Rumaenien per Rad - Tagebuch einer Radreise

© Christian Hartmann, Jörg Feye,  ✉ 

Bistricioara - Brosteni, 41,0 km, 290 hm

Flussfahrt entlang der Bistritz.

Heute regnet es wieder. Das Thermometer zeigt um die 15°C an, bisweilen auch darunter. Sehr ergiebig ist der Regen nicht, wegen der vielen und teilweise großen Pfützen ist es aber schon sehr nass. Wir müssen unbedingt Wäsche waschen und entscheiden daher heute nur bis Brosteni zu fahren. Jörg hat Schmerzen im linken Knie, die Kälte der letzten Tage ist ihm wohl nicht bekommen.

Hängebrücke über die Bistritz in Brosteni

Die Straße folgt dem Verlauf des Flusses Bistrita stromaufwärts und gewinnt dabei kaum merklich an Höhe. Das Tal ist gerade breit genug für die Dörfer und ein paar Felder. Die Berge zu beiden Seiten steigen recht steil an. Auf ihnen zeigt sich ein Muster aus Wiesen die durch Hecken getrennt sind, dazwischen immer wieder Wälder, mal kleine, mal ausgedehntere. Auf einigen Wiesen können wir Schafe als kleine weiße Punkte ausmachen. Die Straße ist die meiste Zeit ganz gut befahrbar, der Belag wechselt aber alle paar Kilometer und einige Abschnitte sind schon recht holprig. Slalom fahren wir wegen der Pfützen, die sich vor allem am Straßenrand ausdehnen. Bei dem geringen Verkehr ist das kein Problem. Kühe und Pferde "mähen" das Gras am Straßenrand. Die Straße wechselt mehrfach von einer auf die andere Seite des Flusses, der ordentlich Wasser führt. An mehreren Stellen überspannen schmale Hängebrücken die Bistrita. Diese aus Stahlseilen und Holzbrettern bestehenden Konstruktionen sind augenscheinlich nur für Fußgänger geeignet.

Mittags erreichen wir den 2.000-Seelen Ort Brosteni. An der Straße liegen die üblichen kleinen Geschäfte, ein Café und drei Pensionen. Wir werden auf eine Pension in einer Nebenstraße aufmerksam gemacht. Die Besitzerin spricht zwar nur wenig Englisch, ist aber sehr nett. Im Wohnzimmer steht ein Computer mit Internetanschluss, den wir benutzen dürfen.

Wir haben viel Gutes über die rumänische Küche gelesen und wollen uns heute Abend bekochen lassen. Die gute Frau stellt sich auch gleich in die Küche und beginnt mit den Vorbereitungen. Wir sind wirklich sehr gespannt. Unsere dreckige Wäsche dürfen wir in der Waschmaschine waschen. So wird sie sauber und kommt fast trocken auf die Leine - genauer gesagt Fensterstangen, Heizung und alles andere worüber wir Kleidung hängen können.

Eine kurze Regenpause nutzen wir zu einem kurzen Spaziergang durch den Ort. Wie schon am Lacul Rosu beginnt es schon bald wieder zu regnen. Wir stellen uns auf der Veranda vor dem Café unter. Und wir sind nicht allein. Ein halbes Dutzend Männer und Frauen haben hier Schutz vor dem Regen gesucht. Als ein VW-Bus ankommt winkt eine der Frauen, der Bulli hält an und die Wartenden steigen ein. Offensichtlich ein Sammeltaxi, auch wenn wir kein Schild oder der Gleichen erkennen können.

Zum Abendessen gibt es eine süß-saure cremige Suppe und Kartoffelpüree mit Fleischbällchen. Vor dem Essen wird natürlich selbst gebrannter Pflaumenschnaps (tuica de prune) gereicht. Das Essen ist sehr lecker. Nebenbei lernen wir ein paar Worte Rumänisch. Unsere Gastgeberin nutzt den Google Übersetzter um mit uns zu kommunizieren. Das beeindruckt uns schon sehr, zumal sie schon einen Enkel hat, also nicht zur typischen Internetgeneration gehört.

Brosteni - Kloster Humor, 70,1 km, 702 hm

Lichtblicke bei den Moldauklöstern.

Heute hat das Wetter ein Einsehen mit uns, zumindest am Nachmittag. Morgens ist es noch bedeckt und es tröpfelt hin und wieder ein bisschen. Die Temperaturen liegen bei rund 13°C. Da wir den 1165m hohen Pasul Tarnita hinauf fahren und kein Wind geht, bleiben die Regenjacken in den Taschen. Die Strecke führt durch dichten Nadelwald und ist sehr ruhig. Im oberen Drittel erreichen wir die Wolken und die Sicht sinkt auf wenige hundert Meter. Am Pass treffen wir einen Schäfer, der seine Schafe über die Straße führt. Bergab sind wir nicht arg viel schneller als bergauf. Der Grund dafür ist die holprige Straße aus Betonplatten. Da werden wir schon gründlich durchgeschüttelt. 6 Kilometer vor Ostra liegt die Ruine der Mine "Lesu Ursului".

