Suedafrika per Rad - Tagebuch einer Radreise

© Christian Hartmann, Jörg Feye,  ✉ 

Tankwa Karoo - Tankwa Guest Farm, 74 km, 330 hm

Vielfalt in der Wüste

Sukkulenten in der Tankwa Karoo

Wie gestern starten wir schon früh am Morgen, wenn die Temperaturen noch angenehm sind. Die Piste bleibt wechselhaft und über weite Strecken anstrengend. Die weite Ebene wird in der Ferne von Tafelbergen umschlossen. Bis zum Tankwa Karoo National Park - immerhin gut 20 Kilometer - sind Zäune ein fester Bestandteil der Landschaft. An Trockenheit angepasste Sukkulenten bestimmen das Bild. Bei einigen Arten sind die fleischigen Blätter gelb und rund, bei anderen dunkelrot und länglich. Auch verschiedene Kakteen gehören zur Familie. Immer wieder gibt eine andere Pflanze den Ton an. Die Dichte der Vegetation variiert ständig. Ebenso der Untergrund: hier rot und lehmig, dort gelb und sandig und an anderer Stelle schwarz und steinig. Dies alles macht die Landschaft erstaunlich abwechslungsreich. Trotz der, gelinde gesagt dünnen Besiedlung, verläuft eine Stromleitung entlang der Straße.

Den Eingang zum National Park markieren ein Schild und ein Cattle Grid - ein Viehgitter, das Fahrzeuge problemlos überqueren können, Tiere aber nicht. Gegen Mittag erreichen wir die Verwaltung im Herzen des Naturschutzgebietes. Hier gibt es Toiletten und einen Kühlschrank mit Getränken. Mit der Plörre von Gestern gießen wir die Pflanzen und füllen 15 Liter frisches Wasser in unsere Flaschen.

Der Tankwa Karoo National Park schützt eine beeindruckende Halbwüste. Regenfälle im August und September lassen die artenreiche Vegetation aufblühen. Die Landschaft verwandelt sich in einen bunten Blumengarten. Im Laufe des Sommers vertrockneten die Pflanzen zunehmend und lassen eine dürre Ödnis entstehen. Neben vielen Vögeln beheimatet der Park Geckos, Kapkobras, Schildkröten, Bärenpaviane, Springböcke und Oryxantilopen - um nur die zu nennen, die wir selber gesehen haben. In aller Regel haben die Tiere uns längst bemerkt, bevor wir sie sehen. Die Geckos verschwinden blitzartig unter Steinen, Springböcke und Orxy rennen, bis sie etwa 300 m Abstand hergestellt haben. Die Flora ist in einer Übergangsphase. Ein Teil ist schon vertrocknet, die Mehrzahl hat aber noch Saft in den Blättern. Am Südende des Parks überqueren wir eine trockene Senke. Es ist das Bett des Tankwa River, des Namensgebers der Region. Wenn der Fluss schon im Frühjahr kein Wasser mehr führt wollen wir uns nicht ausmalen, welche Bedingungen hier im Sommer herrschen. Uns reichen 36°C völlig.

Die Tankwa Guest Farm liegt knapp außerhalb des Parks. Für 500 Rand bekommen wir ein großzügiges Apartment mit Schlafzimmer, Wohnzimmer, Bad und Küche. Am Tisch auf der schattigen Veranda fühlen wir uns besonders wohl. Jason, der 4-jährige Sohn unserer Vermieter, kann seine Neugierde nicht verbergen. Vor allem unser GPS findet er spannend. Uns zieht der runde, gut 5 Meter durchmessende, Wasserspeicher magisch an. Beim erfrischenden Bad beobachten wir, wie Webervögel in den nahen Bäumen ihre Nester flechten. In der Nacht bewundern wir einmal mehr den beeindruckenden Nachthimmel. Trotz Neumonds ist es erstaunlich hell.

