Slowenien, Kroatien und Montenegro per Rad

© Christian Hartmann, Jörg Feye,  ✉ 

Plitvicer Seen, 18 km, 340 Hm

Im Land der fallenden Seen.

Das Gebiet der Plitvicer Seen gehört zum dinarischen Karstgebiet. Da das Gebirge aus leicht löslichem Kalkgestein besteht, gibt es nur wenige oberirdische Wasserläufe. Häufig sucht sich das Wasser unterirdisch seinen Weg. Trifft solch ein unterirdischer Wasserlauf auf härteres Gestein, tritt er an die Oberfläche und bildet Bäche. Die wichtigsten Zuflüsse der Plitvicer Seen sind der Schwarze und der Weiße Fluss. Auf seinem Weg durch den Kalkstein hat das Wasser große Mengen Mineralien gelöst. Diese lagern sich in den 16 Seen an Moosen und Ästen ab und versteinern - Travertin entsteht. So bilden sich mit der Zeit immer neue Barrieren und das Wasser in den Plitvicer Seen sucht sich ständig neue Wege. Der Höhenunterschied zwischen dem obersten und untersten See beträgt 133 m. Der höchste Gipfel des Nationalparks, der 1279 m hohe Seliški, überragt den tiefsten Punkt sogar um über 900 m. Die Grenzen zwischen Wald und Seen verwischen an vielen Stellen. Aufgrund der großen Zahl kleiner und großer Wasserfälle wird Plitvice auch “das Land der fallenden Seen genannt”. Unfassbar, dass die Wasserfälle während des Balkankrieges vermint waren.

Holzstege erschließen diese einmalige Landschaft für Besucher. Viele Besucher, selbst jetzt im Mai. So kommt es auf den beliebtesten Wegen schon mal zu kleinen Staus. Im kristallklaren Wasser sehen wir viele Fische. Wir nehmen uns den ganzen Tag Zeit und freuen uns, dass es nicht regnet und sich hin und wieder sogar die Sonne zeigt. Dieses Naturjuwel war die Etappe von der Küste hier her unbedingt Wert.

Holzstege erschließen die einmalige Landschaft der Plitvicer Seen für Besucher
Blick auf die Unteren Seen  Wasserfall der Oberen Seen  Gelöster Kalk lagert sich Ästen ab und versteinert  Wasserfall der Oberen Seen  Kleiner moosbewachsener Wasserfall  Blick auf zwei der Oberen Seen  Travertin Barriere

Poljanak - Krasno Polje (Velebit Gebirge), 83 km, 1280 Hm

Unentschlossenes Wetter und schöne Bergwelten.

Himmel, Arsch und Zwirn, das regnet ja schon wieder und ist 4 °C kalt! Die einsame, schöne Bergwelt mit all den Dolinen, Kalksteinfelsen und urigen Wäldern können wir daher nur sehr bedingt genießen. Als Jörg bei diesem schauderhaften Wetter kurz vor Otočac auch noch einen Plattfuß hat, ist die Laune endgültig im Eimer. Glück im Unglück, wir können uns fürs Wechseln des Schlauchs unterstellen. Auch hört es langsam auf zu regnen.

Die Mittagspause in Otočac nutzen wir, um uns in einer Bäckerei aufzuwärmen. Während wir wieder Leben in die klammen Finger und kalten Füße bringen, reißt draußen der Himmel auf. Auf dem Weg nach Krasno Polje wird es mit 12-16 °C sogar wieder recht angenehmen und wir können die Bergwelt des nördlichen Velebit genießen (Velebit ~ Großes Wesen).

In Krasno Polje ist das Büro des Nationalpark Velebit unsere erste Station. Dort werden wir in Deutsch mit Infos versorgt. In den Höhenlagen des Velebit soll es heute Morgen 10 cm Neuschnee gegeben haben. (Der höchste Berg ist mit 1757 m nur gut 250 m höher als der Feldberg im Schwarzwald.) Auch eine Unterkunft wird uns vermittelt. 600 m vom Nationalparkbüro auf der rechten Seite bekommen wir ein schönes Apartment.

Krasno Polje - Novalja (Insel Pag), 81 km, 1350 Hm

Schnee im Velebit und Sonne auf Pag.

Fels-und Waldlandschaft im Velebit

In Krasno Polje gibt es zwei Käsereien und einen kleinen Laden, so bekommen wir günstig Brot und ganz frischen Käse. Durch einen einsamen Kiefern- und Birkenwald geht es Richtung Štirovaca. Der Wald ist durchsetzt mit Kalksteinfelsen und Dolinen. An geschützten Stellen, wie in den Dolinen und in Lagen über 1100 m gibt es noch größere Schneefelder. Die Straße verläuft hügelig und kurvig auf Höhen von 1000-1200 m. Obwohl es recht freundlich ist, zeigten unsere Thermometer nur frische 5 °C an. Der Ausblick in ein Seitental erinnert uns mit seiner Fels- und Waldlandschaft an Winnetou-Filme.