Schäfer am Pasul Tarnita

Die Sonne kommt langsam raus! Das Tal wird breiter und in der Ebene breiten sich Wiesen und einige Kilometer weiter auch Orte aus. Wie so oft sind es Straßendörfer, die sich über Kilometer hinziehen und ohne große Unterbrechung ineinander übergehen. Das breite, steinige Flussbett der Suha überspannen einige Fußgängerbrücken. An den Hängen hinter den Orten prägen mit Hecken begrenzte Wiesen das Bild. Am Straßenrand stehen tierische "Rasenmäher". Fahrräder und Pferdefuhrwerke prägen das Straßenbild. Die Straße 17 ist, was den Verkehr angeht, eine andere Baustelle. Hier ist schon einiges los, auch schwere LKW. Trotzdem fühlen wir uns nicht unwohl. Außerdem gibt es hin und wieder einen schmalen Seitenstreifen auf den wir ausweichen können.

Die Sonne zeigt sich jetzt immer deutlicher und am Himmel ist wieder ein helles Blau zu erkennen. Welch ein Glück, steht mit dem Kloster Voronet doch ein kulturhistorisches Juwel und UNESCO-Weltkulturerbe auf dem Programm. Es gehört zu den bemalten Moldauklöstern, die im 15. und 16. Jahrhundert im Nordosten Rumäniens erbaut wurden. Die Klöster wurden von den Fürsten der Moldau gestiftet, nachdem diese eine Schlacht gegen die Türken, Kosaken oder Tataren gewonnen hatten. Zum Schutz vor Angreifern wurden um die Klöster Wehrmauern errichtet. Da die Klosterkirchen klein sind, muss das gemeine Volk die Messe draußen feiern. Daher wurden die Außenwände mit biblischen Szenen und Heiligenbildern bemalt.

Kloster Voronet

Die Fresken der Klosterkirche von Voronet sind so exzellent erhalten, dass sie auch "Sixtinische Kapelle des Ostens" genannt wird. An der Westwand befindet sich das berühmteste und schönste Bild, die Darstellung des Jüngsten Gerichts (Details dazu im Webalbum). Die Malereien an der Südseite stellen den Stammbaum Jesses dar. Auf der östlichen Seite befindet sich die "Heiligen Hierarchien". In anbetender Haltung streben Engel, Propheten, Apostel, Bischöfe, Kirchenväter und Märtyrer auf Maria mit dem Jesuskind zu. Die Farben haben bis heute kaum etwas von ihrer Strahlkraft eingebüßt. Das berühmte Voronet Blau verdankt seine Lebendigkeit der Beimischung von Lapislazuli-Staub.

Der Zeitpunkt ist perfekt, Mittags bescheint die Sonne die besonders gut erhaltenen Süd- und Westmauern. Es sind erstaunlich wenig Besucher im Kloster, vielleicht 20 Personen. Mit Hilfe der Beschreibungen aus Reiseführer und Internet können wir die Bilder einigermaßen deuten. Aber man muss gewiss kein Experte sein um zu erkennen wie einmalig und schön dieses Kloster ist. Auch das Innere der Kirche ist nahezu vollständig mit Fresken bedeckt. Ein heftiges Gewitter sogt dafür, dass wir das Innere der Kirche ausführlich würdigen. Die Nonnen halten sich im Hintergrund, achten aber darauf, dass in der Kirche keine Fotos gemacht werden.

In Gura Humorului werden wir noch mal "geduscht". Als wir am späten Nachmittag am Kloster Humor ankommen, hat die Sonne aber wieder die Oberhand gewonnen. Im direkten Vergleich mit Voronet beeindruckt uns die Bemalung in Humor etwas weniger. Die Südseite ist mit dem Marien-Hymnos (Akathistos) bemalt. In 24 Bildstrophen wird darin die Jungfrau Maria verehrt. Die Westseite zeigt das jüngste Gericht. Die Klosterkirche ist von einer schönen Grünanlage mit Rosenbeeten umgeben.

