Kirgistan per Rad - Tagebuch einer Radreise

© Christian Hartmann, Jörg Feye,  ✉ 

Örük Tam - Üch Emcheek Tal, 59 km, 925 Hm

Das unfreiwillige Bad im eiskalten Bergbach

Östlich von Örük Tam ringen Sonne und Wolken miteinander

Sonne und Wolken liefern sich am Vormittag ein hartes Duell. Gegen Mittag scheint sich die Sonne durchgesetzt zu haben. Wir folgen dem Kichi-Naryn durch ein breites Tal, das bald schmaler wird und eine kleine Schlucht bildet. Dahinter öffnet sich wieder eine breite, grüne Ebene. Nach dem Abzweig ins Tal des Balgar präsentiert sich die Landschaft trocken und vegetationsarm. Auf karge Wiesen weiden gemischte Herden aus Pferden, Kühen und Schafen.

Bald ragen direkt neben der Piste über 4200 m hohe, felsige Berge auf. Leider gewinnen die Wolken wieder die Oberhand. Es sind einige Bachläufe zu durchqueren. Die Prozedur: Schuhe und Socken ausziehen, Sandalen anziehen, Taschen rüber tragen, Rad durchschieben, Füße abtrocknen, Schuhe anziehen - dauert jedes Mal einige Minuten. Da es Hochgebirgsbäche sind, ist das Wasser richtig kalt. Bei einer Querung meine ich mir das separate rüber tragen der Taschen sparen zu können. Eine gefährliche Fehleinschätzung! Das Rad fängt an auf den Taschen zu schwimmen und die starke Strömung droht es fort zu spülen. Nur mit großer Mühe und einem unfreiwilligen Bad im eiskalten Wasser bekomme ich das Rad ans Ufer. Da stehe ich bei 16 °C und Wind in klatschnassen Sachen und ärgere mich über meine Dummheit. Die Sachen sind schnell gewechselt, der Schreck über die gefährliche Situation wird mich noch eine Weile begleiten.

Das Wetter wird immer nasser und kälter. Bei nur noch 7 °C Lufttemperatur ist das Durchqueren der eiskalten Bäche schon echt hart. Als sich das Tal des Üch Emcheek weitet, finden wir eine Wiese für unser Zelt. Erst als wir in einer Regenpause kochen nehmen wir die schneebedeckten Viertausender wahr, die zum Greifen nahe scheinen.

Grandiose Bergkulisse östlich von Örük Tam  Grandiose Bergkulisse östlich von Örük Tam  Nach dem Abzweig ins Balgar Tal  In den Bergen brauen sich Wolken zusammen  Pferde und Schafe im Balgar Tal  Südlich des Tong Passes sind die 4-Tausender zum Greifen nah  Abendlicher Blick aus dem Zelt auf einen 4.200m Berg

Üch Emcheek Tal - Tosor Tal, 50 km, 900 Hm

Der Höhepunkt unserer Tour - 3890 m

Grandiose Bergkulisse im Üch Emcheek Tal

Auf dem Wasser in unseren Fahrradflaschen hat sich eine dünne Eisschicht gebildet. Der Himmel ist blau und sobald die Sonne an Kraft gewinnt ist es auch recht warm. Am Fuße der Viertausender geht es langsam bergauf. Auf den Wiesen im engen Tal erblicken wir gelegentlich Herden. Einige Yaks stehen im eiskalten Bergbach. Das Wasser des Üch Emcheek ist milchig blau, ein Indiz dafür, dass es von Gletschern stammt. In den grauen Felswänden schimmert weißer Schnee. Einige der hohen Gipfel haben ausgedehnte Schneekappen. Wow, das ist schon echt schön!

Der Weg ist meist recht gut fahrbar. Im Durchqueren von Bächen bekommen wir langsam Übung. Die letzten Kilometer vorm 3890 m hohen Tosor Pass werden rauer und steiler. Einige Abschnitte können wir nur schiebend bewältigen. Trotzdem sind wir angenehm überrascht, den Meas Pass fanden wir anstrengender. Kurz hinterm Pass eine Kulisse aus Fels und Eis die uns fast die Sprache verschlägt. Da stehen wir in fast 3900 m Höhe vor dem Gletscher eines 4240 m hohen Berges und freuen uns wie kleine Kinder.