Stromleitung in der Tankwa Karoo  Waschbrettpiste in der Tankwa Karoo  Sukkulenten in der Tankwa Karoo  Sukkulenten in der Tankwa Karoo  Sukkulenten in der Tankwa Karoo  Sukkulenten in der Tankwa Karoo  Vertrockneter Strauch in der Tankwa Karoo

Tankwa Guest Farm - Laingsburg, 135 km, 1485 hm

Etwas verschätzt

Vielfältige Sträucher auf steinigem Boden in der Tankwa Karoo

In Wellen radeln wir auf meist gutem Schotter gen Westen. Dabei folgen wir dem Tankwa River, der sich tief in die Landschaft eingegraben hat. Einer grünen Schlange gleich windet sich sein Tal, links von uns, durch die Landschaft. Rechts dominieren markante Tafelberge das Bild. Sie überragen eine Ebene, die mit feinen schwarzen Steinen bedeckt ist, um rund 500 m. Sträucher mit kleinen gelben Blüten und grünen Nadeln bilden mancherorts regelrechte gelbe Teppiche. Auch heute wird's nicht langweilig, fördert jede neue Perspektive neue Nuancen zu Tage. Aber die Landschaft ist wieder eingezäunt. Für Paviane und Antilopen gibt es keinen Platz mehr. Diesen beanspruchen wieder Schafe.

Wir kommen überraschend gut voran und erreichen schon am frühen Nachmittag die asphaltierte R354 Richtung Matjiesfontein. Der Weg über den 1250 m hohen Pass könnte eine einfache Übung sein, käme jetzt nicht der Wind von vorn. Die Landschaft ist nicht mehr so reizvoll wie die letzten Tage oder heute Morgen. So keimt in uns der Entschluss, kein zweites Mal wild zu zelten, sondern bis Laingsburg durchzufahren. Dies erweist sich als anstrengender als angenommen. Einerseits ist der Anstieg mit so vielen Wellen gespickt, dass wir zwischenzeitlich glauben nie oben anzukommen. Andererseits ist der Gegenwind ganz schön kräftig. So kräftig, dass wir nicht mal die lange Abfahrt, jenseits des Passes, genießen können.

Richtig mies wird es aber erst, als wir 18 Kilometer vor Matjiesfontein auf eine Schotterstraße nach Laingsburg abbiegen. Bisher kam der Wind aus Süden und sollte daher jetzt von rechts kommen. Tut er aber nicht! Er kommt weiter von vorn und zwar noch stärker als zuvor. Immer wieder brüllt er uns mit einer Kraft an, dass uns Hören und Sehen vergeht. Zudem ist das Tal ziemlich schick und hätte unsere Aufmerksamkeit verdient. Mittlerweile kämpfen wir aber nicht nur gegen den Wind, sondern auch gegen die Zeit an. Zwischenzeitlich sieht es nicht so aus, als könnten wir unser Ziel noch bei Tageslicht erreichen. Und immer wieder bringt uns der Wind an unser Limit.

Die letzten Kilometer auf der vielbefahrenen Nationalstraße 1 ähneln dann eher einem Paarzeitfahren als einer Radtour. Hier ist es zumindest landschaftlich wieder egal. Jeden Windstoß, den ein LKW vor sich herschiebt, merken wir jetzt. Und uns kommen viele LKW entgegen. Nach einer Fahrzeit von 8:48 Stunden erreichen wir um 18:56 Uhr die Laings Lodge. Warum haben wir uns eigentlich so beeilt, die Sonne geht doch erst in 20 Minuten unter. Spaß beiseite, ohne Not brauchen wir so was nicht noch mal.

Kleine Kaktee in der Tankwa Karoo  Blick auf Tafelberge in der Tankwa Karoo  Hügel aus kleinen schwarzen Steinen in der Tankwa Karoo  Köcherbaum in der Tankwa Karoo  Cattle Grid und Schild begrenzen eine Schafweide in der Tankwa Karoo  Gelb blühender Busch in der Tankwa Karoo  Gelb blühender Busch in der Tankwa Karoo 

Laingsburg - Koueveld Pass, 66 km, 1160 hm

Die Sachen mit den Bienchen und den Zwiebeln

Windrad vor den Ausläufer der Swartberge

Da heute Sonntag ist, öffnet der OK Supermarkt "erst" um 9 Uhr. Vor dem funktionalen grauen Gebäude parken schon etliche einfache, kleine Pick-Ups. Ein A4-Blatt am schwarzen Brett kündigt das nächste Fußballspiel der lokalen Mannschaft an. Ein anderes informiert über die Aktivitäten der Kirchengemeinde. Derweil versammeln sich die Gläubigen in der sehenswerten steinernen Kirche.