Wir sind wirklich überrascht wie wenig los ist. Wenn wir auf unserer Tour irgendwo mit größeren Touristenströmen gerechnet hätten, dann hier. Wir profitieren davon, quartieren uns in der Pension direkt gegenüber des Klosters ein. Ein wenig nachdenklich stimmt es uns aber schon. Im Hof der Pension steht ein Pavillon, ein klasse Ort fürs Abendbrot mit Blick aufs Kloster. Dort wird jetzt die Abendmesse gelesen, die über Lautsprecher nach draußen übertragen wird. Eine rumänische Familie gesellt sich zu uns. Wir werden auf einen Becher Pflaumenschnaps eingeladen. Jörgs Knie bereitet uns weiter Sorgen, es schmerzt noch immer.

Schafe am Pasul Tarnita  Schafe am Pasul Tarnita  Ruine der Mine “Lesu Ursului”  Zwischen Pasul Tarnita und Ostra  Kloster Voronet  Kloster Voronet, das Jüngste Gericht  Kloster Voronet, der Thron Christi  Kloster Voronet, Gerichtswaage  Kloster Voronet, glutroter Höllenschlund  Kloster Humor 

Kloster Humor - Kloster Sucevita, 65,7 km, 610 hm

Dickes Knie und schöne Klöster.

Des Morgens leert sich der Himmel mal richtig aus. Wir warten, bis sich die Atmosphäre wieder einigermaßen beruhigt hat. Unsere erste Station ist eine Apotheke in Gura Humorului. Dort kaufen wir Wärmepflaster für Jörgs Knie. Das die Kirchenuhren oftmals eine völlig falsche Zeit anzeigen wissen wir schon seit Tagen. Aber auch die Uhr an der Apotheke geht 2 Stunden nach. Wir werden keiner öffentlichen Uhr mehr trauen;-)

Kloster Arbore Kloster Arbore

Die Straße 17 ist auch heute stark frequentiert. Die Straße 2E nach Varfu Dealului ist wieder ruhig und gut zu fahren. Die Strecke ist recht wellig, die Landschaft landwirtschaftlich geprägt. In Partestii de Sus treffen wir zwei Radfahrer aus Holland, die Ersten auf unserer Tour. Wir tauschen unsere Erfahrungen aus. Die zwei sind durch das Maramures nach Osten gefahren und hatten bisher kein schlechtes Wetter. Grummel:-( Den Rest des Tages bleibt es trocken, hin und wieder zeigt sich sogar die Sonne.

Das Kloster Arbore wird eher selten besucht. Das UNESCO-Weltkulturerbe liegt am östlichen Ortsrand, direkt an der Straße. Als wir unsere Räder vor dem Kloster abstellen wollen, öffnet ein Mann das Tor und bittet uns mit unseren Rädern herein. Eintritt will er keinen von uns. Wir sind nicht ganz alleine, eine kleine Gruppe bestaunt bereits die kleine turmlose Klosterkirche. Das Gras ist noch nass aber die Sonne bescheint die Südseite. Dort sind neben der Westseite noch die meisten Fresken erhalten. Sie stellen vorwiegend Szenen dar, die aus der Genesis und aus dem Leben der Heiligen entnommen wurden.

Bevor es weiter geht stärken wir uns. Wir wählen dafür die Treppe eines nicht mehr genutzten Magazin Mixed. Die Leute schauen neugierig. Überhaupt sitzen heute viele, überwiegend ältere Menschen, auf den Bänken vor ihren Häusern und beobachten das Geschehen auf der Straße. Die Straße nach Clit ist nicht asphaltiert und leicht aufgeweicht.

Das Kloster Sucevita ist das größte der bemalten Moldauklöster. Seine wehrhaften Mauern lassen das UNESCO-Weltkulturerbe von außen wie eine Festung erscheinen. Vor dem Kloster auf einem Parkplatz haben Souvenirverkäufer ihre Hütten aufgebaut. Unsere Räder stellen wir in Sichtweite der Nonne ab, die an einem kleinen Tischchen den Eintritt kassiert. Auf der großen Klosterkirche sind die Fresken auf allen Außenwänden vollständig erhalten. Besonders interessant ist die Nordfassade, deren Fresken bei allen anderen Klöstern fast vollständig verschwunden sind. Dort ist unter anderem die "Stufenleiter der Tugenden" abgebildet. Eine Leiter zum Himmelstor, über der Engel schweben. Doch darunter lauern die Teufel und versuchen die auf der Leiter hinaufsteigenden Menschen hinunter in die Höllenschlucht zu ziehen. Da auch diesmal passend zu unserer Ankunft am Kloster die Sonne rauskommt, scherzen wir, dass der Liebe Gott Energie sparen muss und das "Licht" nur einschaltet wenn wir die Klöster besichtigen;-)

Als wir die Fresken in der Kirche bewundern, erleben wir im Naos (dem Hauptraum der orthodoxen Kirche) die Vorbereitung für eine Hochzeit - und sind so gefesselt, dass wir uns nicht rechtzeitig verkrümeln. Mit einem Mal strömt die Hochzeitsgesellschaft in den kleinen Raum. Wir haben Mühe noch raus zu kommen.

