Suedafrika per Rad - Tagebuch einer Radreise

© Christian Hartmann, Jörg Feye,  ✉ 

Villersdorp - Wellington, 92 km, 800 hm

Wir trinken uns das Wetter schön

Wolken über dem Franschhoek Pass jenseits des Theewater Stausees

Entlang des Theewater Stausees radeln wir auf die Bergkette der Hottentots Holland Mountains zu. Schon in der Ebene macht uns ein kräftiger Gegenwind das Leben schwer. Das Niedrigwasser gibt einen breiten Sandstrand frei, aus dem hunderte, schlanke Baumskelette herausragen. Auf den kargen, grau-grünen Bergen breitet sich eine Decke aus dicken, weißen Wolken aus. Diese sperrt die Sonne aus, als wir den grünen, 710 m hohen Franschhoek Pass überqueren - was einigermaßen schade ist. Genügsame Fynbos-Pflanzen bedecken die Hänge zur Linken und eine Schlucht rechts der Straße. Im kurvenreichen Anstieg überholen uns mehr als ein Dutzend Mercedes AMG. Eigenartig, normalerweise bestimmen Autos wie VW Polo, Golf 1 oder japanische Pick-Ups das Straßenbild.

Jenseits des Passes liegen die Winelands. Die schnelle Abfahrt mit mehreren Spitzkehren führt hinab in ein weites Tal, das an 3 Seiten von Bergen eingerahmt wird. Leider verderben noch immer Wolken die wunderbare Aussicht. Am Fuß des Passes liegt das Städtchen Franschhoek. Entlang der geschäftigen Hauptstraße reihen sich schmucke, viktorianische Häuser mit weißer Holzfassade und großzügiger Veranda aneinander. An Restaurants, Cafés und Galerien herrscht wahrlich kein Mangel. Der von französischen Hugenotten gegründete Ort steht für gute Küche und edle Weine. Verschwitzte Budget-Touristen sind daher eher die Ausnahme.

An der geschäftigen Hauptstraße Richtung Paarl und Stellenbosch liegen Weingüter mit französischen Namen wie Petit Provence oder La Motte. Großzügige Ländereien und stilvolle Herrenhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert unterstreichen den elitären Eindruck. Da überraschen auch ausgedehnte Pferdekoppeln nicht. Ebenso wenig, dass der Autobauer aus Stuttgart genau hier für seine Luxus-Sportwagen wirbt.

Auch die Solms Delta Winery scheint in dieses Bild zu passen. Vom großzügigen Eingangstor bis zum Haupthaus radeln wir fast einen Kilometer zwischen Weinstöcken hindurch. Zu unserer Überraschung stehen dort zwei große Busse einer französischen und einer spanischen Reisegruppe. Als wir bei einem Glas Wein auf der Veranda sitzen kommt die Sonne raus, setzt die Weingärten und die umliegenden Berge ins rechte Licht. Als würde ein Schleier gelüftet, entfaltet sich die Schönheit der Landschaft. So kann man es durchaus aushalten;-)

Die weitere Strecke nach und durch Paarl ist nicht mehr sonderlich attraktiv, dafür aber sehr verkehrsreich.

Wellington - Ceres, 69 km, 895 hm

Bain's Kloof Pass im Regen :-(

Der Tag beginnt recht vielversprechend mit blauem Himmel und angenehmen Temperaturen. Doch bereits als wir losfahren ist der Himmel weitgehend bedeckt. Und nach wenigen Kilometern beginnt es zu Regnen. Erst nieselt es nur leicht. Doch schon bald geht Landregen auf uns nieder. Der 593 m hohe Bain's Kloof Pass ist ein landschaftliches Sahnestück - sagt man. Uns umgibt bald dichter Nebel, die letzten Kilometer vorm Pass können wir keine 100 m weit sehen. Unsere Thermometer zeigen gerade mal 12°C an.

