal bergab. Wiesen prägen das Bild, hier und da wachsen Laubbäume. Ein Dorf reiht sich an das nächste. Oft grasen Kühe oder Pferde neben der Straße, auch Hühner und Gänse sehen wir häufig. Viele Tiere haben Nachwuchs, da kann eine Stute auch mal drohen, wenn man ihrem Fohlen zu nahe kommt. Nach und nach verengt sich das Tal und Wald löst die Wiesen ab. Insgesamt eine landschaftlich sehr abwechslungsreiche und schöne Strecke. Meist radeln wir mit dem Sonnenloch und gegen Abend wird es auch wieder warm.

Uns kommt eine Hochzeitsgesellschaft entgegen. Einige Kilometer später steht ein einsamer Lada Niva am Straßenrad. Als wir halten steigen 4 Frauen in langen Kleidern aus, jede mit einem Kind auf dem Arm. Im vierten Versuch schaffen wir es, das Auto anzuschieben. Neben der Straße, in rund einem Meter Höhe, verläuft die Gasleitung. Bei jeder Einfahrt zu einem Haus oder einer Wiese bildt sie ein Tor. Uns kommt das arg abenteuerlich vor. Was, wenn ein Auto in die Leitung kracht?

Der Anstieg zum Kloster Goshavank ist - wie immer - steil. Das Kloster in ungewöhnlich groß und wird derzeit renoviert. Wir quartieren uns im Hotel direkt gegenüber ein.

Getrockneter Kuhdung  Gänsefamilie auf der Straße  Alter russischer Buss mit Gasflaschen auf dem Dach  Kloster Goshavank

Gosh - Vanadzor, 74 km, 1379 Hm

Manchmal lohnt ein zweiter Blick

Einkaufstraße in Vanadzor

Bei bedecktem Himmel rollen wir durch die Schlucht zur Hauptstraße M4. Dort kommen uns viele alte, gelbe Busse mit Schulkindern entgegen. Der Anstieg zum Kloster Haghartsin ist - wie immer - steil. Er führt durch einen dichten Mischwald mit vielen Grillplätzen, die meisten sind schon von Familien und Schulkassen bevölkert. Offensichtlich nutzen die Armenier den Sonntag gerne zum gemeinsamen Grillen in den Bergen. Die gelben Busse, die wir häufig sehen, sind alt und modern zugleich - viele fahren mit Gas. Die roten Gasflaschen sind auf dem Dach montiert, deren Anzahl variiert von Bus zu Bus. Auch zahlreiche LKW und PKW sind auf Gas umgestellt. Die Autos haben den Gastank im Kofferraum, die Laster rote Gasflaschen unter der Ladefläche. Das große Kloster ist schön renoviert und mit Schulklassen und Familien bevölkert. Trotzdem können wir die Räder auf dem Gelände alleine lassen, ohne Angst zu haben, es könne etwas gestohlen werden. Die Renovierung ist gelungen, hat dem Kloster aber die Patina genommen, die wir so mögen. Andere, unbedeutendere Klöster haben uns besser gefallen.

Durch ein bewaldetes Tal geht es hoch nach Dilijan. Am Straßenrand parkt ein Tanklaster mit zwei Zapfsäulen an der Beifahrerseite, eine für Diesel, die andere für Benzin. An der Straße werden auch Pilze und Maulbeeren angeboten. Häufig sind es Frauen, die mit ein paar Eimern auf Käufer warten. Die Straße M8 von Dilijan nach Vanadzor steigt langsam aber stetig an. Erfreulich ruhig führt sie durch ein waldreiches Tal. Oben öffnet sich eine Hochebene mit Wiesen, Feldern und einem recht großen Dorf. Südlich des Tals erheben sich die Pambak Berge mit ihren bis zu 3100 m hohen, schneebedeckten Gipfeln. Es sind erstaunlich wenige Tiere auf den ausgedehnten Wiesen, die Kühe grasen viel häufiger direkt neben der Straße. Auf der Straße kommen uns zwei entspannte Radfahrer aus Polen entgegen.