Wir kommen in einer kleinen Pension wenige hundert Meter unterhalb des Klosters unter. Abends machen sich der Sohn und die Tochter schick für Feiern bei Freunden. Es geht turbulent zu. Unglaublich wie sehr die Menschen in den kleinen Pensionen ihre Wohnung und damit auch ihr Leben mit ihren Gästen teilen. Eine tolle Erfahrung! Gar nicht toll ist, dass Jörgs Knie jetzt auch noch dick geworden ist. Morgen müssen wir auf jeden Fall pausieren.

Kloster Arbore  Kloster Arbore  Traditionelles Haus mit Holztor in Arbore  Straße von Arbore nach Clit 

Kloster Sucevita

Schöner Ort für eine Zwangspause.

Heute legen wir einen Ruhetag ein. Jörgs Knie ist über Nacht wieder abgeschwollen, sodass wir die Hoffnung haben, dass ein Tag Ruhe reichen könnte. Unsere Idee den Tag zum waschen unserer Wäsche zu nutzen scheitert an der Religiosität unserer Vermieterin. Sonntags wird nicht gearbeitet.

Das Wetter scheint sich zu bessern. Heute regnend es nur dreimal kurz, dafür schaut die Sonne öfters mal aus den Wolken raus.

Nachmittags besuchen wir noch mal das Kloster. Zwei deutschsprachige Gruppen mit Führer eröffnen uns die Möglichkeit mehr über die Bilder zu erfahren. Der Baum Jesse stellt den Stammbaum Christi in Gestalt eines wirklichen Baumes dar. Dessen Ursprung ist Jesse, der Vater König Davids von Israel, der liegend gezeigt wird. Die Zweige zeigen König David und weitere Könige von Israel. Auch wichtige Stationen aus dem Leben Christi, wie Geburt und Kreuzigung und wichtige Ereignisse aus dem alten und neuen Testament sind abgebildet. Der Naos ist mit Szenen aus dem Leben Christi bemalt. Darunter Jesus und seine Jünger im Weinstock. Daneben finden sich im Naos die Darstellungen des Kirchenstifters Gheorghe Movila.

Kloster Sucevita  Kloster Sucevita  Kloster Sucevita 
Kloster Sucevita, Stufenleiter der Tugenden  Kloster Sucevita, der Baum Jesses  Kloster Sucevita, der Baum Jesses  Kloster Sucevita, Kirchenstifter Gheorghe Movila 

Kloster Sucevita - Kloster Moldovita, 35,4 km, 600 hm

Tolle Landschaft! Tolles Kloster! Tolles Wetter?

Glück gehabt! Jörgs Knie ist wieder soweit in Ordnung, dass wir vorsichtig weiterfahren können. Um es nicht gleich wieder zu reizen, fahren wir nur eine kurze Strecke. Das es heute über den 1100m hohen Ciumarna Pass geht, ist in dieser Situation nicht gerade ideal. Wir machen ganz piano.

Kloster Moldovita

Die Strecke ist ruhig und führt durch dichten Mischwald. Fichten, Buchen, Ahorn und Kiefern sind, in der genannten Reihenfolge, die häufigsten Bäume. Das Wetter entspricht noch immer nicht so ganz unseren Vorstellungen. Von 17°C im Tal kühlt es auf 12°C auf dem Pass ab. Auch wenn wir es nehmen müssen wie es ist, kekst uns die Kälte allmählich an. Zumindest regnet es nicht mehr. Die Sonne spielt aber noch immer eine Nebenrolle am meist grau verhangenen Himmel. Ein Kranwagen quält sich kaum schneller als wir den Berg hinauf.

Am Pass steht ein sozialistisches Denkmal in Form einer ausgestreckten Hand. Es soll den Handschlag der beiden Bautrupps symbolisieren, die 1960 die Straße von zwei Seiten bauten und sich am Pass getroffen haben sollen. Einige Kinder verkaufen bemalte Eier. Im Südwesten überblicken wir eine hügelige mit Wiesen durchsetzte Waldlandschaft. Auf der Abfahrt stehen einige Kühe auf der Straße mitten im Wald. Wenig später liegt auf einer Lichtung ein kleiner Waldbauernhof. Auf der Wiese davor hängt das Heu über Holzgestellen.