In der Abfahrt wird die Sicht zwar etwas besser, aber die wunderbare, schroffe Felslandschaft können wir weiterhin mehr erahnen als sehen. Uns ist kalt! Der Weg zum Calabash Bush Pub1) zieht sich ewig. Dort sitzen bereits 4 tropfnasse Rennradfahrer an der Bar und wärmen sich an heißem Kaffee. Auch wir wärmen unsere klammen Finger bald an zwei Tassen. Heizungen scheinen die Südafrikaner ebenso wenig zu kennen wie Isolierglas. Der Pub verströmt einen eher rauen Charme, die Barfrau qualmt wie ein Schlot, ihre 2 Hunde scheinen zum Inventar zu gehören. Wir schlemmen uns durch die Karte, müssen aber nach einer guten Stunde erkennen, dass wir das Wetter nicht aussitzen können. [1: GPS: -33.529669, 19.183464]

Der Regen hat etwas nachgelassen, gelegentlich dringen sogar Sonnenstrahlen durch ein Wolkenloch bis zu den Weinbergen und Obstplantagen durch. In den Bergen ringsum hängen aber weiterhin dunkle Regenwolken. Da grenzt es schon fast an Hohn, dass die Straßen in Ceres trocken sind. Die Kleinstadt ist ein Zentrum des Obstanbaus, aber auch Ausgangsbasis für Touren in die nahen Cederberge. Die Auswahl an Unterkünften daher erfreulich groß. Unsere Wahl fällt auf ein Cottage auf der Petervale Guest Farm einige Kilometer nördlich der Stadt.

Der Bio-Bauernhof liegt am Fuße einer Bergkette. Das wunderschöne kleine Farmhaus bietet Platz für bis zu 6 Personen. Uns ist wichtig, unsere Kleidung trocken zu bekommen. Da hilft es, dass es im Laufe des Nachmittags aufklart und am Ende sogar wieder sonnig und halbwegs warm ist.

Ceres - Mount Ceder, 93 km, 1040 hm

Wo die südafrikanischen Äpfel wachsen

Abfahrt vom Blinkberg Pass

Die Sonne scheint von einem makellos blauen Himmel auf die Obstplantagen. Von frischen 8°C am frühen Morgen erwärmt sich die Luft bald auf angenehme 20°C. Auf der Straße nach Prince Alfred's Hamlet kommen uns eine handvoll schwarze Männer und Frauen entgegen - zu Fuß und im besten Sonntagszwirn. Einige haben eine Bibel in der Hand, augenscheinlich sind sie auf dem Weg zur Kirche. Das wäre nicht weiter erstaunlich, immerhin ist heute Sonntag - allerdings trennen sie noch fast 10 Kilometer von Ceres.

Nördlich des großen Dorfes, dessen Namenspate ein Sohn von Königin Viktoria sein soll, erhebt sich der Gydo Pass. Auf rund 12 Kilometern steigt die Straße von 480 m auf 1030 m an. Dabei eröffnen sich schöne Ausblicke auf die rundum von grauen und grünen Bergen umschlossene Ebene. Obstplantagen und Bewässerungsteiche wirken von oben wie ein grün-blauer Flickenteppich. Ortschaften und Getreidefelder fügen graue und gelbe Nuancen hinzu.

Bis Op-die-Berg führt die Straße (mehr als 20 Kilometer) gefühlt schnurgerade durch ein Hochtal, in dem sich Apfelplantage an Apfelplantage reiht. Die vegetationslosen Berge, jenseits der bewässerten, eingezäunten Obstbäume, scheinen zum Greifen nahe. Kaum zu glauben, dass sie die gut 2 Kilometer breite Ebene um bis zu 800 m überragen. Inmitten der Plantagen liegen die vergleichsweise guten1), wenn auch ziemlich kleinen2) Häuser der schwarzen Arbeiter. Mitunter sind es kleine Siedlungen aus einem guten Dutzend Gebäuden. [1: aus Stein, mit Fenstern; 2: geschätzt 40 m2]

Des Mittags erreichen wir den Ort, dessen Name nichts anderes bedeutet als "auf dem Berg". Der Supermarkt scheint der Mittelpunkt des kleinen Dorfes zu sein. Noch mit der Bibel in der Hand erledigt so mancher seine Einkäufe. Das nächste Geschäft auf unserer Strecke ist in Clanwilliam. Bis dorthin sind es gut 140 Kilometer durch die raue Schönheit der Cederberge.

Für weitere gut 15 Kilometer säumen Obstplantagen und Getreidefelder die Straße. Mit dem Asphalt endet auch die Landwirtschaft (nahezu). Zwei in Nord-Südrichtung verlaufende Gebirgszüge formen ein langgestrecktes Tal. Die Kräfte der Plattentektonik haben den roten Sandstein gekippt, gehoben und gefaltet. Erosion hat ihn anschließend in Form geschliffen - und dabei großartige Arbeit geleistet. Einst gediehen hier ausgedehnte Zedernwälder, heute sprießen vielfältige Fynbos-Pflanzen an den Berghängen. Die Cederberge sind nicht nur erstaunlich grün, auch das hier und da kleine Bäche von seinen Hängen rinnen ist durchaus nicht selbstverständlich.