Bergab ist die Landschaft ähnlich attraktiv. Durch den Fahrtwind wird es empfindlich kühl. Das erste was wir von Vanadzor sehen, sind große, hässliche Wohnblöcke und verfallene Industrieanlagen. Das Stadtzentrum ist aber durchaus attraktiv. Die lange Einkaufstraße ist auch am frühen Abend noch belebt. An ihrem westlichen Ende haben die Stadt- und Provinzverwaltung, in repräsentativen Bauten, ihren Sitz. Vor diesen breitet sich ein Platz aus, der aus dem Rathaus heraus, mit Jazz beschallt wird. Im Tiefparterre eines Hauses ist eine Backstube. Das frische Brot wird direkt aus dem Fenster, knapp über dem Gehweg, verkauft. Die Mehrzahl der Frauen tragen kurze Röcke und hohe Schuhe - das ist wirklich augenfällig. Wir kommen in einem gemütlichen B&B nur eine Querstraße nördlich unter.

Tanklaster mit zwei Zapfsäulen an der Seite  Backstube für Lavash in Vanadzor

Vanadzor - Haghpat, 72 km, 1057 Hm

Halleluja - die Klösterstraße

Die M6, auch als Klösterstraße bekannt, ist eine wichtige Verbindung nach Georgien und daher etwas stärker befahren. Auch große LKW sind unterwegs, die Mehrzahl kommt uns zum Glück entgegen. Genauso wie zwei Radfahrer aus den Niederlanden. Die Hänge der Schlucht sind steil und meist mit Wald bedeckt. Im Tal fließt der Fluss Debet, neben der Straße führt auch eine Bahnlinie nach Georgien. Diese ist nicht nur in Betrieb, sondern wird auch modernisiert. Bis auf einige Zwischenanstiege geht es stetig bergab.

Kloster Haghpat im Abendlicht

Das Kloster Kobayr liegt direkt im Berghang. Wir stellen unsere Räder an den Gleisen ab und steigen über einen schmalen Fußweg zum Gotteshaus. Dieser führt zwischen einfachen Bauernhäusern hindurch, im Schatten eines Baumes schlafen einigen Schweine. Das Kloster ist stark zerstört. Die Überreste werden derzeit renoviert und sind, so wie sie sind, recht schön. Eine Besonderheit ist die große Wandmalerei an der Nordseite der Hauptkirche. Auch der Ausblick ist nicht zu verachten.

Der Debet gräbt sich immer tiefer ein. Oberhalb der steilen Felswände erstrecken sich flache Plateaus. Auf einem solchen Plateau wurde das berühmte Kloster Sanahin erbaut, das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Nach einem steilen Anstieg - war doch klar - müssen wir den gleichnamigen Ort, mit seinen unschönen Plattenbauten, nahezu ganz durchqueren. Rund ein Drittel der großen Anlage ist wegen Renovierungsarbeiten gerade nicht zugänglich. Einzigartig sind die vielen Grabsteine auf dem Boden des großen Gavith, der westlichen Vorhalle der Kirche. Sanahin war ein wichtiges geistliches Zentrum, eine Bestattung im Kloster versprach größtmögliche Nähe zu Gott.

Am späten Nachmittag klettern wir die Straße zum Kloster Haghpat hoch, das 1986 mit Sanahin zum UNESCO-Welterbe erhoben wurde. Das große Kloster erhebt sich mitten im gleichnamigen Dorf, das seinen ursprünglichen Charakter weitgehend bewahrt hat. Wie in Sanahin ist von Touristenmassen keine Spur. Nur ein Bus mit französischen Urlaubern ist noch da. Als dieser fährt, packen auch die 4 Souvenirverkäufer ein und gehen nach Hause. Der graue Stein leuchtet im Abendlicht geradezu. Schönheit liegt im Auge des Betrachters, in unseren Augen ist dieses Kloster wunderschön.

