Aserbaidschan und Georgien per Rad - Tagebuch einer Radreise

© Christian Hartmann, Jörg Feye,  ✉ 

Mestia - Zagaro Pass, 58 km, 1790 hm

Touristen-Boom in Swanetiens Bergen

Wehrtürme in Uschguli

Auf der Nebenstraße nach Uschguli ist deutlich mehr Verkehr als wir erwartet haben. Die Straße führt durch ein breites Tal, das im Norden von schneebedeckten Bergen gekrönt wird. Am Fluss liegen kleine Dörfer. Zwischen den Häusern ragen die Wehrtürme hervor. Wir sind erstaunt wie viele es sind. Im Tal bestimmen Wiesen das Bild, an den Hängen herrscht Wald vor. Bis zum 1910 m hohen Ugviri Pass ist die Straße betoniert. In der Abfahrt endet die Befestigung. Arbeiter sind jedoch damit beschäftigt auch diesen Abschnitt auszubauen.

Es geht hinab auf 1600 m und durch ein enges Tal einen Fluss entlang. Wald bestimmt das Bild. Die unbefestigte Straße ist an vielen Stellen sehr matschig. Oft sind wir nicht sicher, ob der Grip bis ans Ende eines Schlammlochs reicht, insbesondere wenn dies auch noch in einem Anstieg liegt. Alle paar Minuten überholt uns ein geländegängiger Mitsubishi Kleinbus. Aber auch Marschrutkas, also Mercedes Sprinter oder Ford Transit, quälen sich über die schlechte Straße. Dies widerspricht unserer Erwartung von einer einsamen Bergstrecke erheblich. Jeglicher Eindruck von Abgeschiedenheit, der 100%ig zu dieser Landschaft passen würde, geht so verloren. Wir werden ständig eingestaubt oder müssen auf dem einspurigen Weg Platz machen. Mit einem Satz: "Der Verkehr nervt!". Und was machen all die Besucher in einem Dorf mit gerade mal 250 Einwohnern?

Für die Mittagspause bietet sich ein Restaurant im winzigen Ort Vichnashi an. Wir treffen weitere Radfahrer: Raul und Jourlanda aus den Niederlanden, Laurent und Ann aus Frankreich sowie vier junge Männer aus Polen, zu denen wir keinen näheren Kontakt haben. Alle werden wir in den kommenden Tagen immer wieder treffen. Die Strecke durch Swanetien ist bei Radfahren offensichtlich überaus beliebt.

In Uschguli bestätigen sich unsere Befürchtungen. Die Adelung durch die UNESCO beschert dem kleinen Dorf mehr Besucher als zur Erhaltung einer authentischen Atmosphäre gut wäre. Die Kühe scheinen sich nicht an den vielen Kleinbussen zu stören, die an der kaputtgefahrenen Hauptstraße parken. Die vielen Wehrtürme stehen wie eh und je trutzig von einem Panorama felsiger, schneebedeckter Berge. Nur von Beschaulichkeit keine Spur, zu viele Besucher, Guest Houses und Cafés.

Wir laden noch ein paar Kekse ein und machen uns auf den Weg zum Pass. Dabei folgen uns 3 Hunde. Gepflegte Tiere, die untereinander anscheinend Rangstreitigkeiten haben. Schnell wird klar, dass wir die Touristenroute verlassen haben. Ein letztes Auto kommt uns entgegen. Es sind Wolfgang und Anette, selber Radreisende. Daher ist es für sie selbstverständlich rechtzeitig anzuhalten um uns nicht einzustauben. Ein kurzer Erfahrungsaustausch, dann zieht es uns weiter. Einsam und ruhig geht es durch eine hochalpine Landschaft voller bunter Blumenwiesen durch die kalte, klare Bergbäche fließen. Immer wieder kreuzen die Bäche auch unseren Weg. Da dieser hier steinig ist und die Wasserläufe schmal, ist das kein Problem. Die schneebedeckten Berge scheinen jetzt zum Greifen nah. Kurz vor dem 2622 m hohen Zagaro Pass kommen uns zwei Radreisende aus Leipzig entgegen. Sie sind auf dem Weg nach Asien. Als wir uns verabschieden merken wir, dass uns "unsere" Hunde untreu geworden sind. Rund 300 Höhenmeter unterhalb des Passes stellen wir unser Zelt nahe eines Bergbaches auf. Um uns herum die Gipfel das Großen Kaukasus. Kaum sind alle Heringe im Boden, geht ein kurzes, kräftiges Hagelgewitter nieder.