Gegen Mittag erreichen wir das Kloster Moldovita. Ein Café, in dem wir uns aufwärmen könnten, gibt es im gleichnamigen Ort leider nicht. Im Magazin Mixed bekommen wir Wurst und Brot. Die Bänke vor den Klostermauern bieten sich für die Mittagspause an. Aus unserer Sicht ist das Kloster Moldovita eines der schönsten Moldauklöster. Die Fresken auf der Südseite sind hervorragend erhalten. Sie zeigen den Marien-Hymnus, die Belagerung Konstantinopels und den Baum Jesses. Auf der Abside ist die Himmlische Ordnung abgebildet, im Vorraum das Jüngste Gericht. Im Naos sind Szenen aus dem Leben Christi und die Stiftung der Kirche durch Petru Rares dargestellt. Das Kloster ist von einer 6m hohen Befestigungsmauer umgeben, in die das Klostermuseum und einige Räume der Nonen integriert sind. Die Wege werden von blühenden Rosen gesäumt, die einen intensiven Duft verströmen. Die Luft ist erfüllt vom Summen der Bienen.

Uns fällt ein älterer Radfahrer aus Japan auf, der mit Kuli Teile der Klosterkirche zeichnet. Vieles deutet darauf hin, dass er schon länger unterwegs ist und mit einem bescheidenen Budget zurechtkommen muss. Später fragt er uns nach dem Weg und wir merken, dass er keine Karte dabei hat.

Ciumarna Pass  Kloster Moldovita, der Baum Jesses  Kloster Moldovita  Kloster Moldovita, Nonnen holt Wasser am Brunnen 

Kloster Moldovita - Carlibaba, 75,6 km, 970 hm

Von Milchwagen mit einem PS, schlauen Kühen und netten Waldarbeitern.

Milchwagen mit einem PS Morgens macht das Wetter richtig Hoffnung. Die Sonne scheint und man kann es in kurzer Hose und T-Shirt draußen aushalten - ohne schwere Erfrierungen zu riskieren. Die ersten Kilometer sind vielversprechend. Ein Pferdekarren mit Milchkannen, fährt von Haus zu Haus. Die meist betagten Frauen sitzen auf den Bänken vor ihren Häusern, neben sich einige Eimer mit Milch. Konzentriert füllt der Milchmann die Milch in die Kannen auf seinem Wagen. Neben den Häusern erstrecken sich große Gärten in denen Kartoffeln, Bohnen, Möhren und vieles mehr gedeiht. Aus einem Hof kommen zwei Kühe - sie brauchen keinen Menschen der ihnen sagt wo es lang geht, offensichtlich wissen sie selber wo es gutes Gras gibt. Für einen Moment fühlen wir uns mal wieder in der Zeit zurückversetzt.

Der Weg hinauf zum 1040m hohen Curmatura Pass führt durch dichten Wald. Es tröpfelt ein wenig. Wir treffen auf zwei Waldarbeiter. Sie warten bis wir vorbei gefahren sind und fällen dann eine Fichte. Der Baum stürzt quer über die Straße, wird mit einem Pferd auf die Seite gezogen und anschließend mit der Axt entastet. Wir machen aus einiger Entfernung einige Fotos. Einer der Männer kommt zu uns. Er möchte die Fotos sehen und lacht als wir sie ihm zeigen. Die Freundlichkeit der Menschen zu erleben macht immer wieder Spaß.

Auf der Abfahrt zeigt sich die Sonne hin und wieder. Es bieten sich zwei, drei schöne Perspektiven in die Täler, die wir für Fotostopps nutzen. Im oberen Drittel stehen auf drei Parkplätzen Imker mit ihren Bienenstöcken in kleinen Bauwagen. Im Tal weicht der Wald üppigen Wiesen. Auf vielen Wiesen stehen kleine Hütten. Die Straße ist gut befahrbar und ruhig. Die paar Holz-LKW und Autos stören nicht.

In der Abfahrt vom Curmatura Pass

Ab Sadova müssen wir die stärker befahrene Straße 17 nehmen. Bis Pojorata ist tatsächlich recht viel Verkehr. Nach dem Abzweigt Richtung Fundu Moldovei wird es zu unserer Überraschung wieder ruhiger. Meist können wir auf dem rund 70cm breiten Seitenstreifen fahren. Das Tal ist recht schön. Die Straße folgt dem Fluss Putna stromaufwärts. Zu beiden Seiten ragen bewaldete bis zu 1600m hohe Berge auf. Neben der Hauptstraße führt auch eine Eisenbahnlinie durchs Tal. Bis Valea Putnei gewinnt die Straße kaum an Höhe. Im Ort wird es merklich steiler, die letzten Kilometer geht es mit 7% den 1096m hohen Mestecanis Pass hinauf. Für die bergauf Fahrenden stehen hier 2 Fahrstreifen zur Verfügung. Die LKW quälen sich mit vielleicht 30 oder 40 km/h den Pass hoch. Besonders schön ist dieser rund 5 Kilometer lange Abschnitt nicht, aber auch nicht stressig, wie wir es für möglich gehalten haben.

