Laos und Thailand per Rad - Tagebuch einer Radreise

© Christian Hartmann, Jörg Feye,  ✉ 

Bangkok - Nong Khai, ~650 km (Nachtzug)

Im Nachtzug nach Laos

Stellwerk in Nong Khai.

Unsere Fahrradkisten sind bei der Ankunft in Bangkok etwas mitgenommen. Claas, Ying und Areeya1) nehmen uns am Flughafen in Empfang. Von der Idee mit der Hochbahn ins Zentrum zu fahren verabschieden wir uns sehr schnell. Wir nehmen zwei Taxis. Ein großes in dem Claas mit den Fahrrädern fährt und einen normalen Pkw für den Rest. Die 45 minütige Fahrt kostet rund 13 € pro Taxi und verläuft weitgehend auf mautpflichtigen Hochstraßen.

Claas sein Büro ist direkt gegenüber dem Bahnhof. Dort können wir die Räder montieren und die kleine Areeya bespaßen. Die Fahrräder geben wir am Bahnhof gleich wieder als Gepäck auf.

Abends gehen wir in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs lecker essen. Claas führt uns in die Genüsse der thailändlischen Küche ein. Ist fast nicht scharf - solange man nicht auf die Chili beißt. Mit dem Nachtzug reisen wir nach Nong Khai. In der ersten Klasse haben wir ein eigenes Abteil für uns. Mit lila Plüschsitzen und TFT's mit der Position und Haltestellen des Zuges. Innerhalb Bangkoks ist der Zug mit gemütlichen 20-30 km/h unterwegs und hält alle paar Minuten. Auf dem Land steigert sich das Tempo aber doch auf bis zu 90 km/h. Nachdem die Betten gemacht sind schlafen wir bald tief und fest.

1: Jörgs Bruder, dessen Frau und eineinhalb jährige Tochter

Nong Khai - Vientiane, 27 km, 50 Hm

Laos entspannte Hauptstadt

Pha That Luang in Vientiane.

Gut ausgeschlafen kommen wir um kurz vor 8 Uhr im kleinen und beschaulichen Bahnhof von Nong Khai an. Unsere Räder reisen im Gepäckwagen eines Dritte-Klasse-Zuges. Die zwei Stunden, die wir auf sie warten müssen, geben uns Gelegenheit dem Treiben zuzuschauen.

Zur Grenze sind es nur 2 km. Die Formalitäten bei der Aus- und Einreise laufen äußerst entspannt ab. Nach 30 Minuten sind wir in Laos. Auf der ersten Freundschaftsbrücke überqueren wir dabei den mächtigen Mekong, der hier die Grenze zwischen den Ländern bildet. Auf der laotischen Seite wird langsam gefahren, jedoch nicht streng nach deutschen Regeln. Die knatternden Mopeds und LKW-Motoren sind dreckig und äußerst lärmend. Ganz entspannt kommen wir in unserer Unterkunft im Herzen von Vientiane an. Strom gibt es gerade nicht da an den Leitungen gearbeitet wird. Wie die Techniker aus dem Kabelgewirr schlau werden ist uns ein Rätsel.

Durch den Einfluß der Franzosen bekommt man in Laos Hauptstadt Baguette. Unser erster Besuch gilt dem Vat1) Sisaket. Die Besonderheit des ältesten Tempels ist sein Wandelgang mit 10000 Buddhastatuen. Der größte Teil davon sind Miniaturen, die in kleinen Nischen stehen. Aber auch die Anzahl der großen Figuren ist beachtlich. Die große Mehrzahl ist in der gleichen Mudra2) dargestellt. Feine Unterschiede in den Gesichtszügen lassen die unterschiedlichen Epochen erkennen. Gleich gegenüber liegt das Museum Ho Phra Keo. Es beherbergt wenige Einzelstücke mit besonderer künstlerischer Bedeutung. Der Aufgang zum Sim3) ist mit Nagas4) verziert.