Kleine Dörfer im Tsaneri Tal, im Hintergund der Ushba  Wehrtürme im einem kleinen Dorf am Oberlauf der Enguri.  Auf dem Weg nach Uschguli.  In Uschguli sind noch 46 Steintürme erhalten. Seit 1996 gehören die vier Dörfer daher zum UNESCO-Weltkulturerbe.  Uschguli liegt in rund 2100 m Höhe am oberen Ende der Enguri-Schlucht.  Kühe und Kleinbusse auf in Uschguli.  Auf dem Weg von Uschguli zum 2623 m hohen Zagaro Pass 'begleiten' uns 3 Hunde.  Landschaftlich ist die Strecke über den  Zagaro Pass die schönster dieser Tour.  Nach dem Regen

Zagaro Pass - Tsageri, 85 km, 450 hm

Der landschaftliche Höhepunkt dieser Tour

Blick auf den Gletscher unterhalb des 4.500 m hohen Ailama.

Mit bis zu 20% stützt sich der Weg den Berg hinab, lässt sich im Großen und Ganzen aber gut fahren. Für viele Kilometer fällt unser Blick immer wieder auf einen Gletscher, der eine Senke zwischen zwei steilen grauen Felswänden ausfüllt. Die schmale Gletscherzunge reicht hinunter bis zu den Bergweisen, wo sie einen Bergbach speist. Phantastisch!

Weiter unten wird das Gefälle deutlich flacher. Der Weg führt immer häufiger durch einen Laubwald. Hier und da fließt ein Bach über den Weg. Die Furt ist auch schon mal fünf oder sechs Meter lang, aber immer nur wenige Zentimeter tief. Wir holen uns ein paar Mal nasse Füße, können aber alle Wasserläufe problemlos durchfahren.

Im kleinen Dorf Tana lädt ein Restaurant zur Mittagspause ein. Unsere Freunde aus Frankreich und Holland sehen das genauso. Leider geraten die hohen Gipfel schon hier allmählich außer Sichtweite. Der Weg folgt weiter dem Bergbach, der durch zahlreiche Zuflüsse schon gut zwei Meter breit geworden ist. Ab Mele wird es staubig. Die Straße ist von einer dünnen, pudrigen Schicht bedeckt. So leicht und fein wie Mehl, sodass selbst wir eine Staubfahne hinter uns her ziehen. Die kleinen Dörfer bieten keine nennenswerte Infrastruktur. Nach der beeindruckenden Bergwelt kann uns dieser Abschnitt nicht so recht begeistern. Nach gut 25 Kilometer Staubstraße sind wir von Kopf bis Fuß mit einer dünnen rotbraunen Schicht bedeckt. Selbiges gilt für Fahrräder und Taschen.

In Lentekhi bieten mehrere Guest Houses Betten an. Das Dorf wirkt verschlafen, auf den Straßen sind kaum Menschen oder Autos unterwegs. Die kleinen Läden sind nicht sonderlich gut sortiert. Aber das Café am Ende des Ortes bietet sich für eine Pause an. Wir entschließen uns weiter zu fahren bis Tsageri. Die Asphaltstraße führt bergab durch ein schönes grünes Tal. Ein Bergbach mäandriert neben der kurvigen Straße durch sein breites Kiesbett. Wie so oft sind die Hänge dicht bewaldet. In den zahlreichen Zuflüssen baden häufig Kinder. Mehrfach unterqueren wir schmale, abschüssige "Brücken". Diese sollen augenscheinlich bei starkem Regen das Wasser aus den Bergen über die Straße führen. In der Kleinstadt Tsageri quartieren wir uns wieder in einem Guest House ein. Wir brauchen dringend eine Dusche.