Den Campingplatz der Mount Ceder Guestfarm als großzügig zu beschreiben, wäre fast schon eine Untertreibung. Jeder Stellplatz hat eine separate Nasszelle mit Openair-Kochzeile und gut 50 m Abstand zum nächsten Nachbarn. In dieser Abgeschiedenheit sind am wolkenfreien Nachthimmel nicht nur sehr viele Sterne, sondern auch die Milchstraße zu sehen - wunderschön!

Blick vom Gydo Pass auf die Obstplantagen rund um Ceres  Apfelplantage an der Straße nach Op-die-Berg  See in den Cederbergen  Einsames altes Haus in den Cederbergen  Zwischenanstieg im Blinkberg Pass  Fynbos und Sandsteinfelsen in den Cederbergen  Schild kündigt Schotterstraße an  Beeindruckender Nachthimmel

Mount Ceder - Sanddrif, 39 km, 1050 hm

Bilder und Skulpturen in den Zederbergen

Felszeichnungen der Koisan in den Stadsaal Caves

Die Mount Ceder Farm liegt am tiefsten Punkt eines weiten Talkessels, am Ufer des Groot River. Auch wenn der "große Fluss" eher ein kleiner Bach ist, ermöglicht er doch den Anbau von Oliven. Diese, sowie die wichtigsten Lebensmittel, können im kleinen Laden erstanden werden.

Sind die Nächte auch noch lausig kalt, nähern sich die Temperaturen tagsüber allmählich den Werten an, die man gemeinhin mit Afrika in Verbindung bringt. Da wir gleich zu Beginn auf 5 Kilometern gut 500 Höhenmeter überwinden müssen, sind 26°C absolut warm genug. Die erste Hälfte steigt nur moderat an und ist gut zu fahren, die Zweite ist mit 14% und mehr dafür um so anstrengender. Die eher raue Piste tut ihr übriges. So brauchen wir eine gute Stunde für den Anstieg - Fotostopps eingeschlossen.

Ähnlich steil und holprig geht es auf der anderen Seite gleich wieder 400 Höhenmeter hinab ins nächste Tal, zum nächsten Bach. Roter Sandstein und niedrige grüne Büsche bestimmen das Bild. Bei näherer Betrachtung entdecken wir auch rote, weiße und gelbe Blüten. Eine tolle Landschaft! Beeindruckend ist auch die Stille. Keine rauschenden Blätter, kein Konzert zwitschernder Vögel, kein Summen und Zirpen - Stille. Autos sind sehr selten und kündigen sich schon von weitem durch eine Staubfahne an. Es sind einfache, funktionelle Fahrzeuge. Die Mehrzahl ist weiß lackiert. Reisegruppen sind in der Regel in japanischen Kleinbussen unterwegs.

Als wir am späten Vormittag das Oasis Backpackers erreichen haben wir noch keine nennenswerte Strecke zurückgelegt. Aber offen gestanden kratzt uns das wenig. So ein gemütlicher Sessel im Schatten auf der Veranda hat auch was. Vor allem in Kombination mit einer Tasse Kaffee und einem Sandwich. Es ist so gemütlich, dass wir erst nach über einer Stunde wieder auf den Rädern sitzen.

Es geht einen zweiten, leichteren Pass hinauf. Auf einer niedrigen Betonbrücke queren wir den Matjiesrivier. Der gut 5 m breite Bach wird von einem schmalen Band hoher Schilfgräser gesäumt und bietet sogar Libellen einen Lebensraum. Für den Besuch der Stadsaal Caves zahlen wir 40 Rand pro Nase. Das Büro von Cape Nature1) in der winzigen Siedlung Matjiesrivier ist allerdings leicht zu übersehen. Die Felszeichnungen der Koisan werden auf ein Alter von 1000 Jahren geschätzt. Das rote Ocker, mit dem Elefanten und Menschen dargestellt sind, ist erstaunlich gut erhalten. Da die schwarze Farbe aus Holzkohle und Lehm die Zeit nicht überdauert hat, sind die Menschen heute "kopflos". Die nicht minder beeindruckenden Felsskulpturen wurden im Laufe von Jahrtausenden von der Erosion geschaffen. [1: GPS -32.500028, 19.335688]