Nordwestlich des Dorfes, keinen Kilometer vom Kloster und nur wenige hundert Meter von der Kante des Plateaus, stellen wir unser Zelt auf und genießen noch eine Weile die schöne Aussicht.

In der Debet Schluch  Wandmalerei im Kloster Kobayr  Schweine schlafen im Schatten eines Baumes  Das große Gavith im Kloster Haghpat

Haghpat - Marneuli, 100 km, 663 Hm

Georgien - Besuch beim “großen Bruder”

Oberirdische Gasleitung im Dorf Haghpat

Morgens steigen Wasserdampfwolken aus dem Tal und den Hängen auf, als die Sonne den Regen der Nacht verdunstet. Das Tal verändert sein Gesicht, die Hänge werden flacher, bilden zunehmend dicht bewachsene Stufen. Das Kloster Akhata ist aufwändig verziert. Auf dem Gelände wachsen Maulbeerbäume, die leckeren, reifen Früchte hängen quasi direkt vor unserer Nase. In der Umgebung werden Metallerze (wahrscheinlich Kupfer) abgebaut.

In den kleinen Läden werden die Kunden noch vom Verkäufer bedient. Dieses System ist überfordert, sobald mehr als 3 Kunden gleichzeitig einkaufen oder einer einen Großeinkauf tätigt. Dann wartet man und wartet und wundert sich wie lange es dauert, bis der Händler alle Waren zusammengesucht hat.

Das Tal wird immer breiter, die Hänge flacher. Am Ufer des Debet verfallen alte Industrieanlagen. Der Grenzübertritt nach Georgien ist völlig entspannt. Unser erster Eindruck: die Straße ist besser, die Häuser auch, wir sehen keine verfallenden Industrieanlagen mehr und das für Armenien so typische Wirr-Warr an Hochspannungsleitung ist weg. Die weite Ebene ist mit großen Getreidefeldern bewachsen. Insgesamt erscheint uns die Landschaft “aufgeräumter”, die Orte wohlhabender. Die Straße ist stärker befahren als auf der armenischen Seite. Beim Einkaufen zeigen die Menschen aber dasselbe Interesse an uns und unseren Rädern.

Am Nachmittag bedeckt es sich immer mehr und obwohl die Wolken nicht “dick” aussehen, beginnt es zu gewittern. Bei leichtem Regen erreichen wir die Stadt Marneuli. Ein Hotel suchen wir lange vergebens. Als wir fragen, führen uns zwei Männer in ihrem 3er BMW zum Südende des Ortes. Dort am Kreisverkehr steht ein einfaches, aber nettes Hotel. Der Besitzer, ein Chirurg, fordert seinen Enkel auf, mit uns Englisch zu reden. Der vielleicht 12 Jährige lernt Englisch an einer Privatschule, die offensichtlich ihr Geld wert ist. Der Teenager meint, in der regulären Schule wäre der Englischunterricht ein Witz. Das erklärt auch, warum die jungen Menschen, die wir treffen, kein Englisch können.

Blick auf das Sanahin Plateau  Das Kloster Akhata  Plattenbau mit Satellitenschüsseln  Bahnstrecke nach Georgien

Marneuli - Zemo, 103 km, 1912 Hm

Der (Dorf)Polizist - unser Freund und Fotograf

Hirten treiben eine Schafherde durch das Dorf Tsintskaro

Die ersten Kilometer sind geprägt von Steinbrüchen. Die Straße steigt langsam an. Es folgt landwirtschaftlich geprägtes Land. Die Wiesen rechts sind von Hufspuren gezeichnet, links steht das Gras noch hoch. Im Dorf Tsintskaro überholen wir eine Kuh- und eine Schafherde. Die Hirten auf ihren Pferden haben so ihre Mühe, die Tiere so zu dirigieren, dass noch Autos daran vorbei kommen.

