Rumaenien per Rad - Tagebuch einer Radreise

© Christian Hartmann, Jörg Feye,  ✉ 

Ieud - Vadu Izei, 55,6 km, 420 hm

Einzigartige Holzkirchen im Iza-Tal.

Heute geht es durch das Iza-Tal mit seinen einzigartigen Holzkirchen nach Westen. Das Wetter hat von Frosten auf Grillen umgestellt. Die Sonne scheint von einem blauen Himmel an dem nur gelegentlich kleine Wolken zu sehen sind. Und sie scheint mit Kraft. In der Mittagssonne zeigen unsere Thermometer Werte jenseits der 40°C an (vor zwei Tagen auf dem Prislop Pass waren es noch 8°C). Während wir auf der Terrasse frühstücken, wird in der nahegelegenen Biserica din Ses eine Messe gefeiert. Wir warten, bis Priester und Gläubige gegangen sind und stehen vor einer verschlossenen Tür. Wir wollen schon gehen als uns eine alte Frau entgegenkommt und uns das Gotteshaus öffnet. Die große Kirche ist von innen nicht bemalt, dafür aber reich mit Hinterglasikonen und Fahnen geschmückt. Auf der Dorfstraße sehen wir viele alte, schwarz gekleidete Frauen, wohl auf dem Heimweg vom Gottesdienst.

In Sieu und Poienile Izei fallen uns wieder viele Neubauten auf, die oft nicht wirklich zur traditionellen Bebauung passen wollen. Sieu scheint zudem stark gewachsen zu sein und zieht sich über bestimmt 4 Kilometer an der Straße nach Poienile Izei entlang. Das ist schade, da wir so in einer sehr dünn besiedelten und schönen Gegend sehr viel durch bebautes Gebiet fahren. Im Tal bestimmen Wiesen und kleine Felder das Bild. Auf den Wiesen stehen wie überdimensionale Pilze die Heureiter, auf den Feldern werden Kartoffeln und Mais angebaut.

Holzkirche von Barsana Holzkirche von Barsana

Die Holzkirche von Poienile Izei steht auf einem kleinen Hügel inmitten des Friedhofs. An vielen Stellen wächst hohes Gras, an einem Baum lehnt eine Sense. Das UNESCO-Weltkulturerbe ist verschlossen. Über dem Eingang hängt ein Zettel mit einer Telefonnummer. Wir rufen an und nach einigen Minuten kommt tatsächlich ein älterer Herr und schließt auf. Die Räume der kleinen Kirche sind fast vollständig mit Bildern bedeckt. Viele sind aber so stark vom Ruß geschwärzt, dass sie nur mit Mühe zu erkennen sind.

Die Nebenstraße nach Glod ist unbefestigt und führt über einen Hügel. An vielen Stellen steht noch Wasser in ausgedehnten Pfützen. Die Spur ist von Treckern tief zerfurcht. So haben wir Mühe voran zu kommen ohne stecken zu bleiben. Die Menschen gehen der Feldarbeit mit einfachen Mitteln nach. Die Sense gehört ebenso zum alltäglichen Bild wie Forke und Rechen. Alle Gerätschaften - auch Äxte und Sensen - werden wie selbstverständlich auf dem Fahrrad mitgenommen oder einfach über der Schulter getragen.

Die Holzkirche von Glod liegt etwas abseits der Dorfstraße ebenfalls auf einem Friedhof. An der Dorfstraße liegt ein kleiner Magazin Mixed. Gegenüber im Bach befindet sich eine "Waschmaschine". Es sind nur ein paar Bretter, die sich zu einem Bottich fügen. Das Wasser rauscht von oben hinein, wirbelt herum und fließt durch die Ritzen zurück in den Bach. Ein paar Meter weiter hängt ein Teppich, ein Indiz dafür, dass hier noch immer Wäsche gewaschen wird.

Die Straße nach Barsana ist asphaltiert. Das Slatioara-Tal ist ausgesprochen schön. Wiesen mit Heureitern, kleine Felder und Wälder und der Bach bestimmen das Bild. Verkehr gibt es fast keinen. Auch das Iza-Tal besticht, trotz Hauptstraße, durch wenig Verkehr und landschaftliche Reize. Bei Barsana wurde zwischen 1993 und 1998 eine neue Klosteranlage in traditioneller Holzbauweise errichtet. Sie beherbergt eine aus Eichenholz gefertigte Kirche und einen Mineralwasserbrunnen. Die Wege sind sauber mit Bruchsteinen gearbeitet und von gepflegten Blumenbeeten gesäumt. Dieses Idyll ist fast schon zu makellos im Vergleich zu den Dörfern der Umgebung - eigentlich allen Dörfern die wir bisher gesehen haben.

Im wenige Kilometer entfernten Ort machen wir Mittag am Magazin Mixed. Im Haus gegenüber kurbelt eine alte Frau Wasser aus ihrem Brunnen. Auch unser Wasserverbrauch ist heute enorm. Die Thermometer zeigen mittlerweile 47°C an! Im Nord-Westen des Ortes steht auf einem Hügel die 1720 erbaute Holzkirche inmitten eines naturbelassenen Friedhofs. Das sehenswerte kleine Gotteshaus ist UNESCO-Weltkulturerbe. Von oben hat man außerdem einen schönen Blick über das Iza-Tal.