Blick ins Brandekraal River Valley  Obstplantage am Brandekraal River  Betonbrücke über den Matjiesrivier  Grüne Ebene um den Sand River, im Hintergrund der Grootrivierhoogte Pass  Geschützte Landschaft der Stadsaal Caves  Schön erodierte Sandsteinfelsen in den Stadsaal Caves  Schön erodierte Sandsteinfelsen in den Stadsaal Caves

Sanddrif - Clanwilliam, 74 km, 1155 hm

Die Milchstraße

Blick vom Uitkyk Pass nach Norden

Im langen, geradlinigen Hochtal steigt die Schotterstraße gemächlich von 850 m auf rund 1000 m an. Die roten Sandsteinberge zu beiden Seiten erreichen Höhen von bis zu 1800 m. Unten breitet sich eine weite, grüne Ebene aus, durch die sich der Sand River schlängelt. An seinen Ufern sprießt das Grün besonders üppig. Einige der Büsche und Gräser sind fast mannshoch. Viele Pflanzen blühen noch, so sind auch die Farben Gelb und Weiß oft vertreten. Zwischen den Pflanzen liegen unzählige Felsblöcke. Von der Größe eines Fußballs bis zu der eines Kleinwagens ist alles dabei. Die Straße ist frisch geglättet und verdichtet - Mensch was willst Du mehr?

Von der Passhöhe bis Clanwilliam geht es in Wellen stetig bergab. Auf den kommenden 40 Kilometern werden wir fast 900 Höhenmeter "kaputt" machen. Der tollen Aussicht folgt ein Steilstück mit Spitzkehre. Nach dieser sollte man langsam fahren, um nicht an der Quelle vorbei zu rauschen. Verborgen zwischen Büschen rinnt frisches Wasser aus den Felsen. Das Wasser der Cederberge gilt als besonders rein - eine gute Gelegenheit die Flaschen aufzufüllen. Das Thermometer zeigt mittlerweile 35°C an.

Bis zum Campingplatz Algeria ändert sich die Landschaft nur in Nuancen. Die Abfahrt macht richtig Laune. Das kurze Abschnitte auf Bergkuppen oder rund um Brücken asphaltiert sind, ist ja nachvollziehbar. Warum die Straße hier für mehrere Kilometer gepflastert ist, erschließt sich uns nicht wirklich. Dann wird das Tal enger, die Berge niedriger und die Erde fruchtbarer. Das Grün reicht wieder für einige rot-braune Rinder. Erste kleine Farmen säumen die Straße. Den schönsten Teil der Cederberge haben wir offensichtlich hinter uns. Auf den letzten Kilometern vor Clanwilliam verdeutlichen dann noch ein paar Hügel und raues "Wellblech", wie gut es uns heute ging.

Als nächstes wollen wir die Halbwüste Tankwa-Karoo durchqueren. 360 Kilometer ohne Einkaufsmöglichkeit sind für uns ein Novum. Nie zuvor mussten wir Lebensmittel für 4 bis 5 Tage bunkern. Da kommt es uns sehr gelegen, dass der große Supermarkt in Clanwilliam gut sortiert ist. Nudeln, Müsli und Trockenmilchpulver sollen die kommenden Tage die Basis unserer Ernährung bilden. Außerdem hat jeder 8 Liter Wasser am Rad.

Die Nacht wollen wir nicht am nahen Stausee verbringen, sondern auf einem kleinen Campingplatz 10 Kilometer östlich der ruhigen Kleinstadt. Das es den Berg rauf geht war uns klar, dass es 500 Höhenmeter sind, war uns nicht mehr bewusst. Die zusätzlichen Kilos machen es auch nicht besser. Oben betreibt eine alte Dame das kleine Teehaus Klein Kliphuis. Auf der Wiese hinterm Haus gibt es 4 Zeltplätze. Das alte Windrad erfüllt keine Funktion mehr, macht sich aber gut auf Fotos des beeindruckenden Nachthimmels. Obwohl es sich mit Einbruch der Dunkelheit auf lausige 8°C abkühlt, können wir uns kaum sattsehen.