Zelten neben der 'Hauptstraße' in 2300 m Höhe.  Der Bergrücken am Zagaro Pass ist gut 3100 m hoch.  Blick auf den Gletscher unterhalb des 4.500 m hohen Ailama.  Fast Food. Als wir uns im kleinen Café stärken, kommt eine Herde Ziegen vorbei.  Immer wieder kreuzen kleine Bäche den Weg.   Rund 20 km unterhalb des Passes ist die Straße wieder gut zu fahren. 

Tsageri - Shaori-Stausee, 82 km, 1700 hm

Hartnäckig ignoriert

Tolle, enge Schlucht unterhalb des Lajanuri Stausees.

Morgens geht es gleich mal 400 Höhenmeter den Berg hoch. Der Lohn für die Anstrengung ist die Aussicht auf Tsageri, das von allen Seiten von grünen Bergen umgeben ist. Im Tal fließt der Fluss in seinem breiten Kiesbett. Unsere Faszination für freilaufende Schweine ist ungebrochen. Manchmal fragen wir uns, was wohl die Georgier von uns denken, wenn wir ihre Schweine fotografieren.

Auf der anderen Seite geht es gleich ins nächste waldreiche Tal hinab. Dort treffen wir unsere Freunde von der Britischen Insel wieder. Unser Weg führ am Lajanuri-Stausee entlang. An der Staumauer kommt ein kleiner Hund wild bellend auf uns zu gestürmt. Ich knie mich zu ihm runter und der "gefährliche Wachhund" legt sich auf den Rücken und lässt sich am Bauch streicheln. Es folgt ein sehr schöner Abschnitt durch eine enge Schlucht. Die hellen Felswände ragen fast senkrecht auf. Trotz der extremen Steilheit gedeiht auf der unteren Hälfte ein dichter Wald. Dicht neben der Straße rauscht ein Fluss durch sein felsiges Bett. Im Anschluss weitet sich das Tal. Die Hänge werden sanfter und sind jetzt fast vollständig bewaldet. Die gesamte Strecke ist äußerstes verkehrsarm.

Als wieder Dörfer die Straße säumen, hat sich das Tal auf einige hundert Meter geweitet. In der Ebene werden Wein und Mais angebaut. Kühe stehen im Schatten der Bäume oder auf Brücken - wo es ebenfalls kühler ist. Die Schweine - oft mit Frischlingen - sind eher in der Nähe der Häuser anzutreffen. Es ist sehr heiß. Unsere Tachos zeigen bis zu 37 C an. Im fruchtbaren Tal auf dem Weg nach Ambrolauri macht ein frischer Gegenwind die Sache erträglich. Von dort aus geht es über 500 Höhenmeter den Berg hinauf. Bei den Temperaturen eine äußerst schweißtreibende Angelegenheit. Da kommt uns eine eiskalte Quelle im oberen Drittel des Anstiegs mehr als gelegen. Die Landschaft wird einmal mehr von Wald bestimmt.

Unser Zelt bauen wir am sandigen Ufer des Shaori-Stausees auf. Dieser ist auch bei Anglern und Familien beliebt. Ein erfrischendes Bad lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Im kleinen Café am Ende des Sees hätten wir gerne ein kühles Bier getrunken. Die Bedienung ignoriert uns aber geschlagene 4 Minuten hartnäckig. Später erfahren wir, dass sie kein Wort Englisch kann und schlichtweg Angst hatte uns anzusprechen.

Typisch Georgien. Ein grünes Tal, durch das ein Fluss fließt.  Was die Georgier wohl über unsere Faszination für ihre Schweine gedacht haben?  Der Fluss Rioni hat sich tief in die Landschaft aus Kalksteinfelsen eingegraben.  Typisch Georgien. Ein alter Kamaz-LKW steht vor dem Dorfbrunnen.  Eine Sau mit ihren Ferkeln am Straßenrand. 

Shaori-Stausee - bei Golatubani, 107 km, 1420 hm

Chinesen auf der Tunnelbaustelle

Blick vom 1217 m hohen Nakerala Pass auf die Wolkendecke im Tal.