Zu Fuß geht es weiter zum Patuxai (Triumphbogen). Der Betonklotz mit Einflüssen aus dem französischen, indischen und laotischen beherbergt im Inneren viele Andenkenhändler. Der Blick von oben bestätigt, daß Vientiane grün, niedrig bebaut und übersichtlich ist. Für die Fahrt zum That5) Luang nehmen wir ein TukTuk, ein 3-rädriges Motorradtaxi. Das goldene Heiligtum leuchtet im letzten Abendlicht und erneut als es nach dem Sonnenuntergang angestrahlt wird. Beide Anblicke sind sehr beeindruckend.

Auf dem Nachtmarkt reihen sich die Garküchen aneinander. Das Problem ist nicht etwas zu bekommen, sondern zu wissen, was es ist - und wie scharf. Da wird Essen zum kulinarischen Abenteuer. Bei 6 € inklusive 2 großen Bier fällt es leicht experimentierfreudig sein.

1: Vat oder Wat = buddhistisches Kloster
2: Mudra = Hand- und Fingerhaltung buddhistischer Darstellungen
3: Sim = Ordinationshalle, wichtigstes Gebäude buddhistischer Klöster
4: Naga = mythische, oft vierköpfige Schlange; Schutzsymbol
5: That = buddhistisches Heiligtum; Synonyme: Stupa, Pagode, Chedi (Thailand)

Tuk Tuk am Bahnhof von Nong Khai.  Sisaket Tempel in Vientiane.  Buddhastatuen im Sisaket Tempel in Vientiane.  Buddhastatuen im Sisaket Tempel in Vientiane.  Nagas am Vat Phra Kaew in Vientiane.  Vat Phra Kaew in Vientiane. 

Vientiane - Thalat, 96 km, 535 hm

Verkehrsreicher Auftakt

Blick auf den Nam Ngum See.

Die ersten 20 km radeln wir auf einer "Nebenstraße" zur 4-spurigen Hauptstraße 10. Im Stadtverkehr stehen wir erst einmal vor jeder Ampel 1:30 Minuten. Dies wissen wir so genau, da die Rot- und Grünphasen runtergezählt werden. Die Straße führt an Werkstätten und Läden vorbei die alle geöffnet sind, obwohl Sonntag ist. Es dauert fast 10 km bis das Aufkommen an Rollern, Pick-ups und Lkw etwas nachlässt. Da die Roller nur wenig schneller sind als wir können wir trotzdem gut im Verkehr mitschwimmen.

Die Hauptstraße 10 ist gesäumt von Garküchen und Obsthändlern. Wo ein Ort anfängt und ein anderer aufhört ist nicht wirklich zu erkennen. Jenseits der Gebäude erstrecken sich Reisfelder. Auch Bananenbäume und Kokospalmen sehen wir häufig. Viele der anderen Bäume und Sträucher können wir nicht benennen. Es herrscht aber offensichtlich eine große Vielfalt. Die Anzahl der Fahrspuren ist verhandelbar. Grundsätzlich herrscht Rechtsverkehr. Rollerfahrer legen kürzere Strecken gerne mal auf der ganz rechten Seite zurück. Ein Großteil der Gebäude sind einfache, einstöckige Holzbauten. Wir sehen aber auch immer wieder relativ stattliche Betonbauten. In den Orten laufen häufig Hühner herum. Auf einigen Reisfeldern weiden Kühe und Wasserbüffel. Gelegentlich stehen Ziegen am Straßenrand. Jeder Ort scheint einen Tempel zu haben.

Bis Ban1) Keun ist überraschend viel Verkehr. Danach wird es deutlich ruhiger und die Strecke immer attraktiver. Erst folgen wir dem Fluss Nam2) Ngum, dann geht es durch ein dicht bewaldetes Tal mit vereinzelten Reisfeldern. Auf einigen Feldern sehen wir Bauern bei der Ernte - die hier noch von Hand erfolgt. Auf diesem Abschnitt machen wir auch unsere Höhenmeter. Der steilste Anstieg ist der hoch zum Stausee. Die Staumauer wirkt auf uns nicht sonderlich attraktiv. Am See liegen einige Restaurants und zwei Resorts, hinter denen sich eine dichte, dschungelartige Vegetation den Hang hinaufzieht.