Nach 6 Kilometer Abfahrt biegen wir ab auf die ruhige Straße 18. Die ist ausgiebig mit Unebenheiten und Schlaglöchern gesegnet. Das hatten wir schon lange nicht mehr. Im Tal des Flusses Bistrita Aurie (die Goldene Bistritz, nach dem Zusammenfuß mit der Dorna wird sie Bistritz genannt) gibt es einige Wiesen auf denen Heu steht. Zu beiden Seiten bestimmen bis zu 1700m hohe bewaldete Berge das Bild.

In Ciocanesti machen wir Mittag. Es gibt eine kleine Patisserie. Wir gönnen uns ein paar süße Stückchen. Der Magazin Mixed gleich gegenüber ist ganz gut sortiert - und schließt direkt an das Wohnzimmer des Hauses an. Vieles kann man auch einzeln kaufen - eine Zigarette, ein Bonbon, eine Windel zum Beispiel. Wir lassen uns auf der Bank vor der Patisserie von der Sonne bescheinen - schauen dem Treiben auf der Straße zu.

Wir sitzen noch keine 5 Minuten im Sattel als ein kurzer aber heftiger Schauer auf uns runter geht. Vor einer kleinen Holzhütte finden wir Schutz vor dem Regen. In Botos fallen uns einige ehemals wohl prächtige Holzgebäude auf, die dem Verfall preisgegeben wurden. Auch in Carlibaba haben wir den Eindruck, dass es dem Ort schon mal besser ging. Es gibt einen Geldautomaten, eine Polizeistation und einen kleinen Supermarkt. Eine Pension suchen wir aber vergebens. Ein Hotel 2 Kilometer westlich des Ortes scheint die einzige Unterkunft in der Gegend zu sein. Dort bekommen wir das letzte Zimmer. Als des Abends zwei Busse mit Kindern eintreffen wissen wir warum.

Schlaue Kühe in Paltinu  Waldarbeiter auf dem Weg zum Curmatura Pass  In der Abfahrt vom Curmatura Pass  Bienen im Bauwagen  Bunte Blumenwiesen bei Sadova  Bunte Blumenwiesen bei Sadova  Pâtisserie in Ciocanesti  Im Tal des Flusses Bistrita Aurie 

Carlibaba - Viseu de Sus, 77,3 km, 500 hm

Jetzt wirds richtig einsam.

Der rumänischen Wettergott scheint uns nicht zu mögen. Heute hat er uns wieder graue Wolken und kühle Temperaturen geschickt. Morgens ist es 12°C kalt.

Vormittags führt unser Weg durch eine sehr einsame Landschaft. Im schmalen Tal ist neben dem Fluss nur Platz für wenige Wiesen. Zu beiden Seiten bedecken dichte Wälder die steilen Berghänge. Im Süden erhebt sich das Rodna-Gebirge bis 2300m, im Norden das Maramures-Gebirge bis 1900m. In beiden Gebirgen sind Nationalparks eingerichtet. Über viele Kilometer gibt es weder befestigte Straßen noch Siedlungen. Wir können die Weite und Einsamkeit der Wälder die uns umgeben bestenfalls erahnen. Doch auch auf der Straße 18 wird der Wald nur selten von einer Holzarbeitersiedlung unterbrochen. Die Straße ist schlecht. Der Verkehr besteht aus einer handvoll Autos sowie ein paar Bussen und LKW. Einige der Laster fahren kaum schneller als wir.

Dicker Nebel am Prislop Pass

Die ersten Kilometer folgt die Straße dem Flussverlauf und gewinnt nur sehr langsam an Höhe. Die Bistrita Aurie wird langsam von einem Fluss zu einem Bergbach. Die Wiesen durch die er fließt sind mit bunten Blumen bewachsen. Dann löst sich die Straße vom Fluss und schraubt sich in Serpentinen den Prislop Pass hinauf. Das Wetter wird schlechter. Die Temperatur fällt auf 8°C und es beginnt zu nieseln. Am Pass in 1416m Höhe sind wir in den Wolken, die Sicht beträgt keine 100m. Wir hatten uns auf die Aussicht gefreut und können jetzt noch nicht mal die Kirche sehen die hier oben steht.

Auf der Abfahrt frieren wir. Von Statiunea Borsa aus wollten wir gerne zum Wasserfall "Cascada Cailor" wandern. Jetzt freuen wir uns darüber, dass wir im Magazin Mixed eine gute heiße Tasse Kaffee bekommen, an der wir unsere Finger wärmen könne. Auch einige rau aussehende Burschen halten sich hier auf, einige scheinen nicht mehr ganz nüchtern zu sein.