Nach einem kurzen Anstieg erreichen wir den Nakerala Pass. Obwohl nur etwas über 1200 Meter hoch schauen wir auf die Wolken im waldreichen Tal. Eine tolle Aussicht! Es folgt eine lange Abfahrt. Wir müssen sehr aufpassen und widerstehen der Versuchung es laufen zu lassen. Hinter jeder Kurve könnte eine Kuh stehen.

Das "G" in Georgien könnte für Grün stehen. Seine ausgedehnten oft ursprünglichen Wälder, die kleinparzelligen Felder und großen Gärten. Für Wiesen auf denen das Gras hüfthoch steht, wenn es die vielen Kühe nicht im Zaum halten. Das Land ist wasserreich. Kalt und klar rinnt es in unzähligen Bächen aus den Bergen ins Tal, vereint sich zu Flüssen und speist zahlreiche, gut gefüllte Stauseen. Im Westen des Landes kommt zu Temperaturen von über 30 C eine hohe Luftfeuchtigkeit. Ein "F" wie flach kommt in Georgien übrigens nicht vor. Das Land ist bergig und gesegnet mit Anstiegen und Abfahrten. Längere flache Abschnitte muss man mit der Lupe suchen.

Georgien ist ein Land im Aufbruch. Es ist deutlich weiter entwickelt als sein südlicher Nachbar Armenien. So gibt es zum Beispiel eine funktionierende Müllabfuhr. Die freundlichen Polizisten fahren moderne Autos. Kirchen und Innenstädte werden aufwendig renoviert. Das Smartphone ist Omnipräsent. Neben einigen Ladas, bevölkern viele gar nicht allzu alte japanische und deutsche Autos die Straßen. Auch Ford und Opel sind zahlreich vertreten. Eine Präferenz für einen Hersteller können wir nicht erkennen. Wer es sich leisten kann zeigt dies anscheinend gerne mit einem Mercedes oder BMW. Abgerissene Front- oder Heckschürzen scheinen keine zu interessieren. Auch Steinschläge, mit oft enormen Ausmaßen, sind kein seltener Anblick.

Nach einigen Kilometern auf der vierspurigen Autobahn von Poti nach Tiflis und dem quirligen Stadtverkehr in Zestafoni, setzen wir unsere Reise in einem ruhigen Tal fort. Ein Mix aus Wiesen und kleinen Wäldern bestimmt das Bild. Die asphaltierte Straße klettert rund 300 Höhenmeter einen Hügel hinauf und stürzt sich gleich ins nächste Tal hinab. Im großen Dorf Kharagauli nutzen wir das nette Café "Eifel" für eine Pause. Von hier geht es auf Schotter durch ein waldreiches Tal. Neben dem Fluss führt auch eine Bahntrasse durch das ansteigende Tal. Viele Wellen machen den Weg ganz schön anstrengend. Im Fluss baden immer wieder Kinder. Als wir im Dorf Nebodziri unsere Vorräte auffüllen fällt uns ein Chinese auf. Er kommt von der nahen Tunnelbaustelle. Augenscheinlich soll die Bahnstrecke modernisiert werden. Für uns bedeutet dies für einige Kilometer Staub und Baumaschinen.

Der Tag ist lang geworden. An einem kleinen Bergbach entdecken wir eine Badestelle. Und daneben ein Fleckchen Gras, gerade groß genug für unser Zelt. Mehrere Dorfbewohner kommen zum Baden hier her. Sie grüßen uns, scheinen sich an unserem Zelt nicht zu stören. Mücken und Bremsen laben sich an mir. Jörg ignorieren sie weitgehend. Gemeinheit!


bei Golatubani - Gori, 77 km, 520 hm

Stalin - der verklärte Held

Pferdekarren sind ein seltender Anblick.