Auf dem Weg nach Vadu Izei weitet sich das Tal, die Berge werden flacher. Vadu Izei gilt als Künstlerkolonie und heimliche Kulturhauptstadt des Iza-Tals. An der Hauptstraße nach Sighetu Marmatiei merken wir davon erst mal nicht viel. Erst als wir uns auf einer der unbefestigten Straßen auf die Suche nach einer Unterkunft machen, sehen wir die schönen Ecken des Ortes. Am Ende der Straße entweicht aus Jörgs Vorderrad deutlich hörbar Luft. Wie gut, dass wir gerade vor einer Herberge stehen, einem Bauernhof mit typischen Holzgebäuden. Die Besitzerin spricht französisch. Wir nutzen das Wetter, flicken den Platten, ölen die Ketten und putzen die Räder ein wenig. Auch unsere Wäsche können wir mal wieder in einer Maschine waschen (einer elektrischen).

Maramures Holztor in Ieud  Radfahrer mit Gartengeräten in Sieu  Zwischen Sieu und Poienile Izei  Holzkirche in Poienile Izei  Heureiter zwischen Poienile Izei und Glod  Bienenstöcke zwischen Glod und Barsana  Kloster Barsana  Kloster Barsana  Maramures Holztor in Barsana  Maramures Holztor in Barsana  Topf-Baum in Nanesti  Hahn und Henne auf der Dorfstraße von Vadu Izei 

Vadu Izei - Negresti-Oas, 70,2 km, 520 hm

Vom Fröhlichen Friedhof und Königen der Gastfreundschaft.

Die Strecke nach Sighetu Marmatiei ist nicht so schön. Die Stadt selber hat einige ganz schöne Aspekte, so gibt es ein definiertes Stadtzentrum mit Cafés und Geschäften. Ohne sozialistischen Charme in Form von Beton geht es natürlich nicht. Die zwei Museen der Stadt beschäftigen sich mit der unangenehmen Vergangenheit der Stadt während des 2. Weltkriegs und der Ceausescu Diktatur.

Ab Campulung la Tisa sind Landschaft und Orte ganz schön anzuschauen. Wir sehen wieder Pferdefuhrwerke und deutlich weniger Neubauten. Linker Hand erheben sich die bewaldeten Ignis Berge bis zu 1200m. In der Ebene der Tisa (Theiß) wird Landwirtschaft betrieben. Auf der anderen Seite des Flusses, kaum einen Kilometer entfernt, liegt die Ukraine. Der Verkehr ist überraschend gering, die Straße gut.

Fröhlicher Friedhof in Sapanta

Der Fröhliche Friedhof (Cimitirul Vesel) von Sapanta ist ein echter Touristenmagnet. Hier stehen tatsächlich mal zwei Reisebusse. Zu verdanken hat die kleine Gemeinde dies dem Holzschnitzer Stan Ioan Patras. 1935 begann er damit die dunkelblauen Holzkreuze auf den Gräbern mit bunten, geschnitzten Bildern und gereimten Versen zu verschönern. Die Reime erzählen auf oft lustige Weise aus dem Leben der Verstorbenen. Dabei wir nichts geschönt. Einige der kleinen Geschichten erzählen von Trinksucht oder dem ausgiebigen Hang zum Feiern. Wir können nur die Bilder anschauen, die meist den Beruf des Toten darstellen. Ich erinnere mich an eine Fernsehreportage in der einige Verse übersetzt und die Geschichten dazu erzählt wurden. Dieser Umgang mit dem Tod ist einzigartig und die Kreuze einfach schön. An der Straße vor dem Friedhof werden Souvenirs angeboten. Eine Postkarte können wir aber nicht finden.

Ab Remeti radeln wir durch eine Auenlandschaft. Die folgenden Dörfer zeichnen sich durch sehr einfache, kleine Häuser aus. In den augenscheinlich armen Orten fehlt selbst der Magazin Mixed. Kein Vergleich zu Sapanta, das durch seinen weltberühmten Friedhof einen gewissen Wohlstand erlangt hat. Die Sonne brutzelt von einem blauen Himmel und beschert uns Temperaturen im hohen 30°C-Bereich. Die Nähe zur Ukraine spiegelt sich auf den Ortsschildern wieder, auf denen die Ortsnamen auch in kyrillischer Schrift stehen. Am Anstieg zum Huta Pass liegt dann doch noch ein Café. Na ja, die Küche ist nicht gerade eine kulinarische Offenbarung. Dafür läuft im Fernseher rumänische Volksmusik in voller Lautstärke;-)

Die Auffahrt zum 587m hohen Huta-Pass verläuft durch einen Buchenwald. Ein Holz-LKW ist so langsam, dass er es kaum schafft uns zu überholen. Auf dem Pass steht die Grenzpolizei. In der Abfahrt kommen wir an einem Hirtenlager vorbei. Die Schäfer bieten frischen Käse und Honig zum Verkauf an. Der Käse schmeckt super. Bei den Temperaturen können wir ihn aber leider nicht transportieren.