Auf der Suche nach einem Ort an dem wir uns richtig aufwärmen können rollen wir den Berg weitere 10 Kilometer herunter bis zur Kleinstadt Borsa. Der 27.000 Seelen-Ort zieht sich wie ein Kaugummi über etliche Kilometer (laut Reiseführer sind es 15 Kilometer). Das macht es schwer abzuschätzen wie weit es noch bis zum "Zentrum" ist. So kommt es, dass wir den ersten einigermaßen einladenden Ort ansteuern - die OMV Tankstelle. Im kleinen "Restaurant" ist es warm, auf dem Klo gibt es einen Handföhn. Die Baguettes kosten mit 11 Lei so viel wie in einer deutschen Tankstelle. Egal, Hauptsache wir werden wieder warm und bekommen was in den Bauch.

Der erstmals 1356 erwähnte Ort hat zwei Seelen. Eine als Bergarbeitersiedlung in der Blei, Kupfer und Silber abgebaut wurde. Die zweite als Kurort. Die Heilquellen in den Bergen zogen schon früh gesundheitsbewusste Mönche an. Bei dem trüben Regenwetter wirkt der Ort auf uns grau und trist. Nach wenigen Kilometern erreichen wir das kleine Zentrum mit einigen Cafés und ein paar Läden. Bald darauf säumen Baustoffläden, kleine Häuser und große Rohbauten die Straße. Ein Phänomen von dem wir gelesen haben. Die meisten Männer verdienen ihr Geld im Ausland. In der Heimat bauen sie große Häuser, Statusdenken spielt dabei sicher auch eine Rolle.

Das Bild ändert sich in Moisei und Viseu de Sus nicht. Der Regen und die schlechte Straße drücken unsere Stimmung merklich. In Viseu de Sus zeigt nur ein kleines Schild im Zentrum den Weg zur Waldbahn. Die Straße dorthin ist eine löchrige Kopfsteinpflaster-Piste. Tickets für die Fahrt mit der Schmalspurbahn ins Wassertal will man uns erst morgen früh verkaufen. Ein alter Mann ist da geschäftstüchtiger, will uns seine Pension direkt am Bahnhof schmackhaft machen, die ist uns dann aber doch zu rudimentär. Ein paar hundert Meter weiter werden wir fündig. Ok, die Treppenstufen sind schief, obwohl das Haus neu ist. Auch die Wasserleitungen sind abenteuerlich Aufputz verlegt. Aber es ist sauber und hell. Die Verständigung erfolgt mit Handzeichen und wenigen Worten.

Unser Vermieter hat uns ein Restaurant empfohlen das wir ohne seinen Tipp wohl kaum besucht hätten. Das Haus ist nicht verputzt, auf der löchrigen Straße davor laufen ein paar Hunde und Hühner rum. Die Karte bietet einfache rumänische Kost. Dafür wird alles frisch zubereitet. Wir hören wie das Schnitzel geklopft und der Teig für die Pfannkuchen gerührt wird. Das Essen ist lecker und reichlich.

Im Tal des Flusses Bistrita Aurie  Im Tal des Flusses Bistrita Aurie 

Viseu de Sus - Ieud, 27,5 km, 170 hm

Mit der Waldbahn ins Wasser-Tal.

Waldbahn im Wasser-Tal Viseu de Sus liegt am Zusammenfluss von Viseu und Vaser (vom deutschen Wasser). Anfang des 18. Jahrhunderts erschlossen deutschsprechende Kolonisten die Urwälder und flößten das Holz auf der Wasser nach Viseu de Sus. 1932 begann man mit dem Bau der Waldbahn. Waldbahnen waren damals in Europa weit verbreitet. Der Holztransport mit der Eisenbahn erwies sich als wesentlich effektiver. Die Schienen der Spurweite 760mm folgen kurvenreich dem Verlauf der Vaser. In den meisten europäischen Ländern wurden die Waldbahnen spätestens nach 1945 durch Forststraßen ersetzt. In Rumänien hielten sie sich bis zur "Wende". Mittlerweile ist die Wassertalbahn die letzte ihrer Art. Zum Überleben der Bahn hat der Schweizer "Verein Hilfe für die Wassertalbahn" ganz wesentlich beigetragen. Bis heute wird auf dem 60 Kilometer langen Streckennetz Holz aus den Bergen des Maramures ins Sägewerk von Viseu de Sus transportiert. Neben Dieselloks sind noch immer Dampfloks im Einsatz, vor allem für die Touristenzüge.