Grüne Ebene um den Sand River  Blick vom Uitkyk Pass nach Süden  Felsblock so groß wie ein Kleinwagen  Abfahrt vom Uitkyk Pass  Blick über den Clanwilliam dam  Beeindruckender Nachthimmel

Clanwilliam - Enjo Farm (Biedou Valley), 53 km, 875 hm

Es wird heiß!!!

Im kargen Biedou Valley

Schon des Morgens um 8 Uhr ist es 28°C warm. Auf der ruhigen, asphaltierten Straße geht es weiter bergauf. Roter Sandstein und niedrige grüne Büsche bestimmen das Bild. Die Landschaft ist offen, mit Aussichten, die tief in die Cederberge hineinreichen. Eine kleine Schildkröte sitzt mitten auf der Straße. Das wir sie ins Gebüsch neben der Straße tragen, ist ihr gar nicht recht. Füße strampelnd setzt sie sich zur Wehr. Ganz schön kräftig, das kleine Reptil.

Vom 910 m hohen Pakhuis Pass schweift unser Blick über ein weites grünes Tal. In der langen Abfahrt verlieren wir gut 550 Höhenmeter. Unten, am Brandewyn River, lädt das Traveller's Rest Café zum Verweilen ein. Auch zwei etwa zwölfköpfige Reisegruppen rasten hier. Beide haben uns schon in den Cederbergen gesehen - und sofort wiedererkannt. Das kleine Restaurant ist Ausgangspunkt des Sevilla Rock Art Trails. Der 4 Kilometer lange Wanderweg windet sich durch eine bizarre Felslandschaft. Die Koisan, eine alte Jäger- und Sammlerkultur, haben hier Felszeichnungen hinterlassen. Die Bilder sind meist von Überhängen vor der Witterung geschützt. Obwohl die zehn Stellen beschildert sind, müssen wir meist etwas suchen, um die schönen Kunstwerke zu finden. Sehr lohnenswert!

Weiterhin auf Asphalt erklimmen wir einen zweiten 563 m hohen Pass. Mittlerweile ist es über 40°C1) heiß und weit und breit kein Schatten in Sicht. Da hilft nur trinken, trinken, trinken. Oben zweigen wir auf die kleine Schotterstraße Richtung Wuppertal, einer von deutschen gegründeten Missionsstation, ab. Die Landschaft wird karger und trockener. Zwischen verdorrtem gelben Gras und vertrockneten braunen Sträuchern behaupten sich aber weiterhin kleine grüne Büsche. An den Ufern des Biedou River betreiben eine handvoll Farmen Landwirtschaft. Hier und da gedeihen auf bewässerten Feldern Gemüse und Getreide. Die Mehrzahl der Flächen dient aber Schafen als Weide. Die Piste durchs Biedou Valley ist recht ruppig. Obwohl das breite Tal einsam und menschenleer wirkt, wird die Landschaft von Zäunen durchschnitten. Alle paar Kilometer müssen wir ein Tor öffnen und hinter uns wieder schließen. Ob das Gatter zwei Farmen oder zwei Weiden voneinander abgrenzt ist nicht ersichtlich. [1: Thermometer ist im Schatten unterm Sattel montiert.]

Die Enjo Nature Farm ist eine kleine Oase. Der Campingplatz liegt am Ufer des Biedou River, der kaum mehr als ein kleiner Bach ist. Die Idee unseren Durst mit zwei kalten Bier zu löschen, steigt uns ziemlich schnell in den Kopf. Also erst mal im Trinkwasserspeicher abkühlen. Das runde Bassin, oberhalb der Farm misst etwa 10 m im Durchmesser und 1,5 m in der Tiefe. Ein Baum spendet Schatten und ist Heimat vieler Webervögel. Die Nester der kleinen gelben Vögel hängen zu Dutzenden von den Ästen. Ein Handtuch ist nicht nötig - wenige Minuten im heißen, trockenen Wind und wir sind trocken geföhnt. Des Abends wollen die 2 Pferde der Farm am Fluss trinken. Aber da haben doch 2 Deppen ihr Zelt direkt in den Weg gestellt. So einen Frechheit! Am Ende geben die Klügeren nach und suchen sich einen anderen Weg zum Wasser.