In Certeze säumen große Villen die Straße. Wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Tropfenförmige Fenster, aufwändige geschwungene Dächer und Stuck verzierte Fassaden. Das Beste scheint gerade gut genug zu sein.

In Negresti-Oas sind wir mit Lucian, dem Cousin eines Arbeitskollegen verabredet. Wir sind sehr gespannt, bisher kennen wir nur seinen Namen und seine Telefonnummer. Lucian hat von Ghita erfahren, dass wir eine Radtour durch Rumänien machen und gemeint, dass wir anrufen können wenn wir in der Nähe sind. Sein Vater arbeitet als Bauingenieur in Irland, so konnte sich die Familie ein kleines aber schönes Haus mit sehr geschmackvoller Inneneinrichtung leisten. Die Mutter hat "natürlich" schon was gekocht. Den Rest des Tages sind wir Lucians Gäste. Mit dem Auto fahren wir zum Balie Valea Mariei, einem Hotel mit Freibad, wo wir den Nachmittag verbringen. Näher kommen wir uns des Abends beim Bier auf der Dachterrasse einer Bar. Lucian erzählt von den Vorurteilen, die Rumänen im Ausland entgegengebracht werden und seinem Studium in Cluj. Davon, das er das Geld für Computer und Auto in Irland verdient hat, in der Firma in der auch sein Vater arbeitet. Es stimmt uns schon nachdenklich, dass die jungen, gut ausgebildeten Rumänen ihre Zukunft in Italien, Irland und Deutschland suchen. Wie soll sich so die Wirtschaft im Land nachhaltig entwickeln? Und wie können sich Rumänen bei einem Durchschnittslohn von 250? im Monat den Sprit leisten, der kaum weniger kostet als in Deutschland? Der Blick von der Dachterrasse ist wunderschön. Die Kleinstadt liegt in der Senke von Oas und ist rundum von Bergketten umgeben, die jetzt im Abendrot erstrahlen. Tief beeindruckt und berührt sind wir aber vor allem von der Gastfreundschaft die uns Lucian und seine Familie entgegenbringen.

Fröhlicher Friedhof in Sapanta  Fröhlicher Friedhof in Sapanta  ARO Spartana auf dem Prüfstand  Heuwagen mit 2PS  Teure Villa in Certeze  Teure Villa in Certeze

Negresti-Oas - Jibou, 90,8 km, 290 hm

Gluthiltze, eine kleine Fähre und eine richtig nette Begegnung.

Heute hat der Wettergott den "Toaster" aber mal voll aufgedreht. Schon morgens um halb zehn ist es 26°C warm, mittags in Salsig zeigt das Thermometer 41°C an. Die ganze Strecke ist schön zu fahren und sehr ruhig. Kleine Dörfer, die nicht zu langgestreckt sind, dazwischen landwirtschaftlich genutzte Flächen. Im Hintergrund die Culmea Berge.

Fähre über den Somes zwischen Seini und Pomi

Zwischen Seini und Pomi überqueren wir den Fluss Somes auf einer kleinen Rollfähre. Gut, dass wir aus kompetenter Quelle von der Passage wussten, in unserer Karte ist sie nicht eingezeichnet. Über den Somes ist ein Drahtseil gespannt. Über zwei Winden kann der Anstellwinkel des Bootes zur Strömung bestimmt und somit die Kraft des Wassers zur Überquerung des Flusses genutzt werden. Auf der Fähre haben zwei Autos Platz.

In Buzesti nutzen wir eine Bank unter einem Baum für unsere Mittagspause. Ein vielleicht neunjähriger Junge und seine Familie, die gerade aus der Kirche kommen, betrachten neugierig unsere Räder. Die Bank, auf der wir sitzen, steht vor ihrem Haus. Englisch scheint keiner von ihnen zu sprechen, mit Hilfe der Karten gelingt es uns trotzdem ein wenig von unserer Tour zu erzählen. Die Stimmung ist freundlich. Der Vater holt eine Flasche Wasser und Gläser aus dem Haus. Als die Großmutter dazukommt werden wir sogar zum Essen eingeladen. Das Angebot lehnen wir dann aber doch ab. Unglaublich diese Freundlichkeit, dabei ist die Familie offensichtlichen alles andere als wohlhabend.

In Gardani suchen wir noch mal Schutz vor der sengenden Sonne und verschaffen uns mit einem Eis ein wenig Abkühlung. Uns fallen die vielen Storchennester auf. In Salsig sind es mit neun Nestern auf den Strommasten die Meisten. Zwischen Ulmeni und Benesat verengt sich das Tal, ein kleiner landschaftlicher Leckerbissen. Den Kühen scheint auch warm zu sein, sie stehen bis zum Bauch im Fluss. Ein paar Kilometer stromabwärts baden Kinder im Somes.

Kurze Zeit später werden die Gewitterwolken vor uns immer dunkler und bedrohlicher. Aber erst wenige hundert Meter vor Jibou beginnt es zu regnen. Das Wasser in den Pfützen hat Badewannentemperatur. Wir kommen in einer Pension am westlichen Ende der Kleinstadt unter. Dort gibt es einen Mineralbrunnen dessen Wasser heilende Kräfte besitzen soll. Ich fülle unsere Flaschen damit, was sich als etwas voreilig herausstellt. Das Wasser ist stark schwefelhaltig und schmeckt nach faulen Eiern.