Morgens spüren wir die lange, ansteigende Tour von gestern in den Beinen. Einige Kilometer geht es auf Schotter noch bergauf, bevor Serpentinen hinunter nach Chaschuri führen. Ein kurzes Stück auf der Autobahn von Poti nach Tiflis, dann haben wir (wieder) die fruchtbare Ebene rund um den Fluss Kura erreicht. Auf der Fahrt auf den kleinen Nebenstraßen lassen wir die Seele baumeln. Dass wir mit dem Rad zurück nach Tiflis fahren war ursprünglich nicht geplant. Wir wollten die Tour in Kutaisi beenden und mit dem Zug zurück in die Hauptstadt fahren. Mit Rückenwind geht es zügig voran, durch die kleinen Dörfer und vorbei an Bohnen, die auf der Straße trocknen1).

In Gori quartieren wir uns wieder im Guest House "Levani" ein. Dort quatschen wir uns mit einer Studentin aus Belgien fest. Nach dem Besuch des Stalin-Museums stellte sie erschreckt fest, wie positiv dies ihre Meinung über den Diktator beeinflusst hat. Tatsächlich war er als junger Mann sehr attraktiv2). Die Opfer seiner Gewaltherrschaft3) werden in der Ausstellung ausgeklammert. Unglaublich wie einfach man allein durch Fokussieren auf ein Thema und ausblenden eines Anderen Menschen beeinflussen kann. Man braucht noch nicht mal zu Lügen. Angesichts der Meinungsmache in sozialen Netzwerken ein hochaktuelles Thema.

Beim Abendessen im Restaurant treffen wir unsere Freunde aus Holland wieder. Sie sind dieselbe Strecke gefahren wie wir, haben die Tage aber anders aufgeteilt.

1: siehe "Gori - Chiatura"

2:  Wikepedia: Josef Stalin, Bild: "Stalin im Jahre 1902"

3:  Wikipedia: Gluag

Ein alter Kamaz-LKW, vollbeladen mit Strohballen. 

Gori - Mzcheta, 65 km, 600 hm

Logenplatz in Georgiens alter Hauptstadt

Sweti-Zchoweli-Kathedrale in Mzcheta.

Auch die Strecke nach Mzcheta kennen wir zum größten Teil schon. Daher radeln wir zügig um möglichst viel Zeit in der alten Hauptstadt Georgiens verbringen zu können.

In Mzcheta haben wir das große Glück eine preiswerte Unterkunft direkt gegenüber der berühmten Swetizchoweli-Kathedrale zu bekommen. Hätten wir die nicht vorab im Internet gebucht, wären wir bestimmt daran vorbeigelaufen. Denn das Haus darf keine Werbung machen. Der Grund ist die Adelung des Gotteshauses als UNESCO Weltkulturerbe. Die Herberge liegt, nach den Regeln der UNESCO, zu nah an der Sehenswürdigkeit. Von der Stadt wird es anscheinend geduldet - solange es von außen wie ein normales Wohnhaus aussieht. Glück für uns, wir sitzen für kleines Geld in der ersten Reihe.

Die "Kathedrale der lebensspendenden Säule", so die Übersetzung, ist die Hauptattraktion des Ortes. Der Name geht auf eine Legende zurück. Im 4. Jahrhundert wählt die Heilige Nino das Grab eines Heiligen als Standort für die Kirche aus. Die riesige Zeder, die über dessen Grab wächst, soll zum Bau der Kirche dienen. Doch die aus dem Baum gefertigte Säule lässt sich nicht aufstellen. Nino betet bis ein Engel zur Hilfe kommt und die Säule an die vorgesehene Stelle setzt. Die Georgier scheinen solche Geschichten zu lieben, man findet sie zu zahlreichen Kirchen. Das zweitgrößte Gotteshaus Georgiens war über mehrere Jahrhunderte die Krönungs- und Begräbniskirche der georgischen Monarchen. Die heutige Kreuzkuppelkirche wurde im 11. Jahrhundert aus gelben Sandstein erbaut. Die Fassade ist mit zahlreichen Reliefs verziert, das Innere reich mit aufwändigen Wandmalereien und Ikonen geschmückt. Der beeindruckende Bau ist von einer hohen Mauer mit runden Zinnen umgeben. Mit einem Satz: Die Kirche ist richtig schön.

Echt geschickt, das wir keine 50 m vom Eingang wohnen. Wir lassen es uns nicht nehmen des Abends die Stühle auf die Straße zu stellen, um bei einem kalten Getränk die beleuchtete Kirche zu bewundern.