Auf den ersten Kilometern bestimmen gelbe Sträucher das Bild. Wir passieren mehrere kleine Farmen. Felder mit blühenden Zwiebeln erregen unsere Aufmerksamkeit. Um sie herum steht alle 5 oder 6 Meter ein Bienenstock. Anscheinend wird hier Honig produziert und kein Gemüse. Schon bald säumen gefaltete Felsen die Straße. Gesteinsschichten in vielfältigen Rot- und Grautönen sind gebogen und gekippt, als wären es dünne, unachtsam auf einen Haufen geworfene Stoffe. Feine Lagen aus bröckeligem Stein zersplittern zwischen unseren Fingern wie dünne Kekse. Kurvenreich und wellig bahnt sich das Asphaltband seinen Weg durch die westlichen Ausläufer der Swartberge. Die "schwarzen Berge" sind Teil des Kap-Faltengürtels, in dem Sandstein und Schieferformationen vorherrschen.

Die Landschaft ist karg. Niedrige gelbe und grüne Sträucher bedecken den steinigen Boden. Hier und da ragt ein Windrad auf. Über eine Kurbelwelle treibt die Drehbewegung eine Kolbenpumpe an. So wird Wasser in ein rundes Speicherbecken gefördert. Die Mehrzahl ist aber offensichtlich nicht mehr funktionstüchtig. In einer Senke gedeiht eine riesige Kaktee. Das blühende Stachelgewächs überragt uns um mehrere Köpfe und würde so manchen Raum locker ausfüllen. Auf den Blüten sammeln fleißige Bienen Nektar.

Wir kommen in ein langgestrecktes Tal, Schotter löst den Asphalt ab. In langen Wellen und endlos erscheinenden Geraden geht es zwischen zwei Bergketten hindurch. Die Berge wachsen immer höher und erreichen am Ende des Tages Höhen von 1500 m im Norden und 2300 m im Süden. Inmitten dieser kargen Einsamkeit behaupten sich Obstfarmen. Vor einem Haus stehen Strauße, die aus alten Traktorteilen zusammengeschweißt wurden. Die größte Überraschung ist aber die Grundschule. Schade, dass heute Sonntag ist. Uns hätte durchaus interessiert, wie viele Schüler sie besuchen.

Wenige Kilometer jenseits des 1200 m hohen Koueveld Passes erreichen wir das Camp Op Die Plaas. Der Name "auf dem Bauernhof" ist Programm. In einem Wäldchen zwischen Feldern und Weiden, liegt ein gepflegter Campingplatz. Die Familie verkauft Eier und andere Hoferzeugnisse. In den Bäumen herrscht geschäftiges Treiben. Unzählige Webervögel sind lautstark mit dem Nestbau beschäftigt. Und wir sind - wie schon oft - die einzigen auf dem Platz.

Feld mit blühenden Zwiebeln und Bienenstöcken  Gesteinsschichten in vielfältigen Rot- und Grautönen am Rooinek Pass  Große Kaktee  Kakteen-Blüte  Farm am Koueveld Pass  Webervogelnester

Koueveld Pass - Calitzdorp, 68 km, 745 hm

Die Sieben-Wochen-Schlucht

Aloe-Pflanzen am Ausgang der Seweweekspoort

Der Tag beginnt mit der Fahrt durch die beeindruckende Seweweekspoort. Unterhalb des gleichnamigen 2325 m hohen Gipfels schlängelt sich die Schotterstraße durch eine tiefe, enge Schlucht. Rötliche und graue Felsschichten sind in alle erdenklichen Richtungen gefaltet, gekippt und aufeinander gelagert. Die Straße folgt einem Bach. Dieser begünstigt eine üppige Vegetation. Mannshohe Büsche gedeihen neben satten Riedgräsern und großen Aloe-Pflanzen. Ganz großes Kino! Schade nur, dass die Vorstellung schon nach 14 Kilometern vorbei ist.