Fähre über den Somes  Storchennest auf Strommast  Storchennester in Salsig  In Salsig  Kühe suchen Abkühlung im Somes 

Jibou - Belis, 98,3 km, 1160 hm

Der Reiz des Einfachen - einfach schön.

Die 11.000 Einwohner Stadt Jibou will uns auch heute morgen nicht wirklich gefallen. Schilder weisen zwar auf den Botanischen Garten hin, in der Stadt dominiert aber das Grau des Betons.

Nach etwa 4 verkehrsreichen Kilometern biegen wir in das Tal des Flusses Almas ein. Hier ist die Straße sehr ruhig und gut befahrbar. Das Tal ist grob geschätzt einen Kilometer breit. Das Bild prägen Getreidefelder, die sanft geschwungenen Hügel zu beiden Seiten sind nicht besonders hoch. Zwischen den Feldern stehen wie grüne Farbtupfer kleine Wäldchen. Geld aus dem Ausland scheint hier noch keines angekommen zu sein. Es sind ebenso viele Pferdekarren wie Autos auf den Straßen unterwegs.

Markt in Hida

In Racas liegt eine schöne Holzkirche an der Straße. Im Dorf Hida ist gerade Markt. Es geht geschäftiger und bunter zu als in den anderen Orten. Obst und Gemüse werden genauso angeboten wie Kleidung und Sofas. Wir sehen Kinder mit Crepes, können aber die Quelle nicht ausfindig machen. Auch das kurze Intermezzo auf der Europastraße 81 verläuft stressfrei, denn zu unserer Überraschung ist auch hier kaum Verkehr.

In Cuzaplac finden wir ein schattiges Plätzchen für unsere Mittagspause. Es ist fast 40°C heiß und wir fühlen uns wie Durchlauferhitzer. Oben schütten wir viele Liter Wasser rein, die dann augenblicklich über die Haut wieder raus kommen. Das Almas Tal bleibt ruhig und beschaulich. Wir folgen dem Fluss stromaufwärts und gewinnen so kaum merklich an Höhe.

Vor Huedin müssen wir noch mal besonders schwitzen, da es zweieinhalb Kilometer mit bis zu 8% den Berg hinauf geht. Im Ort, an der vielbefahrenen Europastraße 60, fallen uns zwei "Zigeuner Paläste" mit verspielten Fassaden und reich verzierten Dächern auf. In den Vladeasa Bergen (Teil des Apuseni) vor uns regnet es. Wir machen eine Pause in einem Café. Ich lerne das eine "Ciocolata Calda" eine heiße Schokolade ist:-) Auch Huedin gefällt uns nicht, zu laut, zu grau.

Das Gewitter ist Richtung Osten abgezogen. Auf dem Weg nach Belis müssen wir auf 14 Kilometern rund 600 Höhenmeter überwinden. Durch das Gewitter hat es sich zwar abgekühlt, dafür ist die Luft jetzt dampfig. Die Straße über Scrind zum Padis Plateau wird, laut einem Schild am Abzweig, gerade neu gemacht. Demnach sind einige Streckenabschnitte gesperrt. Wir entscheiden uns gegen den Abstecher, der uns ins Apuseni Naturreservat geführt hätte und fahren hoch nach Belis. Die Straße führt durch dichten Wald. Oben in 1100m Höhe breitet sich eine mit Nadelbäumen durchsetzte Graslandschaft aus. Unsere Kräfte gehen allmählich zu neige.

In Belis suchen wir eine ganze Weile nach einer Unterkunft. Nicht das ein Mangel an kleinen familiären Pensionen herrschen würde. Nur hatten wir auf Abendbrot und Frühstück spekuliert, doch das bietet keiner. So führt unser Weg erst mal zum Magazin Mixed um Nudeln und Tomatensoße zu kaufen. Konnten bei den Pensionen jeweils die Kinder noch für ihre Eltern übersetzen, suchen wir im Laden unsere Lebensmittel hinter der Theke via drauf zeigen aus. Auf dem Hof unser Pension leben drei Schweine, einige Hühner und zwei Hunde. Letztere werden uns heute Nacht den Schlaf rauben. Das Wasser wird im Holzofen erwärmt und steht stundenweise Morgens und Abends zur Verfügung.

Getreidefeld bei Racas  Holzkirche und Pferdekarren in Racas  Markt in Hida  Pferdekarren in Hida  Pferdekarren in Hida  Ärmliches Haus bei Cuzaplac 

Belis - Rimetea, 98,4 km, 1190 hm

Im wunderschönen Apuseni-Gebirge.

Die Hunde haben uns lange wach gehalten, so starten wir ungewohnt gerädert in den Tag. Bei unserer Abreise wünscht uns unsere Vermieterin, eine alte Dame, ausgiebig alles gute und bekreuzigt sich dabei mehrfach. Heute ist es nicht mehr so extrem heiß wie die letzten Tage. Die meiste Zeit zeigen sich einige kleine Wolken am blauen Himmel.