Sweti-Zchoweli-Kathedrale in Mzcheta.  Sweti-Zchoweli-Kathedrale in Mzcheta.  Sweti-Zchoweli-Kathedrale in Mzcheta.  Sweti-Zchoweli-Kathedrale in Mzcheta.  Sweti-Zchoweli-Kathedrale in Mzcheta.  Sweti-Zchoweli-Kathedrale in Mzcheta.

Mzcheta - Tiflis, 25 km, 125 hm

Frühaufsteher mit großen Kisten

Abendstimmung rund im die Friedensbrücke in Tiflis.

Im Laufe unserer Tour haben wir gelernt, dass die Georgier Abendmenschen sind. Dies wollen wir uns heute zu Nutze machen. Schon um sieben Uhr sitzen wir im Sattel. Unser Weg in die Innenstadt von Tiflis wird fast ausschließlich über mehrspurige Hauptstraßen führen. Wir wollen unser Ziel erreicht haben, noch bevor der Berufsverkehr einsetzt. Zu sehen gibt es eh nichts, daher treten wir kräftig in die Pedale. Nach etwas über einer Stunde haben wir die 25 Kilometer "runter gerissen". Unser Kalkül ist aufgegangen, die Straßen waren noch erfreulich leer und wir haben unser Ziel stressfrei erreicht.

Als nächstes gilt es Kartons für die Fahrräder zu besorgen. Wir fahren wieder zu Velo+ - und stehen um 10 Uhr erstmal vor einem verschlossenen Laden. In der Nähe gibt es noch zwei weitere Radläden. Die haben zwar schon geöffnet, aber keine Fahrradboxen. Um 11 Uhr öffnet auch Velo+ seine Pforten und wir spazieren mit zwei großen Fahrradboxen heraus. Mit dem Bus fahren wir zurück zum Guest House. Wir sind überrascht wie problemlos das klappt. Nur der Weg von der Haltestelle den Berg rauf zur Unterkunft ist anstrengend. Die großen Kisten sind doch recht unhandlich und windanfällig.

Nachdem die Räder verpackt sind, besuchen wir die nahe Sameba-Kathedrale. Die erst 2004 fertiggestellte Kirche aus hellem Sandstein thront weithin sichtbar auf einem Hügel gegenüber der Altstadt. Das größte Gotteshaus Georgiens ist 84 m hoch. Auch die Ausmaße des Innenraums sind gewaltig. In der orthodoxen Kirche spielen Ikonen eine wichtige Rolle. So hängen die Wände, Nischen und Pfeiler voller Heiligendarstellungen. Bisweilen kommen wir uns vor wie in einer Kunstausstellung. Bemerkenswert ist aber vor allem, DAS diese Kirche gebaut wurde. Wir sehen dies als Indiz für wichtige Rolle, die der Glaube in Georgien spielt. Geldgeber war der schon erwähnte Milliardär Bidsina Iwanischwili.

Unser nächstes Ziel ist das Bürgerhaus, im Volksmund "Pilzhaus" genannt. Der Beiname des 2012 eröffneten futuristischen Baus leitet sich von seinem Dach ab. Dies erinnert stark an die Hauben eng beieinanderstehender weißer Pilze. Im Inneren fühlen wir uns eher an eine große, moderne Bankfiliale erinnert, als an ein Rathaus. Es gibt keine abgetrennten Büros, sondern offene Servicebereiche. Digitalanzeigen informieren über die jeweiligen Dienstleistungen. Auch Passbildautomaten und eine Spielecke für Kinder gehören zum Angebot. Alles soll Transparenz ausstrahlen. Die Angestellten tragen einheitliche Kleidung. Glaubhafte Reportagen berichten, dass ein neuer Pass innerhalb eines Tages ausgestellt wird und mit der Kreditkarte bezahlt werden kann. Das können wir nicht überprüfen, aber nach korrupter Bürokratie sieht das hier nicht aus.