Da wir ordentlich gebummelt haben, erreichen wir die asphaltiere R62 erst gegen Mittag. Eine Kirche erregt unsere Aufmerksamkeit. Und neben dem Gotteshaus macht uns das Schild zum Café neugierig. Zwei Jungs begleiten uns auf ihren Rädern. Offenbar ist es cool, eine Luftpumpe oben in die Hose zu stecken. Die kapholländischen Häuser aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sehen gepflegt aus, passen aber irgendwie nicht zur arm wirkenden, schwarzen Bevölkerung. Dies ist eine christliche Mission und eine Landwirtschaftsschule. Die liebenswerte schwarze Köchin serviert uns, für kleines Geld, ein leckeres Hühnchen aus dem Ofen. Chrissis Kitchen ist eine richtige kleine Oase. Aber Christine und ihre Mitstreiter plagen auch Sorgen. Einige Kinder schwänzen regelmäßig die Schule, dabei ist Bildung das größte Anliegen der Mission.

Auf der R62 ist nicht viel Verkehr. Rote Felsen sowie grüne Büsche und Bäume bestimmen das Bild. Sehr reizvoll und kurvenreich überwindet die Straße einen Hügel.

Im großen Dorf Calitzdorp sind viele Schwarze auf den Straße. Dies ist soweit nicht ungewöhnlich, aber heute nehmen wir eine angespannte, fast schon gereizte, Stimmung war. Der Tonfall ist rau und laut. Uns lässt man in Ruhe, aber zum ersten Mal fühlen wir uns nicht ganz wohl. Noch etwas anderes ist sonderbar. Vor den Geldautomaten haben sich lange Schlangen gebildet. Wir erfahren, dass heute Zahltag ist. Es wird nicht nur Geld abgehoben, sondern auch Rechnungen, Strom und Miete bezahlt. Und so mancher investiert sein Geld gleich in Alkohol. Da die Party schon heute Morgen begann, benehmen sich jetzt, am späten Nachmittag, einige Gäste daneben.

Wir decken uns für die kommenden drei Tage mit Lebensmitteln ein und ziehen weiter. Auf einer unbefestigten Straße radeln wir das grüne, wasserreiche Groenfontein Valley hinauf. Laubbäume, dichte hohe Büsche und satte Wiesen bestimmen das Bild. Am Ufer des Stausees liegt ein kleiner Campingplatz. Allerdings gibt es keine Rezeption, nur ein Schild mit einer Telefonnummer. Schön hier. Einmal mehr haben wir freie Platzwahl. Nur warm duschen fällt heute aus - kein Gas. Aber damit können wir gut leben.

Rötliche Felsschichten in der Seweweekspoort  Aloe-Pflanze in der Seweweekspoort  Aloe-Pflanze und Felsschichten in der Seweweekspoort  Jungen mit Fahrrädern in christlicher Mission

Calitzdorp - De Hoek (Swartberg Pass), 59 km, 1270 hm

Eine Ausfahrt ins Grüne

Kakteen vor den Swartbergen im grünen Groenfontein Valley

Heute Morgen schwimmen einige Gänse auf dem Stausee. Ihr Schnattern hat uns geweckt. Der langgestreckte, schmale See füllt eine Talsenke. Am gegenüberliegenden Ufer wachsen die grünen Hänge direkt aus dem Wasser empor. Das Groenfontein Valley macht seinem Namen alle Ehre, es ist grün und wasserreich. Am Ufer des Baches wächst 5 bis 6 m hoher Bambus. Grüne Wiesen sind von Weiden und Eichen umgeben. Dahinter, zu unserer Linken, ragen die Swartberge 1600 bis 2000 m hoch auf. Im Tal haben sich viele Künstler niedergelassen. Alle Nase lang weist ein Schild den Weg zu einer Galerie. Auch an Farmen herrscht kein Mangel. Etliche Kreative und Bauern bieten Gästezimmer an. Kühe, Schafe und Strauße bevölkern die Weiden. Am Straßenrand und auf mancher Weide gedeihen große Kakteen und Aloe-Pflanzen. Bach und Schotterstraße winden sich kurvenreich durchs Tal. Schön hier! Kaum zu glauben, dass wir uns noch immer in der Karoo befinden.

Rund 14 Kilometer lang geht es moderat bergauf. Dann löst sich die Straße vom Bach und überwindet einen steilen Hügel. Im nächsten Tal, am Abzweig ins Kruis Rivier Valley, lädt das Café eines Künstler-Paares zum Verweilen ein. Im weiteren Verlauf geht es wellig bergauf. Für viele Kilometer radeln wir an der Swartberg Private Game Lodge entlang. Das Wildgehege ist von einem massiven gut 4 m hohen Zaun umgeben. Das weitläufige Gelände an den Hängen der Swartberge ist Heimat von Giraffen, Zebras und diverser Antilopen-Arten. Von der Straße aus sind leider keine Tiere zu sehen.