Auf einer guten Straße rollen wir durch dichten Nadelwald hinunter zur Staumauer des Fantanele Sees. Die hat auch schon bessere Zeiten erlebt. Uns überrascht, dass der Wasserstand im Stausee, trotz des feuchten Frühsommers, recht niedrig ist. Die Straße hoch nach Marisel ist schlecht, der Asphalt voller Löcher und Wellen. Mit durchschnittlich 6% Steigung überwinden wir 260 Höhenmeter. Oben auf 1260m angekommen, weicht der dichte, dunkle Nadelwald einer offenen Landschaft, in der Wiesen das Bild bestimmen. Auf einigen steht noch hohes Gras mit bunten Blumen. Auf den Meisten können wir die unterschiedlichen Stadien der Heuernte beobachten, das Schneiden, Wenden und Aufschichten zu Heureitern. Die Hänge fallen sehr steil ab, 45° werden es mancherorts schon sein. Die gegenüberliegenden Hänge der Gilaului Berge sind mit dichtem Wald bedeckt. Eine ausgesprochen schöne Landschaft.

Gilaului Berge bei Marisel

Die Strecke runter nach Maguri-Racatau gefällt uns besonders gut, ist allerdings fahrerisch sehr anspruchsvoll. Das Gefälle beträgt bis zu 14% (im Mittel sind es 9%), der Weg ist nicht befestigt, über weite Strecken rumpeln wir über große Flusssteine. Vollgefederte Mountainbikes wären jetzt nicht schlecht.

In Maguri-Racatau bietet sich Magazin Mixed für die Mittagspause an. Auf der Bank neben dem kleinen Laden sitzen zwei Männer. Wir gesellen uns dazu. Einer der Beiden hat für einige Monate in Deutschland gearbeitet und spricht etwas Deutsch.

Wir rollen entspannt bergab durch das Tal des Flusses Somesu Rece. Die Straße ist asphaltiert und ganz okay. Das Tal ist eng, zu beiden Seiten ragen steile, bewaldete Berge auf. Der Weg hinauf zum Kloster Muntele Rece ist wieder unbefestigt, zum Glück nicht ganz so steil wie die Abfahrt. Der grobe Schotter ist meist ganz gut befahrbar. Trotzdem kommen wir kräftig ins Schwitzen und auch ein wenig an unsere Grenzen. Nach gut 9 Kilometern haben wir die 600 Höhenmeter bewältigt. Uns eröffnet sich ein toller Blick auf die Muntii Gilaului. So weit das Auge reicht erstrecken sich steile, bewaldete Berge. Ein Anblick bei dem wir uns gut vorstellen können, das dies die Heimat von Bären und Wölfen ist. Auf einem steilen, serpentinenreichen Schotterweg geht es hinunter ins Iara Tal. Gründlich durchgeschüttelt kommen wir unten an. Ganz so anspruchsvoll haben wir uns diesen Abschnitt nicht vorgestellt, die schöne Landschaft war es aber wert.

Ganz entspannt und mit Rückenwind rollen wir durch das Tal des Flusses Iara bergab. Die Straße ist asphaltiert und gut zu fahren, einige Arbeiter sind damit beschäftigt Schlaglöcher auszubessern. Bis kurz vor Baisoara ist das Tal ausgesprochen schön; recht eng und zu beiden Seiten von bewaldeten Bergen umgeben. Vor allem im oberen Abschnitt gibt es einige Pensionen. Nach und nach weitet sich das Tal, vor Baisoara liegt ein unansehnlicher Steinbruch direkt an der Straße. Rund um den Ort Iara bestimmen Felder und Wiesen das Bild.

Das schöne Tal der Rimetea steigt leicht an. Höhepunkt ist zweifellos der Berg Secuiului nahe des Ortes Rimetea. Leider verdeckt genau jetzt eine große Wolke die Sonne, ansonsten wäre der Zeitpunkt für Fotos ideal gewesen. Arbeiter vollenden gerade die letzten Details der neu gemachten Straße. Die Farbe der Mittelstreifen ist noch ganz frisch. Wir quartieren uns auf einem Campingplatz in Sichtweite des markanten Berges ein.

Alter Traktor bei Marisel  Heuernte bei Marisel  Bunte Blmenwiese bei Marisel  Heureiter bei Marisel  Zwischen Marisel und  Maguri-Racatau  Blick ins Tal des Flusses Somesu Rece  Steile Abfahrt nach Maguri-Racatau 

Rimetea - Ponor, 65,9 km, 1350 hm

Landschaftliche Höhepunkte im Trascau Gebirge.

Am Morgen scheint die Sonne und es ist angenehm warm. Wir rollen nach Rimetea. Der Ort ist eine der ersten deutschen Bergwerkssiedlungen in Siebenbürgen und trägt daher im deutschen den Namen Eisenburg. Die deutsch- und ungarisch-stämmige Bevölkerung vermischte sich und brachte eine eigenständige Kultur hervor. Das 1.000-Seelen Dorf besticht durch ein gut erhaltendes Ortsbild und ist beliebter Ausgangsort für Wanderungen auf den Berg Secuiului. Am Magazin Mixed treffen wir drei junge Bayern, die gerade auf ihren Führer für die 4-stündige Tour warten.