Die Abfahrt ist recht holprig und einige Passagen so schwierig, dass wir es vorziehen unsere Räder zu schieben. Im grünen Tal rauscht das Wasser des Tosor. Unterwegs blockiert ein Schäfer mit seinen Schafen den Weg. Dieser tierische Verkehr stellt heute unsere einzige Begegnung dar. Sieht man mal ab von den Erdhörnchen, von denen eines nur rund 100 m vor uns über den Weg huscht. Auf dem Weg zum Pass hat es sich auf 17 °C abgekühlt, erst als wir wieder unter 2600 m kommen wird es spürbar wärmer. Auf einer kargen Wiese finden wir ein Plätzchen für unser Zelt. Abends beschert uns ein Gewitter einen schönen Regenbogen.

Unser Zeltplatz in 3.060 m Höhe  Kuh im Üch Emcheek Tal  Grandiose Bergkulisse im Üch Emcheek Tal  Gipfel mit Schneekappen im Üch Emcheek Tal  Yaks stehen im eiskalten Wasser des Üch Emcheek  Am 3.890 m hohen Tosor Pass  Abfahrt vom Tosor Pass  “Unten” im Tosor Tal - in 2.600 m Höhe

Tosor Tal - nahen Kaji Say, 33 km, 115 Hm

“Meer”, Strand und Sonne

Felsen leuchten Rot im Abendlicht

Die Abfahrt vom Tosor Pass schenkt uns auch auf den letzten Kilometern nichts, die Piste bleibt holprig. Der Weg führt durch eine schöne Schlucht, danach mehren sich die Anzeichen der Zivilisation, wie Obstbäume und Zäune.

Am Issyk Köl angekommen, sind wir froh wieder Asphalt unter den Reifen zu haben. Das “kirgisische Meer” ist 180 km lang, 60 km breit und 700 m tief. Bei unserer Ankunft können wir das gegenüberliegende Ufer nicht ausmachen. Dafür branden Wellen an den Sandstrand, wie man sie sonst nur vom Meer kennt. Der Issyk Köl ist ein Endsee, er hat nur Zuflüsse aber keinen Abfluss. Daher ist sein Wasser auch leicht salzig. Issyk Köl bedeutet “heißer See”. Heiß ist vielleicht etwas übertrieben, aber er friert auch im Winter nicht zu und die können hier kalt sein.

Die Straße verläuft in Sichtweite zum Ufer. Es sind überraschend wenig Autos unterwegs. Das gibt uns Gelegenheit den Ausblick auf den See und die schönen, menschenleeren Sandstrände zu genießen. Im Süden recken sich die Berge in die Höhe aus denen wir kommen. Kaji Say ist ein kleiner Badeort mit Läden, Cafés, Hotels und sogar einem Campingplatz. Bunte Schwimmringe und Bälle warten auf Käufer. Auf dem Dach eines Autos ist ein riesiger, aufblasbarer Delphin festgeschnallt. Die Kennzeichen verraten, dass hier neben Kirgisen auch Kasachen Urlaub machen.

Wir decken uns mit Lebensmitteln ein und rollen einen guten Kilometer weiter. Den Rest des Tages verbringen wir am Strand, wo wir abends auch unser Zelt aufschlagen. Das Wasser ist angenehm, die Sonne scheint und sorgt für mollige 30 °C. So kann man es aushalten. Im Abendlicht leuchten die rötlichen Felsen im Süden geradezu.

Brücke über den Bach Tosor  Der Tosor zwängt sich durch eine enge Schlucht  Der Issyk Köl - das “kirgisische Meer”  Könnte die Adria sein, ist aber der Issyk Köl  Strandurlaub am Issyk Köl  Strandurlaub am Issyk Köl  Zelten am Issyk Köl  Sonnnenuntergang über dem Issyk Köl

Kaji Say - Kara Köl, 64 km, 760 Hm

Aprikosen und Salzsee

Kara Köl: Zwei Männer haben sich mit (Heil)Schlamm eingeschmiert

Morgens kommen uns 3 LKW-Kolonnen entgegen. Die modernen Laster werden von Sicherungsfahrzeugen begleitet. Das legt für uns den Schluss nahe, dass sie die umstrittene Kumtor-Goldmine mit Material versorgen. Der Tagebau in 4000 m Höhe wird von der kanadischen Centerra Gold Inc. betrieben. Er sorgt für mehr als 10 % der kirgisischen Steuereinnahmen und 50 % der Exporte.

Im Süden sind heute die schneebedeckten Viertausender zu sehen, im Norden schimmert das Blau des Issyk Köl, dahinter zeichnen sich wiederum hohe Berge mit weißen Kappen ab. Der Verkehr ist moderat, der Asphalt meist OK. Bökönbaev ist eine kleine Stadt mit Banken, Basar und CBT-Büro. An den Geldautomaten bekommen wir allerdings kein Geld. Es folgt ein weites, fruchtbares Tal. In den Orten werden Aprikosen und Johannisbeeren an der Straße verkauft. Es scheint jeder Dorfbewohner hat einige Bäume und Sträucher im Garten.