Wir kommen in einem einfachen Bungalow mit Blick auf den Nam Ngum See und seinen kleinen bewaldeten Inseln unter. Um uns herum liegt ein Dorf mit Stelzenhäusern. Auf dem See fahren Ausflugsschiffe, deren Musik auch in einem halben Kilometer Entfernung noch gut zu hören ist. Auch die Außenbordmotoren der Fischerboote sind nichts für lärmempfindliche Gemüter. Wir gönnen uns einen Fisch, der mit Haut und Gräten in einer Suppe serviert wird. Eine eher gewöhnungsbedürftige Darreichungsform. An Wänden und Decken kleben 10 cm kleine Geckos. Außerdem fallen uns Schmetterlinge mit einer Flügelspannweite von ebenfalls 10 cm auf.

1: Ban = Dorf
2: Nam = Wasser

Wasserbüffel grasen im abgeernteten Reisfeld.   Fähre über den Fluss Nam Ngum.  Wasserbüffel grasen am Straßenrand.  Blick auf den Nam Ngum See.

Thalat - Tha Heua, 87 km, 830 hm

Affentheater

Reischips trocknen in der Sonne.

Für die abgelegene Lage war es in der Nacht erstaunlich laut. Immer wieder fuhren Fischer mit ihren knatternden Außenbordmotoren über den See. Wir machen einen Abstecher zum Hafen des kleinen Ortes. Dieser besteht hauptsächlich aus dem Anleger und 2 Hand voll Restaurants.

Auf einer ruhigen Nebenstraße geht es durch kleine Dörfer zwischen denen sich Reisfelder, Bananen- und Palmölplantagen erstrecken. Die Straße ist äußerst ruhig und die Vegetation sehr üppig. Der chinesische Einfluß auf die Region ist deutlich sichtbar. So wird zum Beispiel eine chinesische Fabrik gebaut. Straßenschilder sind in lao, chinesisch und englisch beschriftet.

Auf der asphaltierten Hauptstraße 13 sind neben den allgegenwärtigen Rollern und einigen Pick-ups auch schwere LKW und Reisebusse unterwegs. Für eine wichtige Hauptstraße hält sich der Verkehr aber in Grenzen und ist geringer als auf der Straße 10 gestern. Etwa ein Drittel der Straße ist geschottert. Diese Schotterstrecken sind einige zehn bis wenige hundert Meter lang. Obwohl sie gut befahrbar sind bekommen wir aufgrund des Verkehrsaufkommens dennoch eine gute Ladung Staub ab. Parallel zur Straße bauen die Chinesen eine Hochgeschwindigkeitszugstrecke. Die blauen Baustellenschilder sind nur in Chinesisch und Lao beschriftet - in dieser Reihenfolge.

Die Straße führt wellig durch eine sehr grüne Landschaft. Bananenbäume, Kokospalmen und Bambus sind nur einige wenige in der großen Vielfalt. Im Norden zeichnen sich mehr und mehr die Silhouetten der Berge ab. In der Ebene säumen häufig Dörfer die Straße. Jedes zweite Haus ist entweder ein Laden oder ein Restaurant. In den höher gelegenen Abschnitten ist der Abstand zwischen den Dörfern wesentlich größer.

An der Nordseite des Sees kommen wir durch einen Ort, in dem vor jedem Haus ein Webstuhl steht. Näher am See bestimmen dann Fischverkäufer das Bild. Wir kommen in der Nirvana Lodge unter. Die Unterkunft liegt direkt am See und besteht aus einzelnen in traditioneller Bauweise erstellten Bungalows. Die Anlage wird von einem Franzosen geführt, der sich auch für den Tierschutz einsetzt. Er beherbergt einige wilde(!) Tiere, die auf Märkten zum Verkauf angeboten wurden. Darunter einen Kragenbären, mehrere Makaken und einige Vögel. Als ich die Makaken durch den Maschendrahtzaun fotografieren will, reißen sie mir die Brille von Kopf. Bis wir die Affen mit Futter ablenken können um die Brille zurückzuerobern, ist sie schon völlig verbogen. Zum Glück kann ich sie, mit viel Geduld und Gefühl, wieder einigermaßen in Form bringen - sonst wäre es "interessant" geworden.

Brücke über den Nam Ngum in Thalat.  Wasserbüffel grasen im abgeernteten Reisfeld.  Jörg kauft Bananen bei einer Straßenhändlerin.  Reisernte ist in Laos meist noch Handarbeit. 