Auf dem Weg nach Auid wird das Tal erst breiter und bietet zwischen den 1100m hohen Bergen Platz für Felder. Es folgt mit der Valisoarei Schlucht gleich der nächste landschaftliche Leckerbissen. Damit ist das Tal zwischen Rimetea und Auid eines des schönsten, ja spektakulärsten auf unserer Tour. Auch wenn die Schönheit südlich der Valisoarei Schlucht deutlich nachlässt und eine Industrieruine die Gegend verunziert. Hier wurde wohl mal Stein abgebaut und verarbeitet.

Blick auf Valea Uzei

Am Nordrand von Auid decken wir uns für die nächsten zwei Tage mit Lebensmitteln ein. Unser Plan sieht vor, das Trascau Gebirge auf einer kleinen Nebenstraße zu durchqueren und wenn möglich zu Fuß die Ramet-Klamm zu erkunden. Ein etwas abenteuerliches Vorhaben, da wir nur raten können in welchem Zustand die Straße ist. Bevor es aber in die "Wildnis" geht, gönnen wir uns noch ein Eis in einem Café. Es bedient uns eine junge Frau, die Musik kommt von ihrem Laptop, genauer gesagt von YouTube.

Das Trascau ist ein sanft gewelltes Mittelgebirge mit Karstlandschaften, Felstürmen, Wäldern und Schluchten. Die Straße 107I ist steinig und löchrig, aber gut befahrbar. Auch die Steigung ist mit 5-7% im grünen Bereich. Uns kommen überraschend viele Autos entgegen (für diese Strecke), so 15 bis 20 werden es wohl sein. Es geht durch einen schönen Buchenwald bergauf. Die Bäume spenden angenehmen Schatten. Etwa 5 Kilometer vor dem Dorf Ramet endet der Wald und weicht einer offenen Landschaft. Die mit bunten Blumenwiesen bewachsenen Hänge fallen sanft nach Süden ab. Dazwischen schauen graue Felsen raus. Kleine Felsnadeln aber auch große Felsformationen durch die sich Gebirgsbäche zwängen. Ein wirklich beeindruckender und spektakulärer Ausblick. An einer Quelle am Wegesrand erfrischen wir uns. Das Wasser ist klar und kalt.

Es ist das Land der Motzen, einer alten Bauernkultur über die nur wenig bekannt ist. Sie leben in kleinen Dörfern und zahlreichen Streusiedlungen den Bergen. In rund 800m Höhe betreiben die Motzen kleinparzelligen Feldbau und extensive Weidewirtschaft. Ihre traditionellen Gebäude zeichnen sich durch hohe steile Strohdächer aus. Neben vielen stehen noch Heureiter, einige Höfe werden von Hunden bewacht. Das kleine Dorf Ramet ist das Zentrum der gleichnamigen Gemeinde. Hier gibt es eine Schule, eine Polizeistation und einen Magazin Mixed.

Uns fliegt so einiges an Bienen und Schmetterlingen um die Nase. An dem tierischen Konzert nehmen auch Grashüpfer teil, die fauchende Geräusche von sich geben. Der Abschnitt zwischen Ramet und Bradesti begeistert uns besonders. Wir machen viele Fotos, obwohl uns die Sonne nicht immer wohl gesonnen ist. Nachmittags bewölkt es sich zunehmend. In Bradesti versuchen wir dem mit einem blauen Kreuz markierten Wanderweg zu dem winzigen Weiler Cheia zu folgen. Der schmale Pfad führt steil bergab erst durch kniehohes Gras dann durch dichten Wald. Nach gut zweieinhalb Kilometern stoppen quer über dem Weg liegende Bäume unser Vorhaben. Wir versuchen noch zu Fuß dem Weg weiter zu folgen, im dichten Buchenwald können wir ihn aber bald nicht mehr ausmachen. Es bleibt uns nicht anderes über als die Räder mühsam wieder den steilen unwegsamen Weg hinauf zu schieben. Eine kraftraubende Plackerei. Es ist schon 18 Uhr als wir wieder in Bradesti sind. Der abenteuerliche "Abstecher" hat etwa eine Stunde gedauert.

Auf dem Weg nach Ponor schauen wir nach einem Platz für unser Zelt. Nahe der kleinen Siedlung werden wir fündig. Ponor besteht nur aus einem Dutzend Häusern. Umso erstaunlicher, dass es ein Rathaus, eine Polizeistation und eine Kneipe gibt. Letztere hat zwar geschlossen, aber der Tisch und die Bank davor drängen sich als Platz fürs Abendbrot geradezu auf. Kurz vor Sonnenuntergang bauen wir unser Zelt auf. Von unserem Lager haben wir einen phantastischen Ausblick in die Schlucht. Rund ums Zelt zirpt und summt es.

Haus in Rimetea  Zwischen Rimetea und Auid  Valisoarei Schlucht  Zwischen Auid und Ramet  Brunnen zwischen Auid und Ramett  Motzen Haus zwischen Auid und Ramet  Motzen Haus zwischen Auid und Ramet  Motzen Haus zwischen Ramet und Bradesti  Blick in die Manastirii Schlucht  Blick in die Manastirii Schlucht  Blick auf die Ramet Klamm 

Ponor - Abrud, 56,1 km, 520 hm

Wo Bauern die Heureiter noch von Hand aufschichten.