Rund um das kleine Dorf Matjiesrivier bestimmen wieder Weiden, Felder und Bäume das Bild. Trotz seiner geringen Größe hat der Ort eine Schule, eine Kirche, ein Café und ein Backpackers. Ein letztes Mal geht es 250 Höhenmeter den Berg hinauf. Und auf der asphaltierten Straße zum Swartberg Pass gleich wieder 200 Höhenmeter bergab. Wir passieren mehrere große Straußenfarmen. Den Weg zum Campingplatz säumen blühende Kakteen.

Aloe-Pflanzen und Kakteen im Groenfontein Valley  Strauß im Groenfontein Valley  Kühe und Aloe-Pflanze im Groenfontein Valley  Blühende Kakteen nache des De Hook Resort

De Hoek - Gamkaskloof ("Die Hel"), 67 km, 1720 hm

Fahr doch zur Hölle!

Südrampe des Swartberg Passes

Vor den kommenden 2 Etappen haben wir einen gehörigen Respekt. Der 1575 m hohe Swartberg Pass stellt dabei noch die geringste Herausforderung dar. Es ist die Strecke die von dort hinunter ins abgelegene Gamkaskloof Tal, auch bekannt als "Die Hel", führt. Die 42 Kilometer lange Naturstraße soll nicht nur besonders schön, sondern auch außerordentlich anspruchsvoll sein. Läden gibt es auf der Strecke natürlich auch nicht. Fahr doch zur Hölle!

Die ersten asphaltieren Kilometer sind nicht schwer zu fahren. Und schon nach 10 Kilometern lädt ein Café zu einer Rast ein. Am Straßenrad erregt eine große Schildkröte unsere Aufmerksamkeit. Ihr Panzer misst rund 40 cm im Durchmesser. Respekt! Wenig später beginnt das Naturschutzgebiet Groot Swartberg und guter, glatter Schotter löst den Asphalt ab. Auf den grauen Felsen gedeihen niedrige grüne Sträucher und Gräser, sowie gelbe Blumen. Bis zu den Gipfeln sind die Berge von einem dünnen Pflanzenteppich bedeckt. Die Steigung zieht an, bleibt aber gut fahrbar. Daran ändert auch ein teils kräftiger Fallwind nichts. Je höher wir kommen, desto schöner wird es. Von oben wirken die Wiesen und Felder im Tal wie ein Mosaik aus grünen, gelben und roten Flächen.

Nördlich des Passes breitet sich eine trockene, karge Hochebene aus, die von einem Buschfeuer gezeichnet ist. Die Piste zu "Die Hel" ist vom ersten Meter an rau. Mal tief und sandig, mal holprig und steinig. Aber immer anstrengend. So kommen wir nur langsam voran - obwohl es bergab geht. Im oberen Abschnitt sprießt, zwischen verkohlten Pflanzen, zaghaft neues Grün. Schon bald bestimmen gelb blühende Blumen vor einer Kulisse aus roten Felsen das Bild. Je tiefer wir kommen, desto grüner wird das Tal. Die Berge ringsum ragen immer höher auf. Mehrfach meinen wir die Kräfte der Plattentektonik geradezu sehen zu können. Über weite Strecken führt die Piste oberhalb einer tiefen Schlucht entlang. Gämsen springen, mit schlafwandlerischer Sicherheit, eine steile Felswand rauf. Großartig! Und hinter jeder Kurve eröffnen sich neue, spannende Ausblicke. Obwohl es über 800 Höhenmeter bergab geht, kostet die raue Piste und die unzähligen, steilen Wellen immens viel Kraft.

Die lange Rampe des Elands Passes können wir schon von weitem erkennen. Über 300 Höhenmeter geht es noch mal steil bergauf. Und dann stehen wir vor einem Abgrund: 500 m unter uns und doch nur einen Steinwurf entfernt, liegt ein schmales grünes Tal. Rein rechnerisch sind es 5 Kilometer mit im Schnitt 10% Gefälle. Gefühlt holpert die grobe, steinige Piste, stets nur eine Handbreit vom Abgrund entfernt, in unzähligen Haarnadelkurven, mit 14-15% den Berg runter. Was für ein Ritt! Zum Glück sind die gefährlichsten Stellen befestigt.