Die letzten 9 km zum 1414 m hohen Veliki Pass sind nicht befestigt. Je höher wir kommen, desto mehr Schnee sehen wir. Die Strecke ist wunderschön, wir haben allerdings langsam genug von klammen Fingern. Oben angekommen können wir verfolgen, wie feuchte Luft vom Meer angesaugt und über den Höhenzug gesogen wird. Leider vernebeln uns diese Wolken uns die Aussicht auf die Küste.

Auf der Abfahrt zum Meer verändert sich die Landschaft (mehrfach). Der Bewuchs ist karg und niedrig, es folgt eine bizarre Fels- und Steinlandschaft. Allmählich verlassen wir die Wolken und bekommen Sicht auf die Küste und die Inseln. Die Straße runter zur Küste ist herrlich und kaum befahren. Mittlerweile haben wir schon etliche Höhenmeter “kaputt” gemacht und es ist spürbar wärmer geworden. Da es so schön ist, setzen wir uns einfach an den Straßenrand und genießen Brot, Käse und Landschaft.

Auf der Küstenstraße ist kaum Verkehr. Mit der Fähre (→ Tipp) geht es von Prizna nach Žiglljem auf der Insel Pag und damit endgültig in die Sonne. Die Insel ist auf der dem Festland zugewandten Seite eine Steinwüste, in der nur wenige Distelgewächse gedeihen. Das Inselinnere ist grün, es wird Wein angebaut und auf den Wiesen weiden Schafe. Weiden und Weingärten sind mit Steinwällen umschlossen.

Wir schlagen unser Zelt auf dem großen Kamp Straško auf und können noch einige Stunden in der Sonne am Strand genießen. Zum Schwimmen ist uns das Wasser noch zu kalt, einige Kinder sehen das ganz anders.

Tipp: Die Abfahrtzeiten der Fähren haben wir daheim auf der Webseite croatiaferries.com nachgeschaut. Alle Zeiten haben gestimmt und die Fähren waren in der Regel sehr pünktlich.


Auf dem Weg zum 1414m hohen Veliki Pass  Blick vom Velebit auf die Insel Pag  Steinwüste auf der Insel Pag  Auf der Insel Pag  Wir genießen die Sonne am Strand von Kamp Strasko

Novalia - Zadar, 84 km, 860 Hm

“Bäche” in der Altstadt von Pag, (Gruß an die) Sonne in Zadar.

Fischerboot und Luxusyacht in Zadar

Jetzt ist es schon soweit gekommen, dass wir Regen bei 14 °C als nicht ganz so schlimm empfinden, da wir in unserer Regenkleidung nicht frieren. Der Sarkasmus macht den Umstand erträglicher, dass wir heute schon wieder fast die ganze Strecke im Regen gefahren sind. Dabei fing es ganz freundlich an, Frühstück am Strand, leichtes Tröpfeln beim Abbauen des Zeltes. Dann nimmt der Regen aber mit jedem Kilometer zu. Dazu Gegenwind und Anstiege. Satte von Steinwällen eingefasste Wiesen in einer hügeligen Landschaft und felsige Bergrücken erinnern uns an Schottland.

Gruß an die Sonne  in Zadar

In Pag-Stadt schifft es wie aus Eimern. In Bächen fließt das Wasser über das Marmorpflaster. Wir verkrümeln uns für eine Weile in ein Café. Des Mittags ist keine Wetterbesserung absehbar. Wir rollen weiter durch die Salinen von Pag - rechteckige Becken in einem von hohem Schilf gesäumten, langgestreckten See. Anschließend bestimmen wieder Schafweiden das Bild, im Hintergrund ein karger Felsen. Auf der Straße ist überraschend viel Verkehr, von südländischem Fahrstiel aber keine Spur. In Käsereien wird der bekannte, würzige Schafskäse feilgeboten. Auch einige Restaurants säumen die Straße, vor Vielen steht ein Räucherofen.

Auf dem Festland ist die Landschaft deutlich weniger reizvoll. Erst kurz vor Zadar hört es auf zu regnen. In einem Radladen bekommen wir einen neuen Schlauch für Jörg. Auf der Brücke zur Altstadt wird uns ein Zimmer angeboten. Die Pension Maria stellt sich als gute Wahl heraus. 52 € für Zimmer mit Frühstück ist ein guter Preis.