In der Nacht war es sehr ruhig, außer ein paar Grillen und den Kuhglocken gab es keine Geräusche. Morgens um 7 Uhr scheint die Sonne schon mit Kraft, aber auch in der Nacht war es nicht wirklich kalt.

Für einige Kilometer bewegt sich die Schotterstraße noch in rund 900m Höhe, bevor sie hinunter ins Tal führt. Bis Geogel ist sie gut befahrbar, danach wird es holpriger und steiler. Ein normaler PKW hätte in diesem Abschnitt wahrscheinlich Probleme. Der Wald spendet Schatten, beschert uns aber auch überraschend viele große Pfützen und schlammige Passagen. Entlang der Straße und im Tal ziehen immer wieder die Höfe der Motzen unsere Aufmerksamkeit auf sich. In den großen Gärten wachsen Kartoffeln, Zucchini, Tomaten und vieles mehr. Nicht selten finden sich auch Klohäuschen und Brunnen in den Gärten. Wir beobachten Bauern beim Aufschichten der Heureiter. Sie steht oben und verdichtet das Heu, das er ihr mit der Forke hoch reicht. Wie würden wir uns wohl fühlen, wenn wir einen Tag lang diese körperlich schwere Arbeit verrichten würden?

Bauer und Frau schichten einen Heureiter auf

Bei Geogle steht ein Wegweiser mit "Cheia 5km". Ist dass die Chance doch noch die Ramet-Klamm zu erreichen? Ein Blick in der Karte lässt uns glauben, dass dieser Weg zwar in die richtige Gemeinde führt, der Weg zum "Ort" aber erst in Macaresti abzweigt. Diesen Weg können wir aber nicht entdecken. So behält "Karpaten Willi" recht, der auf seiner Webseite schreibt, die Ramet-Klamm sein nur vom Kloster Ramet aus erreichbar. Trotzdem erstaunlich, das selbst in dieser abgelegenen Gegend die Orientierung kein Problem darstellt.

Ab Cojocari wird die Straße wieder besser. Die sehr verstreut liegenden Häuser und Höfe weichen Dörfern mit erkennbarem Anfang und Ende. Die Straße folgt dem Verlauf eines kleinen Baches und steigt dabei kaum merklich an. Das Tal ist schmal, die Hänge zu beiden Seiten sehr steil und überwiegend mit Wald bedeckt. Uns fliegen mal wieder viele schwarze Schmetterlinge um die Nase. Um 11 Uhr kommt uns ein Auto entgegen.

In Barlesti lädt uns ein Magazin Mixed zum Verweilen ein. Eine alte Frau betreibt den kleinen Laden und die direkt daneben liegende Bar. Weilt sie in der Bar ist der Magazin zu. Wir verschaffen uns mit einem Eis ein wenig Abkühlung. Rund im Mogos weitet sich das Tal. Westlich des Ortes sind zwei steile Hügel mit bis zu 17% Steigung zu überwinden (wir gewinnen über 200m an Höhe). Zum Glück ist dieser Abschnitt asphaltiert. Mich trifft es auf den folgenden Kilometern gleich zwei mal. An einem der Steilstücke habe ich hart geschaltet, zu hart für ein Kettenglied. Zum Glück haben wir diesmal gleich zwei Kettennieter dabei und wir finden ein schattiges Plätzchen für die Reparatur. In der Sonne erreichen die Temperaturen wieder mal 40°C. Auf der geschotterten Abfahrt nach Poienile-Mogos merke ich wie mein Vorderreifen langsam weich wird. Wir entdecken einen Schaden in der Seitenwand des Reifens. So wie es aussieht stammt sie von einem scharfkantigen Stein. Wir kleben den Mantel von innen mit Textilband. Diesmal in den prallen Sonne und von zwei kläffenden Hunden beobachtet. Wie so oft bellen die Hunde, bleiben aber im Schatten liegen. Manchmal sind die Tiere schlauer als die Menschen;-)

Die Straße verläuft noch einige Kilometer auf gutem Schotter durch Wald und geht schließlich in eine asphaltierte Straße über. Dieser Teil ist landschaftlich nicht mehr so spektakulär. Wir sind froh wieder Teer unter den Reifen zu haben. Hitze, Schotterstraßen und Berge in den letzten Tagen waren ganz schön anstrengend.

Die Kleinstadt Abrud ist geprägt von sozialistischen Betonwohnblöcken an denen der Zahn der Zeit ordentlich genagt hat. Neben Supermarkt und Gemüsehändlern finden wir ein nettes Café in dem wir uns einen Becher Eis gönnen. Wir kommen in einer günstigen Pension östlich des Ortes unter. Kleider und Räder erfahren mal wieder etwas Pflege.

Zeltplatz mit Aussicht nahe  Ponor  Motzen Haus zwischen Ponor und Barlesti  Motzen Haus zwischen Ponor und Barlesti  Garten mit Bohnen  Motzen Haus zwischen Ponor und Barlesti  Abstand zwischen den Dörfern  Dacia 1300  Forst Traktor IRUM TAF 657 

Abrud - Orastie, 108,1 km, 960 hm

Kommunistische Sünden und ursprüngliche Berge.

