Slowenien, Kroatien und Montenegro per Rad

© Christian Hartmann, Jörg Feye,  ✉ 

Reisezeit

Schnee am Prijespa Pass

In vielen Urlaubsländern vervielfacht sich der Autoverkehr in der Hauptsaison. Das trifft auch und in besonderem Maße auf Kroatien und die Küstenstraße zu. Daher ist man als Radfahrer gut beraten in der Vor- oder Nachsaison zu reisen.

Im Frühsommer blüht die Landschaft im Wortsinne auf. Die Luft ist im Normalfall schon warm, das Meer meist noch frisch. Die Tage sind erfreulich lang.

Im Spätsommer ist das Meer noch angenehm warm, die Landschaft allerdings ausgedörrt. Auch werden die Tage wieder spürbar kürzer.

Wir haben uns 2013 für den Frühsommer entschieden und sind schon zu Pfingsten losgefahren. Hätten wir eine Glaskugel gehabt, wären wir zwei Wochen später gestartet. Denn just dieser Frühsommer war mindestens 10 °C zu kalt und viel, viel zu nass. Die Straßen waren erfreulich leer. Die Unterkünfte haben meist uns gefunden und waren erstaunlich günstig. Attraktionen wie die Plitvicer Seen und Dubrovnik waren auch so früh im Jahr schon gut besucht, aber nicht überlaufen.

Straßen und Verkehr

Küstensträßchen zwischen Podobuče und Potočne

Wir haben mehrfach gelesen, dass auf der Küstenstraße im Sommer mächtig was los ist und sie daher (zu der Zeit) für Radfahrer denkbar ungeeignet ist. Im Frühsommer war die Lage meist entspannt. Auf der Strecke nach Senji haben uns der sehr starke Fallwind Bora und Baustellen zu schaffen gemacht und südlich von Dubrovnik war recht viel Verkehr.

Auch die E65 in Montenegro sollte man als Radfahrer so gut es geht meiden.

Da Radfahren auf kleinen Nebenstraßen erfahrungsgemäß viel mehr Spaß macht, als auf Hauptstraßen, sind wir wo immer möglich auf den Inseln oder im Hinterland geradelt. Immer wieder haben wir auch unbefestigte Wege unter die Reifen genommen. Die Orientierung war dort zwar manchmal ein klein wenig schwieriger, die Wege waren aber problemlos fahrbar. Können wir daher uneingeschränkt empfehlen.

Die Rücksichtnahme war auf allen Straßen einwandfrei, wir hatten keine einzige gefährliche Situation.

Unterkünfte

Kroatien ist ein klassisches Camping Land und wir hatten vor, dies ausgiebig zu nutzen. Bei 10 °C und Dauerregen waren wir aber froh, dass es auch jede Menge schöne und preiswerte Zimmer und Apartments (kleine Ferienwohnungen) gibt. Meist wurden wir angesprochen, wenn wir auf den Stadtplan geschaut haben. Mehr als 40 € haben wir selten bezahlt. Das ist gar nicht so viel teurer als die Campingplätze, wo wir auch mit 24 € und mehr dabei waren.

Ausrüstung

Mišos Werkstatt

In allen drei Ländern haben wir ordentlich Höhenmeter gemacht. Rad und Radler sollten daher bergbautauglich sein. Die Infrastruktur für Radfahrer ist eher dünn und wird sich auf die größeren Städte beschränken. In Montenegro sind wir gleich in die Hauptstadt Podgorica gefahren, als meine Felge den Geist aufgab. Es ist also besser, man kann die “erwartbaren” Defekte mit Bordmitteln beheben.

Werkzeug: 2-8mm Inbusschlüssel, Schraubendreher, 8+10mm Maulschüssel, Kettennieter, Luftpumpe, Reifenheber, Taschenmesser, großen Mauschlüssel/Inbus für Pedale

Ersatzteile: Schläuche, Flickzeug, Öl (und Lappen), Kabelbinder, Textilband, Handwaschpaste (und/oder Einmalhandschuhe), Flickzeug für die Isomatte; Optional: einen Schalt- und Bremszug, Bremsgummis

Kleidung: Regenjacke und Regenhose, Schal, Mütze, Handschuhe, Überschuhe, Armlinge, Knielinge, Windweste, Helm

Apotheke: Pflaster, sterile Mullkompressen, Elastomull, Aspirin, Kohletabletten, Sport-, Wund- und Brandsalben, Einmalhandschuhe, Rettungsdecke

Fahrrad und Flugzeug

Verpacktes Rad

Bei der Verpackung des Rades setzen wir seit Jahren auf Isolierrohre für Heizungsrohre. Die kann man gut zurechtschneiden und mit Klebeband oder Kabelbindern befestigen. Damit lässt sich der Rahmen sehr gut ab polstern und man kann das Rad trotzdem noch fahren bzw. schieben. So ist auch die Fahrt mit Rad oder Bahn zum Flughafen kein Problem. Das kritischste Teil ist aus unserer Sicht das Schaltwerk, aber auch da machen wir nur ein halbiertes Isolierrohr drüber. Die Kette decken wir mit kleinen Plastiktüten ab, damit kein anderes Gepäck ölig wird.

Wir haben mit der Methode gute Erfahrungen gemacht (bei bisher 9 Flügen). Das Rad wird unserer Beobachtung nach als letztes auf das andere Gepäck gelegt und da es als Rad erkennbar ist, pfleglich behandelt.

Das Schöne ist, dass die Technik auch auf dem Rückflug anwendbar ist. Anstelle der Isolierrohre kann man auch billige Isomatten oder Badeteppiche nehmen, zerschneiden und um den Rahmen wickeln. Letzteres haben wir in Montenegro gemacht.