Tha Heua - Vang Ving, 73 km, 395 hm

Auf der Staubpiste durch die Kastberge

Kastberge bei Vang Vieng.

Die Strecke vom See nach Vang Ving auf der Hauptstraße 13 ist sehr verkehrsreich und nicht sonderlich attraktiv. Auch die Nebenstraße Richtung Westen in die Karstberge ist erst einmal nicht ruhig. Hier wird an der Eisenbahnstrecke gebaut, sodass auf der staubigen Strecke viele LKW unterwegs sind.

Als nach etwa 8 km keine Baustellenfahrzeuge mehr unterwegs sind wird die Landschaft mit jedem Kilometer schöner. Zerklüftete, schwarze und nahezu senkrechte Berge ragen aus der mit Reisfeldern bedeckten Ebene heraus. Viele dieser Berge sind mit dichter Vegetation bedeckt. Auf den Reisfeldern können wir alle Stadien der Ernte beobachten. Vom reifen Reis über die Ernte von Hand, das maschinelle Dreschen, den Abtransport der Ernte bis hin zu abgeernteten Feldern auf denen Wasserbüffel die letzten Halme fressen.

Die Bauern nutzen kleine Hand-Traktoren. Über der schmalen Vorderachse sitzt ein kleiner Motor. Die Lenkstangen reichen gut 1,5 m nach hinten. Der Fahrer sitzt auf dem Anhänger. Die langen Lenker sind nötig, da beispielsweise beim Pflügen der Bauer hinter dem Gespann herläuft. Hühner (ziemlich mager), Kühe und Hunde laufen und liegen auf der Straße. Die Hühner (häufig mit Jungen) ergreifen meistens die Flucht. Die Kühe lassen sich von uns nicht stören und bleiben einfach stehen. Ebenso wie die meisten Hunde - auch wenn sie mitten auf der Straße liegen.

Die Anzahl Touristen (meist Asiaten), die in Buggys, Rollern und selten auch auf Fahrrädern unterwegs sind, ist überschaubar. Soll heißen, etwa alle 5 Minuten begegnen wir einer Gruppe. Trotz der Beliebtheit des Reisezieles entsteht nicht der Eindruck, es sei überlaufen. Die kleinen Dörfer am Wegesrand haben sich durch den Tourismus nur wenig verändert. Ein paar mehr Restaurants als vielleicht üblich. Ansonsten die normalen, eingeschossigen Holzhäuser. Als die Kinder von der Schule heimfahren kommt uns eine Ameisenstraße an jungen Fahrradfahrern entgegen. Ein tolles Bild vor der Kulisse der grünen Karstberge. Mit Sicherheit die bisher landschaftlich schönste Strecke dieser Tour, für die wir gerne auch "etwas" Staub fressen.

Wenige Kilometer vor Vang Ving besteht die Möglichkeit auch für Normalos auf einen der Berge zu steigen. Der außerordentlich steile Weg ist mit Seilen gesichert. Hier und da sind Stufen in den Fels gehauen. So überwinden wir auf 650 m Strecke 250 Höhenmeter. Oben stellen wir fest, daß einige benachbarte Felsen geschätzt doppelt so hoch sind. Trotz Gegenlicht am späten Nachmittag ist der Blick toll. Aber bis zum Sonnenuntergang, wo die Aussicht am schönsten sein soll, wollen wir nicht bleiben. Der Abstieg ist schon bei Tageslicht nicht ohne.

Vang Ving wird seinem Ruf als Backpacker-Hotspot vollumfänglich gerecht. Der Ort scheint nur aus Unterkünften, Restaurants, Bars, Läden und Tourenveranstaltern zu bestehen. Am Ortseingang sind bestimmt 300 Buggys geparkt. In den Straßen begegnen wir jungen Menschen mit LKW-Schläuchen, die offensichtlich vom Tubing kommen. Zum Glück ist noch nicht Hochsaison.

Kastberge bei Vang Vieng.  Kastberge bei Vang Vieng.  Kastberge bei Vang Vieng.  Kastberge bei Vang Vieng.  Kastberge bei Vang Vieng. 