Als wir gegen 16 Uhr in die Altstadt aufbrechen scheint die Sonne von einem blauen Himmel, 19 °C sind aber noch immer nicht sommerlich. Wir erkunden die Altstadt mit ihren römischen und venezianischen Bauwerken. In einigen Mauern erkennen wir Einschusslöcher. Am Besten gefällt uns die Meeresorgel und der “Gruß an die Sonne”, die seit dem Sommer 2005 zum Verweilen am Hafen einladen. Bei der Meeresorgel presst die Wellenbewegung Luft durch Orgelpfeifen, die im Boden verborgen sind. Der “Gruß an die Sonne” stellt die Planeten unseres Sonnensystems als Glasplatten auf dem Pier dar. Tagsüber gewinnen Solarzellen Strom, um die Glasplatten des Nachts zu illuminieren. Im Hafen liegen Fähren, Fischerboote und Luxusjachten

Zadar - Skradin (Krka Wasserfälle), 101 km, 790 Hm

Endlich Sonne.

Geht doch! Das ausgezeichnete Frühstück können wir, bei angenehm warmen Temperaturen, auf der Terrasse genießen. Mit der Fähre setzen wir über nach Peko auf der Insel Ugljan. Die ersten Kilometer können wir direkt an der Küste fahren. Die schmale Straße führt durch kleine Fischerorte. Bei Sonne und fast 30 °C fühlt es sich erstmals richtig wie Urlaub an. Das Inselinnere ist mit Kiefern und Ginster bewachsen. Es bieten sich einige schöne Ausblicke aufs Festland. Auf der Insel Pasman werden Wein und Oliven angebaut. Es rollt gut. In Tkon haben wir noch Zeit für ein Eis, bevor es mit der Fähre wieder aufs Festland geht.

Skradinski Wasserfälle im Krka Nationalpark

Von Biograd na Moru fahren wir nach Nordosten, um über kleine Schotterwege zum Vransko See zu gelangen. Es werden Getreide, Wein und Oliven angebaut. Da der See ein Vogelschutzgebiet ist, zwitschert es recht lautstark. Mit östlichen Smaragdeidechsen, die sich auf der Straße sonnen, einer Schlange, die schnell wieder im Gebüsch verschwindet und einer dalmatinischen Landschildkröte ist es eine sehr artenreiche Etappe. Es sind nur eine Handvoll Einheimische auf den Straßen unterwegs. Wo die Erde zu karg für die Landwirtschaft ist, bedecken niedrige Büsche den steinigen Boden. Der Ginster blüht gelb, die Mohnblumen rot, die Olivenhaine sind hellgrün, die Felsen fast weiß. So schön diese karge Landschaft ist, viele Häuser sind es nicht, immer wieder sehen wir auch Ruinen.

Von Banjevci nach Putičanje geht es wieder über eine Schotterstraße. An der Hauptstraße nach Krković warnen Schilder vor Minen. Einschusslöcher in Hauswänden untermalen die Erinnerung an den Balkankrieg. Auf der Nebenstraße über Sonković nach Skradin sonnen sich besonders viele Eidechsen auf der Straße. Die meisten verschwinden schneller im Gebüsch als wir schauen können, doch eine stellt sich als Fotomodell zur Verfügung.

Den Abschluss und Höhepunkt des Tages markiert der Besuch des Krka Nationalparks mit seinen bekannten Wasserfällen. Von der Brücke hinter Skradin können wir bis zum Eingang des Parks radeln. Die Skradinski Wasserfälle setzen sich aus Travertin-Barrieren (wie in Plitvice), Inseln und Seen zusammen, die von Holzstegen erschlossen werden. Der Čikola und Krka Fluss treffen sich hier und stürzen auf einer Länge von 800 m in 17 Kaskaden in die Tiefe.

In Skradin bekommen wir ein Apartment in einer engen Altstadtgasse. Im Hafen der netten Kleinstadt liegen etliche Segel- und Ausflugsboote. Dies mag rund 13 km im Landesinneren überraschen, doch die alte Hafenstadt ist über den Prokljansko See und den Fluss Krka direkt mit dem Meer verbunden.

Blick auf Kali auf der Insel Ugljan  Brücke zwischen den Inseln Ugljan und Pasman  Mohnblumen nahe des Vransko Sees  Dalmatinische Landschildkröte in Banjevci  Bei Ladevci warnen Schilder vor Minen  Eine östliche Smaragdeidechse sonnt sich auf der Straße nahe Sonković  Skradinski Wasserfälle im Krka Nationalpark  Skradinski Wasserfälle im Krka Nationalpark

Skradin - Primošten, 57 km, 580 Hm

Kultur in Šibenik, Strand und Sonne bei Primošten.