Felszeichnunn der Koisan am Sevilla Rock Art Trail  Felszeichnunn der Koisan am Sevilla Rock Art Trail  Loser Felsblock so groß wie ein Kleinwagen  Im kargen Biedou Valley  Webervogelnester über dem Trinkwasserspeicher der Enjo Farm  Webervogelnest

Enjo Farm - Tankwa Karoo, 82 km, 820 hm

Übern Fluß in die Wüste

Windrad in der Weite des Biedou Valley

Die Sonne geht um halb sechs auf, um zwanzig nach sieben sitzen wir auf den Rädern. Bei angenehmen 22°C geht es durch das schöne Biedou Valley in Wellen bergab. Das breite, karge Tal wird von Tafelbergen eingerahmt. Zwischen vielen vertrockneten Pflanzen behaupten sich weiterhin einige niedrige grüne Büsche. Ein vielflügeliges Windrad dreht sich auf einem vielleicht 10 m hohen Gitterrohrmast. Zum Eindruck, durch eine Westernkulisse zu radeln, passt auch die bisweilen sandige Schotterstraße.

Am Ende des Tals stehen wir vorm Doring River. Dieser gut 50 m breite Fluss hat uns viel Kopfzerbrechen bereitet. Neben der Furt liegt ein kleines stählernes Floß. Aufgeregtes Bellen kündigt den Farmer an. Seine zwei Welpen reichen uns bis zur Hüfte. Die 7 Monate alten Hunde sind noch ziemlich verspielt und haben keine Ahnung welchen Respekt sie uns einjagen, wenn sie uns anspringen. Wir legen unsere Räder auf das Floss und schieben es zu dritt über den Fluss. Das Wasser ist einen knappen Meter tief, die Strömung vernachlässigbar. Die ganze Aktion dauert keine halbe Stunde. Nachahmer wird interessieren, dass der Fluss noch im August gut 2 m tiefer und erheblich breiter war.

Der Anstieg auf der anderen Seite ist steil und rau, aber bis auf wenige Passagen fahrbar. Auf 5,5 Kilometern gewinnen wir rund 300 m an Höhe. Von Oben zeichnet sich der Fluss als grünes Band zwischen den gelb-roten Tafelbergen ab. Am blauen Himmel darüber ist weit und breit kein Wölkchen zu sehen. In der immer trockeneren Landschaft bestimmen zunehmend Sukkulenten, Pflanzen die Wasser in ihren Blättern speichern, das Bild. Die Piste hat alles zu bieten: tiefen Sand, raues Wellblech, grobe Steine aber auch glatten festen Lehm. Der überwiegende Teil ist kräftezerrend und anspruchsvoll zu fahren. Zum Glück ist es mit gut 35°C nicht ganz so heiß wie gestern.

Selbst hier sind Zäune allgegenwärtig. Sie umschließen riesige Flächen. Kilometer um Kilometer säumen sie die Straße. Zwischen zwei Gattern fahren wir schon mal eine halbe Stunde. Schon etwas skurril, dass eine solch weite Landschaft von Zäunen durchzogen wird. Aber auch erstaunlich, dass trotz aller Kargheit Landwirtschaft möglich ist. Irgendwo in dieser Weite weiden Schafe, Ziegen oder Strauße. Zu Gesicht bekommen wir sie aber nur gelegentlich.

Am geschotterten Karoo-Highway (R355) liegen drei Farmen. Zu unserem Erstaunen sprechen die schwarzen Arbeiter nur Afrikaans. Diese Sprache hat sich aus dem Holländischen entwickelt und dennoch verstehen wir kein Wort. Zum Glück ist gerade der Chef da. Wir füllen unsere Flaschen mit dem Wasser, mit dem auch die Felder bewässert werden. Schmeckt nicht toll, aber der alte Mann versichert uns es sei okay.

Zäune und Sprachbarrieren erschweren unsere Suche nach einem Platz zum Zelten erheblich. Und das in einer Gegend in der wir den ganzen Tag keinen 20 Menschen begegnen. Erst wollen wir bei einer Farm um Erlaubnis bitten - werden aber nicht verstanden. Dann hoffen wir, dass es schon niemanden stört, wenn wir unser Zelt einfach irgendwo aufbauen - und irren uns. Erst kurz vor Sonnenuntergang finden wir eine Stelle, die nicht eingezäunt und von der Straße nicht einsehbar ist. Das hatten wir uns einfacher vorgestellt!

Sandige Piste im Biedou Valley  Vor der Überquerung des Doring River  Das grüne Band des Doring River zwischen den roten Tafelbergen  Langer rauer Anstieg östlich des Doring River  Sukkulenten in der Tankwa Karoo  Sukkulenten vor der trockenen Weite der Tankwa Karoo