Vang Ving - Nam Ken, 80 km, 990 hm

Warmduscher

Morgens sind noch keine Touristen auf der Straße. Dafür bilden Händler mit allerlei frischen Lebensmitteln ein Spalier auf der Straße. Von frischem Gemüse, Fleisch und Fisch bis zu Exoten wie Fledermäusen ist so ziemlich alles dabei.

Die ersten Kilometer sind noch recht verkehrsreich. Neben der Hauptstraße 13 sind auch hier die chinesischen Arbeiter mit dem Bau der Zugstrecke beschäftigt. Als wir den "Speckgürtel" von Vang Vieng und die Baustellen der Eisenbahnstrecke hinter uns gelassen haben ist der Verkehr wie ausgeknipst. Es ist vielleicht noch ein Drittel auf der Straße los wie zuvor.

Ein erster Anstieg führt uns durch die Karstberge hindurch. Da es schon morgens gut 30 °C warm ist und die Luftfeuchtigkeit bei gut 80% liegt kommen wir schnell ins Schwitzen. Neben Reis werden Bananen, Mandarinen, Erdnüsse und Chilis angebaut. Alle Erzeugnisse werden dann auch direkt an der Straße zum trocknen ausgelegt und an kleinen Ständen verkauft. In den Dörfern sehen wir kleine einräumige Häuser aus Holz und Rattan. Das Dach entweder mit Wellblech oder Reisstroh bedeckt. Die Häuser haben zur Straßenseite eine Veranda auf der sich in der Regel auch jemand aufhält. Insgesamt herrscht auf den Straßen immer ein reges Treiben. Die Kinder winken uns zu.

Viele der Rollerfahrer haben noch eine Hand frei um den Sonnenschirm oder das Handy zu halten. Eine allgemeine Helmpflicht scheint es nicht zu geben und die Polizei geht nicht mit gutem Beispiel voran. Auf einem Roller findet eine 4-köpfige Familie Platz. Ein Kind stehen meist vor dem Fahrer. Der zweite Spross findet zwischen Fahrer und Sozius Platz.

Kasi liegt in einer Ebene. Von dort geht es erneut in die Berge. Die senkrechten Karstberge sind bizarr gezackt. Trotz der enormen Steilheit sind sie fast vollständig begrünt. Selbst in leicht überhängenden Felsen behaupten sich Bäume. Eine unglaublich schöne und grüne Landschaft.

Den Tag beenden wir am Hot Spring Resort. Hinter dem teuer klingenden Namen verbergen sich fünf einfache Hütten und ein kleines Restaurant auf einer Bergkuppe. Der Clou ist ein Bach mit 32 °C warmen Wasser, das in Kaskaden von den steilen Bergen in Becken strömt. Notgedrungen nehmen wir ein Bad und um niemanden zu enttäuschen bleiben wir auch gleich eine Stunde drin. Man könnte auch einfach sagen - es ist saugeil. Und das zu einem Preis von 8 €. Die Aussicht auf die Berge und die Massage im Wasserfall sind eigentlich unbezahlbar.

Reisfelder und Karstberge.  Straßenhändler vor Karstbergen.  Chili liegen zum Trocknen in der Sonne.     

Nam Ken - Kiu Kacham, 77 km, 1990 hm

"Sabadieh!"

Straßenmarkt in Phoukhoun.

Von einer Unterkunft an einem abgelegenen Ort würde man nachts nicht so viel Lärm erwarten. Subjektiv waren in der Nacht auf der Straße mehr LKW unterwegs als tagsüber. Wohl aufgrund eines Kommunikationsproblems1) radeln wir ohne Frühstück los. Nicht ganz die ideale Voraussetzung um gleich zu Beginn des Tages einen steilen Berg hochzukrabbeln. Unterwegs bekommen wir zum Glück ein paar Bananen. Die sind hier vielleicht halb so groß wie in Deutschland, aber dafür deutlich aromatischer. Die Mindestabnahmemenge liegt bei 1 kg.