Der Keskem-Bel Pass ist nur 2100 m hoch. Die Landschaft ist wieder trocken und karg, im Norden bestimmen rötliche Sandsteinhügel das Bild. Die Piste zum Salzsee ist holprig und sandig. Es herrscht erstaunlich viel Verkehr, alle paar Minuten werden wir eingestaubt. Jörg schafft es so unglücklich umzufallen, dass er sich die Rippen prellt. Der Kara-Köl entpuppt sich als Touristenattraktion. Ein Zeltlager mit bestimmt 40 Jurten liegt am Ufer des Issyk-Köl. Dazu eine Reihe Imbisse und Cafés. Trotz allem ist der See weniger bevölkert als ein durchschnittlicher deutscher Baggersee, dem er durchaus ähnlich sieht. Wie im Toten Meer kann man sich einfach auf den Rücken legen und schwimmt. Schon eine interessante Erfahrung. Wir bauen unser Zelt nur hundert Meter vom See auf. Im Süden leuchten die schneebedeckten Berge im Abendlicht.

Blick vom Issyk Köl auf die Viertausender des Tian Shan  Kinder verkaufen Aprikosen an der Straße  Blick auf die Viertausender des Tian Shan  Blick über den Issyk Köl  Der Salzsee Kara Köl  Blick vom Kara Köl auf die Viertausender des Tian Shan  Der Salzsee Kara Köl

Kara Köl - nahe Ottuk, 58 km, 305 Hm

Ein letztes Bad im Issyk-Köl

Frau mit Kindern verkaufen Aprikosen an der Straße

Jörgs geprellte Rippe reagiert empfindlich auf Schlaglöcher, daher verzichten wir auf die Runde durch die Berge und bleiben unten am See. Die Hauptstraße ist zwar asphaltiert aber durchaus holprig genug. Fruchtbare Täler wechseln ab mit trockenen Steinwüsten. Das Ufer des Issyk-Köl wurde hier zum Naturschutzgebiet erklärt und ist häufig von einem dichten Schilfgürtel gesäumt.

Bei Ottuk lädt eine schöne Wiese am See zum Verweilen ein. Das Ufer ist durch einen kleinen Wald von der Straße getrennt. Leider ist dieser schöne Flecken auch bei Sandfliegen äußerst beliebt. Die stechen zwar nicht, ihre große Anzahl nervt aber gehörig. Wir verbringen den Nachmittag mit Baden. Das flache Wasser ist auch bei Familien sehr beliebt. Die Kinder halten es oft deutlich länger im Wasser aus als wir. Recht unterhaltsam ist auch die Frage wie viele Personen wohl aus einem Auto aussteigen werden. Sind es 7, 8 oder noch mehr? Zwei kleine Kinder auf dem Schoß des Beifahrers sind keine Seltenheit.

So schön das Plätzchen ist, zum Zelten fahren wir dann doch noch rund 8 km weiter.

Die Küstenstraße A363 nahe Kara-Talaa  Kinder baden im Issyk Köl bei Ottuk  Esel grasen am Ufer des Issyk Köl bei Ottuk  Berge bei Ottuk im Abendlicht

Ottuk - nahe Kök-Moynok-Eki,82 km, 825 Hm

Eine schwierige Entscheidung

Kamele am Orto-Tokoy See

Auf einer ruhigen Straße geht es durch ein schönes Tal. Der trockene Boden ist steinig und nur spärlich mit kargen Büschen bewachsen. Zu beiden Seiten wird das Tal von Sandsteinbergen eingerahmt, deren Farbspektrum reicht von schwarz über rötlich bis sandfarben. Uns bläst ein kräftiger Wind ins Gesicht. Das Orto-Tokoy Wasserreservoir ist nur zu einem Bruchteil gefüllt. Das Blau des Wassers und das Grün und Gelb der Wiesen bilden einen interessanten Kontrast zur kargen Landschaft ringsum. Gegen Ende des Sees weidet eine Herde Kamele auf den Wiesen am See.

Über die Frage ob die Fahrt vom Issyk-Köl nach Bischkek lohnt scheiden sich die Geister. Die Route über den Kegeti Pass soll attraktiv aber sehr unwegsam sein. Der Weg über Tokmok wird als verkehrsreich und unattraktiv beschrieben. Eine weitere Option ist der Zug von Balikch in die Hauptstadt. Lange wägen wir die verschiedenen Optionen ab. Der Zug wäre zu schnell, das Abenteuer Kegeti Pass wollen wir so kurz vor Schluss doch nicht mehr wagen. Wir werden es über Orlovka, Tash-Döbö versuchen.