Nach und nach werden die Wiesen der Hochebene von Wald abgelöst. Dieser wird dichter und die Straße klettert weiter bis auf 1500 m. Dann geht es bergab in eine waldreiche Schlucht. Der Weg wird zunehmend rauer und anstrengender zu fahren. Auf einem steilen, holprigen Waldweg klettern wir wieder aus der Schlucht hinaus - eine sehr kraftraubende Angelegenheit. Im Süden ballen sich bedrohlich dunkle Wolken zusammen, das Gewitter zieht aber knapp an uns vorbei. Oben öffnet sich wieder ein landwirtschaftlich genutztes Hochplateau. Neben Kuh- und Schafherden, erblicken wir zahlreiche Getreidefelder. Rund um Gomareti ist der Weg voller großer Pfützen.

In Sichtweite zum Dorf Zemo finden wir ein Plätzchen für unser Zelt. Der Dorfpolizist und 3 weitere Männer beobachten, wie wir unser Zelt aufbauen und kochen. Sie sind sehr interessiert und freundlich, machen viele Fotos mit ihren Smartphones und stellen viele Fragen. Letztere übersetzten sie mit dem Google-Translator auf ihren Telefonen. Ob wir keine Angst hätten hier zu zelten, lautet eine Frage - was soll uns passieren, wenn der Polizist unser Freund ist;-) Ein zweites Gewitter zieht im Westen an uns vorbei, als die Hirten ihre Kühe zum Melken ins Dorf treiben. Die Wiese, auf der wir zelten, nutzen sie zum Tränken der Tiere. In der Nacht bekommen wir dann doch noch Regen ab, aber da stört es uns nicht, nach 8 Stunden auf dem Rad schläft man sehr gut;-)

Schafherde in Dorf Tsintskaro  Laubwald in Georgien  Hirten und der Doftpolizist besuchen uns im Dorf Zemo  Ein kräftiges Gewitter entläd sich

Zemo - Stepanavan, 90 km, 1209 Hm

Durch den schönen Kaukasus

Am Morgen zieht eine Herde Schafe um unser Zelt. Der Hirte beobachtet interessiert, wie wir unser Zelt abbauen. Auch der Dorfpolizist kommt noch mal vorbei. Er hat einen Laptop organisiert, sodass wir die Bilder vom gestrigen Abend austauschen können. Wieder einmal haben wir den Eindruck für die Bewohner des Dorfes von ähnlich großem Interesse zu sein, wir sie und ihre Länder für uns. Angenehm ist, dass uns die Menschen nie zu nah auf die Pelle rücken, auch wenn natürlich jeder ins Zelt schauen möchte. Für uns sind diese Zusammenkünfte das Salz in der Suppe.

Bergwelt am Iakublo Stausee

Im Ort, kaum 300 m von unserem Zeltplatz, ist die Straße wieder asphaltiert. Weiterhin prägt Landwirtschaft das Bild. Pferde und Kühe stehen auf satten Wiesen voller Blumen. Im Hintergrund ragen einige schneebedeckte Berge auf. Als wir Brot fürs zweite Frühstück kaufen, bekommen wir Käse dazu geschenkt. Im Kaukasus ist ein weißer Schafskäse verbreitet. Meist schmeckt er sehr kräftig und salzig.

Kurze Zeit später fotografieren wir einige Hirten auf ihren Pferden. Diese kommen - natürlich - gleich zu uns, begutachten unserer Räder und studieren unsere Karte. Auch diese oft rau aussehenden, wettergegerbten Menschen sind feine Kerle. Der Chef trägt sogar ein Sakko, auch wenn dies nicht so recht zur Hose und Kappe im Fleckenmuster der Armee passen will.