Ein weiterer sehr heißer Tag. Die Strecke führt sehr schön durch dichten Wald zum 915m hohen Bucium Pass. Noch ist es angenehm kühl. Ich beobachte noch eine ganze Weile meinen lädierten Vorderreifen. Der Schaden an der Karkasse ist aber wohl klein genug, dass der Mantel die Tour durchhalten wird. (Ein halbes Jahr später fahre ich noch immer mit diesem Reifen rum.) Wie so oft ist sehr wenig Verkehr, ein Umstand an den wir uns schon so sehr gewöhnt haben, dass er uns fast normal erscheint. Auf der Abfahrt nach Zlatna ist der Belag so gut, dass wir es - seit langem mal wieder - laufen lassen. So legen wir die ersten 26 Kilometer des Tages in nur 90 Minuten zurück. Von der industriellen Vergangenheit der Kleinstadt zeugt ein hoher Industrieschlot, der weithin sichtbar auf einem Berg über der Stadt thront (ein fast schon surrealer Anblick). Die riesigen Industrieanlagen, in denen das Kupfer der Umgebung verhüttet wurde, sind mittlerweile weitgehend demontiert. Für die Natur ein Gewinn, denn das Gebiet um Zlatna zählt zu den am stärksten verschmutzen in ganz Rumänien. Der Ort bemüht sich sichtlich schöner zu werden. An der Hauptstraße wird ein Parkanlage mit Spiel- und Sportangeboten geschaffen. Auch das Sportstadion wird herausgeputzt. Das Zentrum hat trotz Plattenbauten eine angenehmen Charme. Den Abzweig nach Almasu Mare übersehen wir erst, da wir noch vollkommen gebannt sind von den Industrieruinen und der offensichtlichen Armut der Menschen am Stadtrand.

Frauen waschen einen Teppich im Fluss bei Zlatna

Auf einer kleinen serpentinenreichen Straße geht es hoch in die Metaliferi Berge. Da es mittlerweile sehr heiß ist, sind wir froh, dass die Strecke durch Schatten spendenden Wald verläuft. Almasu Mare ist ein Dorf mit einer Kirche und einem kleinen Bergbaumuseum. Als wir eintreffen hat der Magazin Mixed geschlossen. Da unsere Ankunft bemerkt wurde, ändert sich das aber bald. Die Auswahl ist begrenzt. So gebt es heute ein süßes Mittagessen mit Schokohörnchen, Eis, Nektarinen und Bananen. Ein Mercedes Sprinter bringt frisches Brot. Die Seitentür wird mit einem Vorhängeschloss gesichert.

Die Abfahrt nach Almasu de Mijloc ist geschottert. Der Rest der Strecke ist aber wieder geteert. Das sehr ruhige Tal ist etwa 500m breit. Die sanft geschwungenen Hänge zu beiden Seiten sind bewaldet. Hin und wieder gibt es einige Felsformationen zu bewundern. An den breiteren Stellen haben sich Dörfer angesiedelt. Die Bebauung weist Siebenbürger Elemente auf. Wir rollen ganz entspannt Tal abwärts und genießen die schöne Landschaft.

Eine breite Straße führt 100 Höhenmeter den Berg hinauf in den beliebten Kur- und Urlaubsort Geoagiu-Bai. Große Hotels bestimmen das Bild. Viele wirken von außen durchaus modern. Vor dem Freibad drängen sich Autos und Menschen. Ein Sprung ins Wasser würde uns schon reizen. Aber wohin mit den Rädern? Und 20 Lei Eintritt sind auch nicht gerade ein Schnäppchen. In Orastie wird es doch auch ein Freibad geben, oder?

Im Becken von Orastie glüht die Luft. Die Ebene ist geprägt von Getreidefeldern. Ein kleines Stück müssen wir auf der Europastraße 68 zurücklegen. Es herrscht dichter LKW Verkehr. Wir fühlen uns nicht wohl. Die 21.000 Einwohner Stadt besitzt im Süden einen kleinen Altstadtkern mit Siebenbürger Häusern und einer Kirchenburg. Viele Gebäude sind leider in keinem besonders gutem Zustand. Es ist allerdings erkennbar, dass der Ort mal wohlhabend gewesen sein muss. Interessant aber auch ein wenig erschreckend, die Gasleitungen verlaufen oberirdisch, auch über die Treppen der Häuser. Das Thermometer an der Apotheke zeigt 46°C. Ein wenig ärgern wir uns darüber nicht in Geoagiu-Bai geblieben zu sein.

Das Hotel Jorja ist in erster Linie günstig und damit beliebt bei Handwerkern. Nett um einen Innenhof angelegt, erreicht man die Zimmer über Treppen und Balkone. Das Zimmer ist sauber, die Nasszelle nicht viel größer als ein Kleiderschrank - dafür aber mit fünf unterschiedlichen Fliesen verkleidet.

Plattenbauen im Zentrum von Zlatna  Plattenbauen am Stadtrand von Zlatna  Demontierte Kupferhütte von Zlatna    Zwischen Almasu Mic de Munte und Ardeu  Blick auf die Cheile Glodului  Gasleitung in Orastie