Erstmal müssen wir aber nach Kochkor, die Stadt liegt zwar 14 km abseits unserer Strecke, ist aber der einzige Ort in der Umgebung um unsere Vorräte aufzufüllen. Auf dem lebendigen Basar bekommen wir frisches Obst und Gemüse, beim Bäcker Brot das nur wenige Minuten alt ist. In der Stadt gibt es auch Banken, Imbisse und Gästehäuser.

Der Wind schiebt uns zurück zum Orto-Tokoy See. Auf dem Weg über den 2140 m hohen Kubaky Pass macht er uns dafür das Leben schwer. Oben angekommen treffen wir den Fahrer eines alten Mähdreschers. Zwei Kinder verkaufen Kymys. Kurz vor der Hauptstraße A365 finden wir eine Wiese an einem kleinen Bach für unser Zelt.

Schöne Nebenstraße vom Issyk Köl zum Orto-Tokoy See  Zwischen Issyk Köl und Orto-Tokoy See  Die Kilometermarken am Straßenrand sind mannshoch  Der Orto-Tokoy See ist nur zu einem Bruchteil gefüllt  Karge Landschaft am Orto-Tokoy See  Grüne Wiese am westlichen Ende des Orto-Tokoy Sees  Alten Mähdreschers am Kubaky Pass

Kök-Moynok-Eki - nahe Lenin, 97 km, 610 Hm

Augen zu und durch

Bauer auf seinem Esel

In der Nacht trieben mich Verdauungsprobleme immer wieder aus dem Zelt. Mücken nutzten meine wehrlose Lage schamlos aus. Heute Morgen fühlt sich mein Hintern an wie ein Streuselkuchen.

Um nach Kök-Moynok-Eki zu gelangen müssen wir erst Bahngleise und dann eine wacklige Hängebrücke überqueren. Der Laden des kleinen Dorfes hat ein übersichtliches Sortiment, Brot gehört nicht dazu. Die Hauptstraße A365 ist vierspurig ausgebaut und führt durch eine enge Schlucht. Bei dem vielen Verkehr ist es kaum möglich die Landschaft zu genießen. Die ersten Kilometer kommen wir zügig voran. In dichter Folge liegen Raststätten an der Straße. Bald bläst uns wieder ein starker Wind ins Gesicht, der uns bis Kemin erhalten bleibt. Dort angekommen haben wir von der lauten, stinkenden Straße und dem anstrengenden Wind die Nase voll.

Auf der Nebenstraße nach Orlovka macht das Radfahren wieder Spaß. Die Landschaft ist landwirtschaftlich geprägt. Alle verfügbaren Mähdrescher sind im Einsatz, darunter so einige museumsreife Stücke. Schafe, Kühe, Pferde, Esel und Federvieh am Straßenrand sind für uns zu einem vertrauten Bild geworden. In den zahlreichen Dörfern gibt es etliche kleine Läden. Nicht selten sind es die größeren Kinder, so ab 8 Jahren, die den Laden schmeißen.

Das Wetter zeigt sich heute wechselhaft, sonnige Abschnitte wechseln ab mit bedecktem Himmel aus dem auch mal ein paar Tropfen fallen. Als wir des Abends unser Zelt am Rande eines Feldes aufstellen schaut der Bauer auf seinem Esel vorbei. Wir haben den Eindruck, dass sich nur selten Touristen in diese Gegend verirren.

Hängebrücke nach Kök-Moynok-Eki  Bäcker in Kemin  Getreidefelder bei Lenin

Lenin - nahe Koy-Tash, 73 km, 1070 Hm

Hoch oben auf dem Heulaster

Kinder stzten auf dem Heu, das der Laster transportiert

Durch welliges, landwirtschaftlich genutztes Land geht es westwärts. Da wir quer zu den Tälern fahren, gibt es immer wieder einige Höhenmeter zu überwinden. Im Süden sind immer deutlicher die bis zu 4800 m hohen, schneebedeckten Berge zu erkennen. Vogelgezwitscher liegt in der Luft. Viele der Tiere haben eine sehr schöne blaue oder grüne Färbung.