Geschafft! Die letzten sandigen Kilometer führen durch einen dichten Wald. Eine Horde Bärenpaviane kreuzt unseren Weg. Räder, Taschen und Beine sind am Ende mit einer dicken Schicht aus rotem Staub bedeckt. Unsere Ketten quietschen herzzerreißend. Für 500 Rand können wir in einem tollen alten Cottage übernachten. Es gibt kaltes Bier und eine warme Dusche. Wenn man erst mal da ist, kann man es in der Hölle gut aushalten!

Frisches Grün zwischen verkohlten Pflanzen zu Beginn der Piste zu "Die Hel"  Bergpanorama auf dem Weg nach Gamkaskloof  Tiefe Schlucht unterhalb der Piste zu "Die Hel"  Hohe Berge überragen die Schotterstraße nach Gamkaskloof  Kraftraubender Anstieg zum Elands Pass  Blick vom Elands Pass ins Gamkaskloof Tal

Gamkaskloof - Prince Albert, 64 km, 1790 hm

Höllisch schöne Landschaft - aber auch höllisch anstrengend

Serpentinen in der Nordrampe des Swartberg Passes

Die Straße nach Gamkaskloof ist eine Sackgasse. Irgendwie müssen wir also auf der steilen, schwierigen Piste wieder aus dem Tal heraus klettern. Schon um zehn vor sieben drehen sich die Räder. Noch ist es mit 17°C angenehm kühl. Den Anstieg zum Elands Pass versüßen uns hohe Aloe-Pflanzen. Alle paar hundert Meter legen wir eine kurze Pause ein, schöpfen neue Kraft und genießen den Ausblick auf das grüne Tal und die umliegenden hohen Berge. Es ist einfach sagenhaft schön hier! Noch bis 1962 war das fruchtbare Tal nur über Eselspfade erreichbar. In selbstgewählter Isolation lebte eine kleine Gemeinschaft - ohne Strom und Telefon - von dem, was der Boden hergab. Nach etwas über zwei Stunden haben wir den Elands Pass erklommen. Ein Auto hält neben uns an. Das Ehepaar aus Strand an der False Bay hat uns schon gestern überholt und freut sich uns wiederzusehen.

Nach insgesamt sechs Stunden erreichen wir wieder den Swartberg Pass. Königs-Protea mit Handteller großen gelb-roten Blüten säumen zeitweilig die Piste. Die Pflanzen aus der Familie der Zuckerbüsche werden gut Mannshoch. Auch der Rest der Strecke hat nichts von seinem Reiz verloren. Allerdings haben wir am Ende die anstrengende Piste satt. Jeder Kilometer ist harte Arbeit. Räder und Radler sind wieder mit rotem Staub bedeckt und dass die Ketten erst gestern Öl bekommen haben, ist auch nicht mehr zu erahnen.

Die Landschaft bleibt beeindruckend. Die Nordrampe des Swartberg Passes windet sich in spektakulären Serpentinen durch eine enge Schlucht aus rötlichen Felsen. Vielerorts sind die Felsschichten in die Vertikale gekippt. Grüne Sträucher und Gräser finden selbst in senkrechten Wänden Halt. Und doch betont die spärliche Vegetation in erster Linie den felsigen Charakter des tiefen, engen Tals. Allererste Sahne!

Die letzten Kilometer ins kleine Karoo-Städtchen Prince Albert sind dann wieder asphaltiert. Welch eine Wohltat! Der Ort besteht im Wesentlichen aus einer ziemlich langen Hauptstraße. Diese ist gesäumt von blühenden Bäumen und ansprechenden, meist eingeschossigen Häusern. Die Zahl der Cafés und Galerien ist durchaus beachtlich. Am Rande der Stadt, zwischen Olivenfeldern, liegt der kleine Campingplatz. Und - oh Wunder - wir sind mal wieder die einzigen Gäste.

Aloe-Pflanzen im Anstieg zum Elands Pass  Blüter einer Königs-Protea  Königs-Proteen im Anstieg zum Swartberg Pass  Karge Hochebene nördlich des Swartberg Passes  Rötliche Felsen im Nordanstieg des Swartberg Passes  Vertikale Felsschichten im Nordanstieg des Swartberg Passes