Der Weg zur armenischen Grenze führt auf einer sehr löchrigen Straße, durch dichten Wald. So manche Kurve ist fast so stark geneigt, wie die Steilkurven in einem Velodrom. Der Grenzübertritt ist wieder ganz entspannt. Die Armenier bauen derzeit den Übergang und die Straße dorthin neu. Warum alles so üppig dimensioniert ist, obwohl die Straße auf der georgischen Seite so schlecht ist, erschließt sich uns nicht.

Auf der armenischen Seite ist “plötzlich” der Wald weg, auch die Anzahl der Tiere auf den Wiesen ist deutlich geringer. Südlich von Tashir schieben wir - das zweite Mal auf dieser Reise - einen Lada an. Die von Bäumen gesäumte Straße führt durch Feuchtwiesen, den Hintergrund bilden weiterhin schneebedeckte Berge. Im Westen und Nordwesten türmen sich bereits wieder dunkle Gewitterwolken auf.

In Stepanavan beenden den Tag heute etwas früher, in einem gemütlichen kleinen Hotel. Die Wirtin kümmert sich liebevoll um uns. Wir haben ein Apartment mit großem Schlaf- und Wohnzimmer, sowie einen Balkon. Leider gibt es gerade kein fließendes Wasser. Wir sind - wie so oft - die einzigen Gäste. Im Hinterhof gönnen wir unseren Rädern mal wieder etwas Pflege. Die Nacht verbringen sie auf der überdachten Terrasse. Unsere Wirtin deckt sie noch mit einer großen Decke zu, damit auch ja nichts passiert.

Im “Gespräch“ mit wettergegerbten Hirten  Freilaufende Kühe  Impression aus dem Kaukasus  Häuser in der Stadt Tashir

Stepanavan - nahe Tsilkar, 91 km, 1557 Hm

Von Erdbeben gezeichnete Städte in wunderbarer Landschaft

Blick auf den Berg Aragaz

Wir rollen auf einer Allee durch Wiesen und grüne Hügel. Die Straße nach Kurtan ist gesäumt von kleinen Äckern. Östlich von Kurtan öffnet sich eine steil abfallende, etwa 300 m tiefe Schlucht. Irgendwo dort unten “versteckt” sich das Kloster Hnevank vor uns.

Der 1760 m hohe Pushkin Pass ist einfach zu fahren, der Anstieg führt durch einen Mischwald. Der Tunnel ist rund einen Kilometer lang und leicht abschüssig. Die Durchquerung ist problemlos. Die Luft ist gut, die Röhre ist beleuchtet und die wenigen Autofahrer folgen uns geduldig. Durch eine karge Schlucht geht es bergab Richtung Vanadzor. Hier ist der Kontrast zwischen der wunderbaren Natur und den unschönen Beton-Wohnklötzen besonders auffällig.

Die Straße nach Spitak führt durch ein recht schmales Tal. Wiesen voller roter Mohnblumen stehen im Widerspruch zu den runtergekommenen Industrieanlagen am Fluss. Die Stadt wurde, ebenso wie Gyumri und Vanadzor, am 11. Dezember 1988 von einem schweren Erdbeben stark zerstört.

Der Weg zum 2159 m Pamb Pass führt durch ein weites Tal. Die Äcker sind eigentlich eher große Gärten und werden meist von Hand bestellt. Bis ganz oben bestimmen Wiesen mit vielen Blumen das Bild. Der Pass ist schon von weitem aus zu sehen, allerdings ist die Straße davor “aufgewickelt”. Südlich des Passes öffnet sich ein wunderbarer Blick auf den Berg Aragaz, dem mit 4090 m höchsten Berg Armeniens. Am Pass und im Ort Tsilkar werden Seile aus Pflanzenfasern geflochten und an der Straße zum Kauf angeboten. Einige hundert Meter westlich des Dorfes finden wir einen Zeltplatz mit Blick auf den Gipfel.

Gasleitung, gasbetriebener Bus und museumsreife Traktor  Reiter vor dem Dorfladen in Kurtan  Lada auf dem Weg zum Pushkin Pass  Plattenbauten am Rand von Vanadzor