Der Weg nach Karagay-Bulak beschert uns einige Kilometer auf Schotter und eine andere Landschaft. Den Blick in die weite Ebene um Bischkek wird von niedrigen, mit verdorrtem Gras bedeckten Bergen verdeckt. Im Tal locken Fischteiche Besucher an. Auf dem Weg zum 1750 m hohen Pass kommen uns zwei mit Heu beladene Laster entgegen. Hoch oben auf dem Heu sitzen Kinder und winken uns zu.

Die Abfahrt führt durch welliges Grasland. Die kleinen Läden in den Dörfern haben ein überschaubares Angebot. Kurz vor Koy-Tash finden wir abseits der Straße eine schöne Wiese zum Zelten. Es ist sonnig und warm. Wir haben freie Sicht auf die Viertausender im Süden. Einmal mehr ein wunderbarer Platz für die Nacht.

Mit Strohballen beladener Laster in Lenin  Lada zieht Wassertank in Lenin  Kühe weiden bei Karagay-Bulak am Ufer des Isik-Ata  Isik-Ata Tal  Schöner Zeltplatz bei Koy-Tash  Die Viertausender bei Koy-Tash im Abendlicht

Koy-Tash - Ala-Archa Nationalpark, 43 km, 1130 Hm

Noch einmal in die Berge

Im  Ala-Archa Nationalpark

Bis Tash-Dödö geht es weiter am Fuß der Berge durch Getreidefelder. Dort können wir unsere Vorräte auf einem kleinen Basar und einigen größeren Läden auffüllen. Als Brotaufstrich bevorzugen wir “Benuta”, eine Art “Nutella”. Aus dem Glas füllen wir es in eine verschließbare Frischhaltebox um. Bei Honig neigen wir dazu uns klebrige Finger zu holen. Marmelade scheint jeder selber zu machen, daher gibt es sie so gut wie nicht zu kaufen. Zum Frühstück essen wir anderthalb bis zwei kleine Fladenbrote.

Von Tash-Dödö geht es auf einer asphaltierten Straße hoch zum Ala-Archa Nationalpark, dem Naherholungsgebiet von Bischkek. Die Hänge des engen Tals sind mit Wäldern aus Nadelbäumen bedeckt. Am Ende des Tals reckt sich der 4438 m hohe Pick Medik in die Höhe. Die touristische Infrastruktur besteht aus einem teuren Hotel und einem schäbigen Guesthouse. Weiter unten im Tal stehen einige Jurten. Entgegen unserer Annahme es sein ein Yurt-Camp, ist man hier nur auf das Verköstigen von Tagesgästen eingestellt. Die Familie ist aber flexibel genug uns eine Jurte für die Nacht zu überlassen. Wenige Meter entfernt rauscht der Ala-Archa zu Tal. Des Abends genießen wir den Blick über das tosende Wasser auf die Berge. In einer anderen Jurte lässt sich eine Gruppe Kirgisen bis Oberkante Unterlippe volllaufen.

Ala-Archa Nationalpark - Bischkek, 46 km, 160 Hm

Schön war's, sehr schön!!

Markt in Tash-Dödö

Auf der Fahrt nach Bischkek stoppen wir noch mal in Tash-Dödö um ganz frisches Brot vom Bäcker zu holen. Den quirligen Verkehr der Hauptstadt haben wir nicht wirklich vermisst. Per GPS-Track navigieren wir zügig und ohne Probleme zu unserem Hotel. Wir sind glücklich, dass alles so gut gelaufen ist und traurig das die Tour zu Ende ist. 1386 km und 17550 Höhenmeter haben wir zurückgelegt. Schöns war's, sehr schön.

Unser Flieger startet morgens um 6:30 Uhr. Wir haben uns entschlossen schon am Vorabend zum Flughafen zu radeln. Die Fahrt dorthin verläuft entspannt. “Lustig” wird's beim Betreten des Flughafengebäudes. Dort muss das Gepäck durch den Scanner - auch unsere Fahrräder. Was nicht passt muss passend gemacht werden, ohne Laufräder klappt es am Ende. Wir hatten gehofft schon am Vorabend einchecken zu können und die Nacht am Gate verbringen zu können. Daraus wird aber nichts. Also suchen wir uns eine halbwegs ruhige Ecke und versuchen etwas Schlaf zu finden. Die Bänke sind gar nicht mal so unbequem und wir sind mit Nichten die Einzigen. So recht will das mit dem Schlafen aber nicht klappen.

Um 4:00 Uhr drängen sich die Passagiere von 2 Fliegern vor 2 tiefenentspannten Zöllnern. Beim Scannen des Handgepäcks wird mein Tagebuch als verdächtig eingestuft und muss nochmal durchleuchtet werden. Dann haben wir es geschafft, übermüdet aber glücklich steigen wir in den Flieger.