Tiflis hat auch eine Metro. Wie bei den Bussen kostet eine Fahrt fast nichts. Mit einer ewig langen Rolltreppe fahren wir viele Meter unter die Erde. Am Aghmaschenebeli-Prospekt, auf der anderen Flussseite, steigen wir wieder aus. Dieser Stadtteil ist jung, in der Fußgängerzone reihen sich stylische Cafés aneinander.

Die Sameba-Kathedrale im Herzen von Tiflis.  Die Sameba-Kathedrale im Herzen von Tiflis.  Gemüseverkäuferin in Tiflis Innenstadt.  Kleine und kleinste Händler sind in Georgien der Normalfall.  Wie man sieht ist die Qualität des Obsts und Gemüses über jeden Zweifel erhaben. 

Tiflis

Entspanntes Ende einer schönen Tour

Blick von den Schwefelbädern auf einige schöne Häuser der Altstadt.

Und schon sind wieder vier Wochen rum. Über 2100 Kilometer und 30.000 Höhenmeter haben wir zurückgelegt. Die Hitze hat uns zwischendurch ganz schön zu schaffen gemacht. Insbesondere in West-Georgien, wo es tagelang sehr schwül war. Sowohl in Aserbaidschan als auch in Georgien ist uns viel Gastfreundschaft entgegengebracht worden. Die Aserbaidschaner haben immer wieder den Kontakt zu uns gesucht. Die Georgier haben neben der freundlichen auch eine raue, temperamentvolle Seite - aber auch die ist liebenswert. In beiden Ländern haben wir uns sehr wohl und sicher gefühlt. In Georgien hat uns etwas die Abwechslung gefehlt. Das Land ist fast überall unglaublich grün und fruchtbar. Vielleicht hat einfach die Fernsicht gefehlt und der Große Kaukasus kam nicht voll zur Geltung? Oder der Hochsommer war doch keine so gute Reisezeit? Für uns steht fest: Georgiens kleiner Nachbar Armenien hat uns besser gefallen.

Mit der modernen Standseilbahn fahren wir auf den Berg Mtatsminda, der sich rund 300 m über die Innenstadt erhebt. In einem Kiefernwald verteilen sich die Karussells und Restaurants des gleichnamigen Freizeitparks. Darunter ein Autoscooter, eine Achterbahn und eine Wildwasserbahn. Der Besuch des Parks ist kostenlos, die einzelnen Attraktionen kosten zwischen einem und drei Lari. Ist wirklich nett gemacht, die Anzahl der Besucher ist aber sehr überschaubar. Über allem ragt der 1972 errichtete 274 m hohe Fernsehturm auf. Wir haben ihn schon oft von unten gesehen, wenn er nachts in wechselnden Farben angestrahlt wird. Aus der Nähe wird deutlich, dass der Turm ganz schön in die Jahre gekommen ist. Wir genießen die Ruhe und die Aussicht.

Nachmittags bummeln wir ein letztes Mal durch Tiflis. Besuchen Orte die uns besonders gefallen haben, wie das Bäderviertel und die Festung Narikala. Als wir aus der Seilbahn aussteigen treffen wir unserer Freunde aus Groß-Britannien wieder - unglaublich. Auch sie fliegen heute heim, aber ein paar Stunden vor uns. Wir hatten ihnen von Velo+ erzählt, die haben gestern noch zwei Fahrradboxen verkauft. Den Tag lassen wir am Grigol Orbeliani Platz ausklingen. Einen Ort den wir sehr mögen, weil er so gewöhnlich ist. Im Biergarten sitzen mehr Einheimische als Touristen. An Marktständen verkaufen Frauen Blumen und gebrauchte Bücher. Kleine Gemüsehändler und Bäcker vervollständigen das Bild. Auf den Einbahnstraßen um den begrünten Platz, herrscht reger Betrieb. Irgendwo hupt immer jemand.

Morgens um 2 Uhr brechen wir auf zum Flughafen. Die zwei Fahrradboxen passen gerade so in den alten Kleinbus des Guest House Besitzers.

Buchhändler am Grigol Orbeliani Platz.  Der 274 m hohe Fernsehturm hat auch schon bessere Tage gesehen.   Skulptur vor der Oper in Tiflis.