Biserica de Lemn din Deal in Ieud

Der Tag beginnt grau, regnerisch und kalt. Die "Mocanita" wird zu unserer Verwunderung richtig voll. Zwei Busse mit Kindern sorgen dafür, dass die Lok erst mal ohne uns davon dampft um noch einen Wagen zu holen. Das dauert rund eine halbe Stunde. Auf den ersten Kilometern säumen Dörfer die Strecke. Nach und nach wird das Tal einsamer und schöner. Es ist eine raue Schönheit ohne spektakuläre Höhepunkte. Die Wolken hängen tief im engen Tal, in dem neben dem Fluss gerade noch Platz für die Schienen ist. Oft geht es nur wenige Handbreit an den Felswänden vorbei. Vor unserem Zug dampft eine Lok die 1955 in Resita in West-Rumänien gebaut wurde. Die Schienen sind alt und lassen oft nur ein geringes Tempo zu. Für die rund 22 Kilometer bis zur Station Paltin braucht der Zug etwa 2 Stunden. Bevor es zurück geht muss die Lok vom einen ans andere Ende des Zuges rangiert werden. Während des 90 minütigen Aufenthalts werden Speisen und Getränke angeboten. Wir gehen einige hundert Meter die Schienen entlang Talaufwärts. Uns kommt ein mit Holz beladener Zug entgegen, der von einer Diesellok gezogen wird. Auf den Plattformen zwischen den schwer beladenen Wagons stehen Bremser. Wann sie die Bremsen mit der Handkurbel lösen oder anziehen sollen teilt ihnen der Lokführer mit der Pfeife mit.

Auf der Rückfahrt bessert sich das Wetter. In Viseu de Sus scheint sogar die Sonne. Unsere Räder haben sicher im Werkstattschuppen unseres Vermieters gestanden, wo wir sie jetzt abholen und uns umziehen. Bei Sonnenschein und 26°C rollen wir aus Viseu de Sus. Auf einer asphaltieren Nebenstraße überqueren wir den nur 550m hohen Bocicoel Pass. Die Straße führt durch ein idyllisches grünes Tal. Satte Wiesen an steilen Hügeln bestimmen das Bild. Auf vielen stehen Heureiter, hohe Zuckerhut-förmige Heuhaufen die um ein zentrales Gerüst aufgeschichtet werden. Für einige hundert Meter geht es steil bergauf, gleichzeitig erinnert sich die Sonne daran dass Sommer ist.

Das Iza-Tal ist bekannt für Dörfer mit alten Holzkirchen, in denen alte Traditionen noch lebendig sind. In Bogdan Voda steht eine große Holzkirche und direkt daneben eine ähnlich große aus Beton. Der Rest des Ortes animiert nicht gerade zum Verweilen. Die Straße nach Ieud ist eher schlecht. Unser Ziel ist die 1364 erbaute "Hügelkirche" (Biserica de Lemn din Deal), das älteste Gotteshaus im Maramures. Das UNESCO-Weltkulturerbe liegt am östlichen Rand des Ortes inmitten eines Friedhofs. Die kleine aus Tannenholz gefertigte Kirche hat den typischen schlanken, spitzen Turm und ein Doppeldach, das mit Holzschindeln gedeckt ist. Im Inneren ist sie hübsch in einem naiven Stiel bemalt. Durch die kleinen Fenster dringt nur wenig Licht herein.

Im Ort, ebenfalls auf einem Friedhof, steht die Biserica din ses, die wegen ihrer Größe auch Holzkathedrale genannt wird. Nur einen Steinwurf entfernt liegt eine große weiße Steinkirche an der Dorfstraße. Und als wäre das nicht genug für eine 4.000 Einwohner Gemeinde, wird gerade eine vierte Kirche gebaut. Vor vielen Häusern sitzen Menschen. Einige ältere Frauen spinnen Wolle. Über einige der Bänke haben die Bewohner sogar kleine Dächer gebaut. Am Straßenrand parkt ein Pferdekarren und suchen Hühner nach Fressbarem. Die meisten Holztore sind sehr einfach und nicht mit Schnitzereien verziert.

Richtig Glück haben wir mit der Wahl unserer Unterkunft, der Pension Aurora. Im Bad (es gibt nur eines im Haus) wird das Wasser mit einem Holzofen geheizt. Unser Vermieter ist Geographielehrer und spricht fließend französisch. Wir lassen uns mal wieder bekochen. Bemerkenswert ist, dass wir das leckere Abendbrot auf der Terrasse unter einigen Weinranken einnehmen - im T-Shirt.

Im Wasser-Tal  Im Wasser-Tal  Im Wasser-Tal   Frauen in Bocicoel  Bocicoel Pass  Dorfstraße in Ieud  Biserica din Ses in Ieud