Die Berge haben weiche, runde Konturen und wirken daher wesentlich unspektakulärer als die rund um Vang Ving. Sie sind mit einem Flickenteppich aus subtropischem Wald und Gras bewachsen. Gelbe Blüten fügen dem Dunkel- und Hellgrün eine weitere Farbnuance hinzu. Dort wo das Erdreich durchscheint kommt ein helles Rotbraun zum Vorschein. In den Dörfern liegen vor fast jedem Haus große Mengen leuchtend roter Chili zum Trocknen in der Sonne. Die einfachen Holzhäuser stehen direkt an der Straße. Sie sind hier nicht aufgeständert, sondern ebenerdig und ohne Veranda. Um halb zwölf pilgern die Schulkinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad heim. Sie begrüßen uns mit einem fröhlichen "Sabadieh" was so viel heißt wie "Hallo". Viele winken uns zu. Einige laufen auch neben uns her und wollen abgeklatscht werden. Die Hunde liegen faul in der Sonne. Die Hühner laufen rum wie ... aufgeschreckte Hühner. Auch die kleinen Schweine mit dunkler Haut ergreifen bevorzugt die Flucht. Kühe gibt es hier oben weniger als in der Ebene. Die Straße ist meist recht gut asphaltiert. Schlaglöcher, geschotterte Abschnitte, Tiere und Kinder auf der Straße erfordern allerdings ständige Aufmerksamkeit.

Die LKW müssen immer wieder ihre Bremsen kühlen. Einige halten dafür an und spritzen mit PET-Flaschen Wasser auf die Bremsscheiben. Andere führen einen Wassertank mit, der kontinuierlich Wasser auf die Bremsscheiben sprüht. Diese Laster hinterlassen auf der Straße zwei kleine Wasserspuren. Bergauf sind die meisten LKW kaum schneller als wir. Nach 15 km erreichen wir ein Restaurant mit toller Aussicht auf die Berge. Das Curry ist sehr lecker und hält, anders als Nudelsuppen, auch vor.

10 km weiter liegt Phoukhoun, der größte Ort dieser Gegend. Es gibt einen großen Straßenmarkt, auf dem Obst, Gemüse, Fleisch und Gebäck angeboten werden. Rund um einen Kreisverkehr reihen sich weitere Läden, Restaurants und einige Gästehäuser aneinander. Einige Kilometer später folgt die erste Abfahrt des Tages. Die Landschaft ändert sich nur marginal.

Vor dem nächsten Anstieg stecken wir eine Viertelstunde im Stau fest. Neben der Straße wird ein Hang abgetragen, weshalb man die Fahrbahn komplett gesperrt hat. Im Anstieg ist die Fahrbahn relativ schlecht. Viele sandige Passagen, sodass wir wieder eine ordentliche Portion Staub abbekommen. Der LKW-Verkehr ist recht ungleich über den Tag verteilt. Auf Phasen, in denen die Straße mehrere Minuten vollkommen ruhig ist folgen Phasen mit vielen LKW.

Kioukacham liegt auf fast 1400 m Höhe. Entlang der Straße reihen sich Läden, einige Restaurants und drei Gästehäuser. Läden und Restaurants sind nach vorne hin immer komplett offen. Unsere Unterkunft hat Zimmer weit weg von der Straße mit Blick auf die Berge. Draußen ist ein Konzert der Grillen im Gange. Das angeschlossene Restaurant scheint sich großer Beliebtheit zu erfreuen. Neben uns speist dort eine Gruppe chinesischer Bauarbeiter, die Stammgäste zu sein scheinen. Dazu gesellen sich 2 jeweils 8-10-köpfige chinesische Reisegruppen. Die drei Frauen, die den Laden schmeißen haben alle Hände voll zu tun. Es scheinen Großmutter, Mutter und Tochter zu sein.

1: Die Lao und Thai sind sehr freundlich und sagen ungern "Nein" oder "ich habe nicht verstanden". Stattdessen sie "Ja" und es passiert anschließend nix. Oder man wird im Restaurant hartnäckig ignoriert, aus Angst mit den Fremden Englisch sprechen zu müssen. Solche Situationen nimmt man am besten gelassen.

Berge bei Kiu Kacham am Morgen.  Chili liegen vor einer Tankstelle zum Trocknen in der Sonne.  Chili liegen zum Trocknen in der Sonne.  Rollerfahrer mit laotischen Packtaschen vor Karstbergen.  Chili liegen zum Trocknen in der Sonne.