Griechenland per Rad - Tagebuch einer Radreise

© Christian Hartmann, Jörg Feye,  ✉ 

Reisezeit

Griechenland ist ein beliebtes Reiseziel. Im Sommer ist daher mit erhöhtem Verkehrsaufkommen zu rechnen. Außerdem kann es sehr heiß werden. Daher ist man als Radfahrer gut beraten in der Vor- oder Nachsaison zu reisen.

bullet Im Frühsommer blüht die Landschaft im Wortsinne auf. Die Luft ist im Normalfall schon warm, das Meer meist noch frisch. Die Tage sind erfreulich lang.

bullet Im Spätsommer ist das Meer noch angenehm warm, die Landschaft allerdings ausgedörrt. Auch werden die Tage wieder spürbar kürzer.

Wir haben uns für den Spätsommer entschieden. Das Wetter war in Ordnung, aber schon spürbar wechselhaft. Des Nachts wurde es schon recht frisch. Ende September wurde es schon um 19 Uhr dunkel. Eine Unterkunft zu finden war kein Problem, oft konnten wir den Preis sogar noch verhandeln. Einige Orte waren schon in den Winterschlaf gefallen und so mancher Wirt oder Herbergsbetreiber war nicht mehr so recht motiviert. Attraktionen wie Delphi, Mykene und Ephidauros war immer noch gut besucht aber alles andere als überlaufen. Wenn ein Kreuzfahrtschiff anlegt und mehrere hundert Besucher auf einen Schlag ankommen, wie es uns in Olymipa passiert ist, kann man nichts machen. Unserer Beobachtung nach besuchen Reisegruppen die Attraktionen des Vormittags.

Straßen und Verkehr

Die meisten Straßen waren ruhig bis sehr ruhig und gut zu fahren.

Problematisch waren die drei großen Städte Athen, Patras und Kalamatra.

bullet Athen haben wir mit dem Bus verlassen. Das hat sehr gut funktioniert.

bullet In Patras ist es richtig schlecht gelaufen. → Größere Städte zuvor in Google Maps anschauen und die detailreichen Karten ausdrucken.

bullet Kalamatra hat recht gut funktioniert.

Die Orientierung war meist kein Problem. Die Beschilderung war nicht immer hilfreich und in abgelegenen Gegenden nur in Griechisch (Bild).

Die Rücksichtnahme war auf allen Straßen einwandfrei, wir hatten keine einzige gefährliche Situation.

Unterkunft und Verpflegung

An der Küste gibt es etliche Campingplätze. Wir haben so um die 20 ? bezahlt. In Hotels und privaten Zimmern zahlten wir 35 bis 60 ?.

An Rand der größeren Orte findet man häufig einen deutschen Discounter. Einmal am Tag kamen wir immer an einem Laden vorbei, die auch des Sonntags geöffnet haben. Es lohnt sich hin und wieder essen zu gehen, die griechische Küche ist sehr lecker.

Ausrüstung Mišo

Auf 1.440 Kilometeren haben wir rund 19.500 Höhenmeter bewältigt. Rad und Radler sollten daher bergtauglich sein. Die Griechen selber scheinen kein Rad zu fahren. Die Infrastruktur für Radfahrer ist daher eher dünn. Es ist also besser, man kann die “erwartbaren” Defekte mit Bordmitteln beheben.

bullet Werkzeug: 2-8mm Inbusschlüssel, Schraubendreher, 8+10mm Maulschüssel, Kettennieter, Luftpumpe, Reifenheber, Taschenmesser, großen Mauschlüssel/Imbus für Pedale

bullet Ersatzteile: Schläuche, Flickzeug, Öl (und Lappen), Kabelbinder, Textilband, Handwaschpaste (und/oder Einmalhandschuhe), Flickzeug für die Isomatte; Optional: einen Schalt- und Bremszug, Bremsgummis

bullet Kleidung: Regenjacke und Regenhose, Schal, Mütze, Handschuhe, Überschuhe, Armlinge, Knielinge, Windweste, Helm

bullet Apotheke: Pflaster, sterile Mullkompressen, Elastomull, Aspirin, Kohletabletten, Sport-, Wund- und Brandsalben, Einmalhandschuhe, Rettungsdecke

Reiseführer und Karten

bullet Sehr hilfrei war Peloponnes per Rad vom Verlag Wolfgang Kettler.

bullet Karten: Marco Polo - Griechenland, 1:300.000 und Geocenter Road Edition - Peloponnes, 1:250.000

Die Übertragung der Ortsnamen vom griechischen ins lateinische Alphabet lässt offensichtlich gewisse Spielräume. So kann der Name eines Ortes in zwei Karten leicht unterschiedlich geschrieben sein. Beispielsweise Pygros und Pigros.

Fahrrad und Flugzeug Verpacktes Rad

Bei der Verpackung des Rades setzen wir seit Jahren auf Isolierrohre für Heizungsrohre. Die kann man gut zurechtschneiden und mit Klebeband oder Kabelbindern befestigen. Damit lässt sich der Rahmen sehr gut polstern und man kann das Rad trotzdem noch fahren bzw. schieben. So ist auch die Fahrt mit Rad oder Bahn zum Flughafen kein Problem. Das kritischste Teil ist aus unserer Sicht das Schaltwerk, aber auch da machen wir nur ein halbiertes Isolierrohr drüber. Die Kette decken wir mit kleinen Plastiktüten ab, damit kein anderes Gepäck ölig wird.

Wir haben mit der Methode gute Erfahrungen gemacht (bei bisher 9 Flügen). Das Rad wird unserer Beobachtung nach als letztes auf das andere Gepäck gelegt und da es als Rad erkennbar ist, pfleglich behandelt.

Das Schöne ist, dass die Technik auch auf dem Rückflug anwendbar ist. Anstelle der Isolierrohre kann man auch billige Isomatten oder Badeteppiche nehmen, zerschneiden und um den Rahmen wickeln. Letzteres haben wir in Montenegro gemacht. (Bild)