Nach nächtlichem Regen ist die Luft wieder spürbar frischer. Der Weg nach Šibenik ist weder weit, noch bemerkenswert. Die von der UNESCO geadelte Kathedrale und die Altstadtgassen machen die Stadt sehr sehenswert. Die Katedrala Sv. Jakova (Kathedrale des Heiligen Jakob) ist vollständig aus einem Material ausgeführt. Die Mauern, das freitragende Tonnengewölbe der Dachkonstruktion und die Kuppel bestehen aus Steinplatten. Die Steinblöcke sind wie Legosteine zusammengesetzt und miteinander verzapft. Der Fries an der Außenseite des Gotteshauses stellt die Köpfe normaler Bürger dar. Die Löwen am Eingangsportal zeugen von den venezianischen Baumeistern. Der Markt südöstlich der Altstadt schließt leider schon um 12 Uhr, sodass wir etwas suchen müssen, bis wir unser Mittagessen beisammen haben.

Auf der Küstenstraße geht es weiter gen Süden. Mittlerweile scheint die Sonne. Die Küste ist sehr sehenswert - in den Orten sieht man aber nur etwas von ihr, wenn man die Küstenstraße verlässt und zum Hafen oder Strand herunter fährt.

Rund 3 km vor Primošten lädt das Kamp Adraitic zum Bleiben ein. Wir schlagen unser Zelt nahe am Meer auf und kochen am Kiesstrand. Auch ein kurzes, sehr erfrischendes Bad gönnen wir uns. Der Tag endet mit einem malerischen Sonnenuntergang über dem Meer.

Fries an der Außenseite der Kathedrale von Šibenik  Kathedrale von Šibenik  Kathedrale von Šibenik  Blick auf die Insel Krapanj  Bucht von Grebastica  Wir kochem am Strand des Kamp Adraitic  Sonnenuntergang über dem Meer am Kamp Adraitic

Primošten - Trogir, 47 km, 420 Hm

Regen in Primošten, Altstadtgassen in Trogir.

Stadtloggia und Uhrturm in Trogir

In der Nacht ist ein Gewitter reingezogen. Des Morgens jagt ein Schauer den Nächsten. Dazu bläst ein frischer Wind aus Süden. Von einem Radler aus der Schweiz erfahren wir beim Frühstück, dass der Prijespa Pass im Durmitor Gebirge (Montenegro) vor Kurzem noch wegen 5 m Schnee geschlossen war. Klasse! Wir wollen den Pass in einigen Tagen überqueren, mal schauen, ob der dann frei ist.

Die Altstadt von Primošten ist vor allem vom Hafen aus schön anzuschauen. Die Altstadt liegt auf einer kleinen Halbinsel, am höchsten Punkt steht die Pfarrkirche. Bei 15 °C und Dauerregen sitzen wir das Wetter in einem Café aus. Eine Idee, die auch zwei Radler aus Bad Kreuznach haben, die im März zu einer zweijährigen Radtour aufgebrochen sind.

Gegen Mittag radeln wir bei 16-18 °C und kräftigem Gegenwind weiter nach Trogir. Der Verkehr auf der Küstenstraße ist wie gestern moderat und keinesfalls stressig. Das Meer und die kargen Berge bestimmen das Bild. Unterm Strich aber eher eine durchschnittlich schöne Strecke.

Trogir besticht mit einer vollständig erhaltenen, mittelalterlichen Altstadt mit verwinkelten, engen Gassen. Zum Schutz vor Angreifern wurde die Stadt auf einer künstlichen, 500x200 m großen Insel errichtet und von einer Stadtmauer umschlossen. Hauptattraktion ist der zentrale Platz mit Kathedrale, Rathaus und Stadtlogia. An der mit Palmen gesäumten Promenade liegen Segel- und Ausflugsboote. Es herrscht wahrlich kein Mangel an Restaurants und Souvenirläden. Wie schon in Šibenik stellen wir unsere Räder auf dem belebten zentralen Platz ab, um die Altstadt zu entdecken.

Am späten Nachmittag beginnt es wieder zu regnen. Nur gut, dass die Apartments so günstig sind. Das schlechte Wetter ist DAS Thema aller Nachrichtensendungen.

Blick auf Primošten  Löwen am Eingangsportal der St.-Laurentius-Kathedrale in Trogir  St.-Laurentius-Kathedrale in Trogir  Blick auf das Häusermeer Trogirs, vom Turm der Kathedrale